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Kinoprogramm Donnerstag, 30.04.2015 - Mittwoch, 06.05.2015

Härte

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00

Regie: Rosa von Praunheim, (Deutschland), 2015

Darsteller: Andreas Marquardt, Marion Erdmann, Hanno Koffler u.a.

Härte

Das Leben ist hart. Normalsterbliche haben keine Ahnung davon! Anfang der 70er Jahre läuft der 16-jährige Neuköllner Karatekämpfer Andy Marquardt auf Fäusten die Treppen eines 20-Geschossers nach unten. „Junge, wenn du das geschafft hast, dann bist du der Größte. Dann schaffst du alles, was du willst in deinem Leben…!“ Ungefähr zur selben Zeit gelingt ihm etwas noch viel Unvorstellbareres. Durch Auszug aus der elterlichen Wohnung entzieht er sich dem sexuellen Missbrauch, mit dem ihm die eigene Mutter seit zehn Jahren Gewalt antut. Frühzeitig flieht das Kind in den Sport, erst Judo, später Karate. Der pragmatische Grund: Dem Sechsjährigen bricht der Vater die Hand, aus sadistischem Vergnügen, und der Junge schwört, dass ihm nie wieder jemand wehtun dürfe. Da hatte er noch keine Ahnung, welche Schmerzen ihm die Mutter bereiten sollte. Ein Leben lang. Dem erwachsenen Sohn intrigiert sie hinterher, auch deswegen gelingt Andy keine echte Beziehung zu Frauen. Statt dessen beginnt er sein „Hassprogramm auf Frauen“ mit seiner Karriere als einer der härtesten Zuhälter Berlins. Er organisiert täglich 8 bis 10 Prostituierte, von denen keine einzige die anderen kennt. Er geht jeden Tag trainieren und wird mehrfach Europa- und Asienmeister im Vollkontaktkarate. Und er arbeitet für die Steuer offiziell bei einem Bestattungsunternehmen. Irgendwann aber schlägt die Polizei zu, und Marquardt fährt wegen schwerer Körperverletzung an einem seiner Mädchen für 4 Jahre in Moabit ein. Aber das Schwerste kommt erst noch. Im Knast fleht und bettelt er, endlich eine Therapie machen zu dürfen. Er muss reden. Oder er schlägt alles kurz und klein…

Rosa von Praunheim inszeniert dieses Dokudrama, das auf Marquardts Buch »Härte« beruht, mit Hilfe einer stark stilisierten Spielhandlung überaus pfiffig und mit drei eindringlich agierenden Darstellern; Hanno Koffler (Andy), Katy Karrenbauer (Mutter) und Luise Heyer (Marion). Wenn es bei Karate um Respekt geht und darum, den Geist zu befreien, dann bemerkt man an dem heute fast 60-jährigen Marquardt, dass er es geschafft hat. Wie er sich für das Training seiner Karate-Kids stark macht, wie er beim Sozialprojekt »Kind im Zentrum« vor allem benachteiligte und missbrauchte Kinder unterstützt, das zeugt von seinem Sieg über die Härte des Lebens. Respekt!

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Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Every Thing Will Be Fine (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:45 19:45
21:45

Regie: Wim Wenders, (Deutschland/Kanada/Schweden/Norwegen), 2015

Darsteller: James Franco, Charlotte Gainsbourg, Rachel McAdams u.a.

Every Thing Will Be Fine (OmU)

