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Kinoprogramm Donnerstag, 26.05.2016 - Mittwoch, 01.06.2016

Im Strahl der Sonne

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30

Regie: Vitalij Manskij, (Russland/Deutschland/Lettland/Tschechische Republik/Nordkorea), 2016

Im Strahl der Sonne

Nordkorea ist das schönste Land der Welt! Das hört die 8-jährige Zin-mi aus Pjöngjang jeden Tag - von ihren Eltern, in der Schule und über donnernde Lautsprecher auf den weiten Plätzen der Stadt. Natürlich glaubt sie es. Aus vollster Überzeugung huldigt sie dem „großen Führer“ Kim Jong-un und bereitet sich eifrig auf ihre feierliche Aufnahme bei den Jungpionieren vor, mit der sie endlich zum vollwertigen Mitglied des sozialistischen Staates wird.

Der vielfach ausgezeichnete russisch-ukrainische Regisseur Vitaly Mansky hat Zin-mi ein Jahr lang begleitet. Er erhielt dafür zwar eine offizielle Drehgenehmigung, doch die nordkoreanischen Behörden suchten Drehorte und Interviewpartner aus, postierten Aufpasser am Set und dirigierten ganze Szenen. Der Staat wollte Propaganda: ein vorbildhaftes Kind in einem mustergültigen Umfeld. Aber Mansky ließ die Kamera auch während der sorgsamen Einrichtung der Einstellungen laufen und erklärt sein Material durch einen Kommentar. So dokumentiert er in Wirklichkeit eine erbarmungslose Inszenierung. Tatsächlich ist in Nordkorea nichts so, wie es scheinen soll!

Heimliche Aufnahmen vom öffentlichen Leben gewähren weitere faszinierende Einblicke in ein mit Angst und Schrecken besetztes Land. Hier findet Mansky auch das, wonach er eigentlich gesucht hat: das Menschliche hinter den offiziellen Masken.

Das Original ist besser!Petting Zoo (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30 17:30
19:30

Regie: Micah Magee, (Deutschland/Griechenland/USA), 2015

Darsteller: Devon Keller, Austin Reed, Deztiny Gonzales u.a.

Petting Zoo (OmdU)

Trailer: http://bit.ly/1SsdTQa

Die Lust, in die Leinwand zu steigen und die Hauptfigur kräftig durchzuschütteln, überkommt den Zuschauer wohl auch in PETTING ZOO. Die 17-jährige Layla, berührend gespielt von Debütantin Devon Keller, würde es aushalten. Und weiter ihrer Wege gehen. Denn sie weiß wirklich, was sie will.

Weil es ihr gut geht? Kann man so nicht sagen! Aber sie hört auf sich und ihre Reflexe. Layla lässt Danny, der sie geschwängert hat, ebenso fallen wie ein weiteres Mal ihren Vater, der sich in nur einer einzigen echten Begegnung im Film als dreister Meister der Bigotterie entpuppt und damit klar wird, weshalb er in seinem Haus mit der Tochter nicht mehr rechnen kann. Auch der markige Chef, für den Layla in ihren letzten Ferien jobbt, sollte besser wegtreten, der übergriffige Onkel nicht minder. Allein die warmherzige, einfach um die Enkelin wissende Großmutter in ihrer bescheidenen Hütte am grünen Stadtrand von San Antonio/Texas ist für das stille, schmale, sture Mädchen ein echter Halt.

Das Begabtenstipendium für eher ärmere Schüler hat sie bekommen, ob sie das Studium auch antreten wird, steht in den Sternen. Doch Layla greift nach ihnen. Sie will es noch mehr, als zwei Verluste ihren Weg pflastern.

PETTING ZOO ist ein naturalistisches, Hoffnung stiftendes, genügsam im Beobachten schwebendes Drama im Stile Kelly Reichardts, das seine tiefer liegenden Themen nicht wie Banner vor sich her trägt. Nicht die autobiografischen Ansätze der in Berlin lebenden Regisseurin und Drehbuchautorin Micah Magee, nicht die System- und Gesellschaftskritik an ihrer Heimat USA, erst recht nicht die so starke Figur Laylas.

Vielleicht mag man sie dann doch nicht schütteln. Eher mitnehmen. Für einen Drink an der Bar und einen offenherzigen Moment am nächsten Tag.

Karl Kurz

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Parchim International

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45
19:15 19:15 19:15

Regie: Stefan Eberlein, Manuel Fenn, (Deutschland), 2016

Parchim International

… nimmt sich jetzt nicht so viel von der Eigenbeschreibung des Airport Dresden International, von dem man, wenn man es nicht besser wüsste, allein durch das englisch gesprochene international, annehmen müsste, dass hier schwerst die Passagier- und Logistikpost abgehen würde. Möchte man von Dresden aber mal so richtig in die Welt, dient der alte Flughafen Klotzsche jedoch meist nur dazu, Menschen zu den wirklich internationalen Flughäfen zu bringen, von denen man in die Welt gelangt.