Ein kanadischer Schriftsteller, dessen Gefühlstonus zwischen traurig und nachdenklich pendelt, zieht sich zurück ins Schreibasyl. In einer winterlich einsamen Hütte an einem zugefrorenen See sucht Tomas (James Franco) seine Inspirationen. Welcher Art auch immer. Findet sich selbst jedoch wieder in einer keinesfalls beneidenswerten Situation. Wenn er einer wildfremden Frau und Mutter (Charlotte Gainsbourg) erklären muss, warum er eines ihrer Kinder überfahren hat, während er ihr das andere gerade zurückbringt. Nach dieser Eröffnung verliert die Geschichte ihr Titelversprechen zunächst ein wenig aus den Augen. Es folgen schwere Zeiten, die der Mutter den verbliebenen Sohn um so wertvoller werden lassen und die für den Schriftsteller über die Jahre erstaunlicherweise zum literarischen Erfolg führen. Natürlich erst, nachdem er sich von seiner Alkoholsucht und Drogenflucht erholt und die Trennung von seiner Freundin überstanden hat. Die Schuld bleibt. Punkt und Absatz. Doch ehe man sich versieht, wird alles wieder gut. Man könnte auch vor sich hin murmeln: Was solls, das Leben geht weiter. Wie es der traumatisierte Buchautor Tomas unentwegt tut. Stück für Stück verarbeitet er seine Schuld in seinen Werken. Erfolg stellt sich ein, Frauenzimmer heften sich an seine Fersen und doch mag Tomas den Preis für sein neues Leben nicht so recht akzeptieren. Ein Leben für ein Leben, fragt er sich, und gibt doch sein Bestes und sorgt in seiner neuen Beziehung von ganzem Herzen für seine Stieftochter. Die Schuld bleibt. Ausrufezeichen, neuer Absatz. In der Zwischenzeit ist Christopher (Robert Naylor) ein junger Mann und stellt eines Tages die Frage, wer eigentlich der Kerl war, der damals seinen Bruder überfuhr. Er könnte Tomas etwas von der Schuld abnehmen. Letzter Punkt und Ende. Im Nachwort erklärt Regisseur Wim Wenders noch, warum er findet, dass nicht nur Actionfilme in 3D gedreht werden sollten.

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Das ewige Leben

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00 22:00

Regie: Wolfgang Murnberger, (Österreich/Deutschland), 2014

Darsteller: Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten u.a.

Das ewige Leben

Wenn's da a bisserl geholpert hat, die letzten vierzehn Jahr', in der Cinegraphie vom Brenner - Schwamm drüber! Das geht sich eh' net aus. Chronologie ist für Bürokraten. Die einzige Konstante in Brenners Leben - „Jetzt ist schon wieder was passiert!“ - muss wieder mal genügen als Einleitung. Besagtes Ereignis zwingt den Ermittler in seinem U-Boot auf Schleichfahrt erneut zum Auftauchen. Aber interessant, erstmal taucht er mit einem Kopfschuss unter. Das Leben dauert halt nicht ewig, gerad auch nicht mit diesem Schädelweh! In Graz, dem Ort seiner wilden Jugend, soll der Brenner also Schluss machen. Am Anfang erbt er noch ein verfallenes Haus, eine hungrige Katze und eine leere Walther PPK, dann begibt er sich auf die Suche nach etwas Geld. Die Pistole, nachdem er sie seinem alten Jugendfreund, dem Köck (habe die Ehre, der Herr Düringer), zum Trödel geboten hat, wird hernach besagtes Kopfweh beenden. Passt schon… Jedoch nicht ohne ein kurzzeitiges Gefühl von Freiheit. Auf einer hellblauen Puch. Schlängelfahrt quasi. Später aber, also viel später, nach Strafzettel, Schädelweh und Rettung, braucht es einen längeren Anlauf, um sich ins Leben zurück zu mäandern. Koma-Patient Brenner beantragt Polizeischutz. Und gleich wieder nicht. Weil Geistesblitz. Er hat den Chef der Grazer Polizei, den Aschenbrenner (eh' fesch, der Moretti) in Verdacht, das Loch in seinen Kopf gemacht zu haben. Blöd halt, dass gerad’ dessen Gattin (ergebenst, Frau von Waldstätten) den Brenner therapeutisch behandelt. Und nicht nur den. Und nicht nur das. Wolf Haas, der seinen Brenner als Menschen selber gar nicht so sehr mag, erfand die Figur mehr so aus Schmäh. Ist eh' klar. Trotzige Reaktion auf den starrsinnigen Literaturbetrieb. Dem Leser mit dem Oasch ins G’sicht zu fahr’n, ganz ohne Umschweife, erklärte Absicht quasi. Super. Diese Arschtritte hallen seit dem Jahr 2000 auch auf unseren Kinoleinwänden höchst erfolgreich nach und versprechen heuer, inmitten unserer gesellschaftlich gerad’ etwas garstigen Zeit, wieder einen überaus vergnüglichen Kinobesuch. Heiter, humanistisch und ehrlich. Aber hör zu, Ehrlichkeit bringt dich um. Ausgerechnet der Brenner, der Köck und Polizeichef Aschenbrenner hatten, als sie jung waren, einen Banküberfall durchgezogen. Der begann mit eben jener Walther PPK und endete womit? Eben.

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