Um so bizarrer mutet der Filmtitel dieser bemerkenswert interessanten Dokumentation an, in der es zu meinem Erstaunen über den bei Parchim tatsächlich existierenden Flughafen selben Namens geht, der einst 1937 von der Wehrmacht erbaut wurde. Nun liegt Parchim, Einheimische mögen mir vergeben, so ziemlich am westlichen Pampa-Arsch McPomms. Einziger Vorteil, Anbindung an den Schienenverkehr, Autobahnanschluss Berlin-Hamburg und eine gar 150m längere Start- und Landebahn als Draysden Internäschonell. Ich meine, da muss doch was gehen, meinte auch der wohlbetuchte Herr Jonathan Pang aus China und kaufte den alten Militärflughafen der Stadt ab. Nun fragt man sich wohl zu recht, was einen chinesischen Geschäftsmann dazu treibt, 30 Millionen Euro für solch einen Dorfflugplatz auszugeben? Zum einen offensichtlich, die Vorteile der bereits erwähnten verkehrstechnischen Anbindungen, die flächenmäßigen Ausmaße und schlussendlich ein nicht existierendes Nachtflugverbot, was ihm im Falle von Auftraggebern einen enormen Vorteil gegenüber Hamburg und Berlin bescheren würde. Und schon visioniert Herr Pang über eine internationale Drehscheibe des Flugfrachtverkehrs zwischen China, Europa, Afrika und Feuerland-Mitte, „Parchim Airport City“. Shops, Hotels, bis zu 10 Millionen Beschäftigte und, hast Du nicht gesehen, Parchim ein neues Zentrum der Globalisierung!

Doch die Realität hält einen auf Stelzen stehenden Container bereit, der als provisorischer Tower dient und auf dem Tag und Nacht ein Positionsscheinwerfer quietschend seine Runden dreht, während die Feldhasen gemütlich über die Piste hoppeln und sich die Belegschaft, die des Englischen nicht mächtig ist, auf dem Vorfeld Gute Nacht sagt. Über sieben Jahre begleiteten der Regisseur Stefan Eberlein und Kameramann Manuel Fenn das Projekt und Investor Jonathan Pang auf dem Weg seiner Visionen, durch die dunklen Schluchten der provinziellen Bürokratie, die tragikomische und bittere Einblicke in die skurrile Realität des Kapitalismus geben. Die reale Geschichte eines Visionärs, der unbeirrt seine Ideen in die Welt der Logistik zu tragen versucht. Provinzposse und Culture-Clash-Comedy mit Tiefgang zwischen Parchim und Peking (www.parchim-airport.com).

Das Original ist besser!Ein Hologramm für den König (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00 21:00 21:00
21:15

Regie: Tom Tykwer, (Deutschland/USA/Großbritannien/Frankreich), 2016

Darsteller: Tom Hanks, Sarita Choudhury, Omar Elba u.a.

Ein Hologramm für den König (OmdU)

Die Zusammenarbeit bei »Cloud Atlas« muss ihnen gefallen haben, denn einmal mehr machen die beiden Namensvettern Tom Tywker und Tom Hanks gemeinsame Sache. Der deutsche Regisseur und der amerikanische Superstar vereinen ihre Kräfte in dieser unterhaltsamen Geschichte über den strauchelnden US-Geschäftsmann Alan Clay, der sein Glück in Saudi-Arabien sucht. Nachdem er sowohl Haus als auch Ehefrau verloren hat, reist Clay ins Königreich, wo er dem saudischen König seine neuste Hologramm-Technologie verkaufen will. Für Clay ist dieser Deal der einzige Weg, seinen Bankrott abzuwehren und die College-Gebühren für seine Tochter zu bezahlen. Das Problem daran? Den König hat seit 18 Monaten kaum einer zu Gesicht bekommen. Clay bleibt also genug Zeit, sich mit der arabischen Kultur zu beschäftigen und kritische Themen wie die Unterdrückung der Frau oder die Hinrichtungen des Königshauses mit schwarzem Humor zu betrachten. Ob mit zu viel Witz und zu wenig Tiefe - das muss jeder selbst entscheiden. Mündige Bürger sehen sehr wohl den kritischen Fingerzeig Tywkers - nicht nur auf saudi-arabische Gegebenheiten, sondern auch auf die globalisierte Wirtschaft. Letzteres ist vor allem dem Buch von Dave Eggers zu verdanken, auf dem der Film basiert. Eggers analysierte in „Hologramm für den König“ den Würgegriff der amerikanischen Wirtschaft, in dem sich Clay befindet, während die allgegenwärtigen Chinesen global zum immer wichtigeren Player aufsteigen. Neben Kultur und Wirtschafts-Schelte soll die Verfilmung jedoch vor allem gute Unterhaltung bieten. Und das tut sie - dank eines grandiosen Hauptdarstellers!

Viktoria Franke