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THALIA - Cinema . Coffee and Cycling

Kinoprogramm Donnerstag, 04.08.2022 - Mittwoch, 10.08.2022

Letzte Vorstellung: Bettina

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00

Regie: Lutz Pehnert, (Deutschland), 2022

Darsteller: Bettina Wegner u.a.

Letzte Vorstellung: Bettina

Knut E. sagt: http://www.youtube.com/watch?v=DHU3xSPCVUI

Die Lieder von Bettina Wegner verursachen beim Zuhörer jene gutartigen Schmerzen, welche mit bedingungsloser Ehrlichkeit Hand in Hand gehen. Da stirbt die Liebe leis im Hinterhaus, da drückt auf die Brust der Satten kein Stein, und wenn sie früh zur Arbeit soll, hatt'se de Schnauze schon mal voll. Die 1947 in Berlin Lichterfelde geborene Bettina Wegner wuchs ""drüben"" in Pankow auf und ihr gefiel die Idee von einer gerechteren Welt so gut, dass sie es mit der Aufrichtigkeit sehr genau nahm. Der Konflikt mit dem sozialistischen System war für die junge Liedermacherin also bereits angelegt. Mit zarter Stimme erklärt sich die Wegner vor Gericht, nachdem ihre Flugblattaktion gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 zum Prozess führte. Wer den Film »Lieber Thomas« gesehen hat, weiß, dass Bettina Wegner und Thomas Brasch ein gemeinsames Kind hatten. Sie teilten sowohl die Verurteilung wie auch die anschließende Bewährung in der Produktion. Ihr folgerichtiger Biermann-Protest, ihr Bethanien-Konzert, im Westen auf Platte gepresst, oder der Auftritt bei Kennzeichen D bringen ihr quasi Berufsverbot/Ausbürgerung ein. In der BRD trifft sie auf mindestens genauso viele ""Wasserpredigten und Weingelage"", erarbeitet sich aber auch ihr Publikum, dem ein ehrlich vorgetragenes Lied Herz und Seele tanzen lässt…

Wenn nun ein Regisseur wie Lutz Pehnert, der mit Wegners Liedern groß geworden ist, die Liedermacherin im Rahmen einer Fernseharbeit kennen lernen durfte, dann konnte nur eine poetische Liebeserklärung daraus folgen. Sein Film tritt den Beweis an, dass die Jahre Wegners Aufrichtigkeit nicht das Geringste anhaben konnten. Sie selbst annoncierte einst, würden ihre Lieder nicht mehr stimmen, setze sie sich zur Ruh' und ließe die Gitarre den Fluss hinunter schwimmen. Die 74-Jährige besitzt ihr Instrument noch. Soviel steht fest. Wenn sie vor vierzig Jahren Angst bekundete, ob es dereinst für ihre Kinder noch eine lebenswerte Umwelt gäbe, ohne Atommüll und Gift auf den Äckern, wenn sie die Doppelmoral menschlicher Gebote auseinander pflückte oder ihren brennenden Pfeil abschoss in Richtung derer, die den kleinen Kinderhänden mit Schlägen beikommen wollten - da legte sie damals ihre Finger in Wunden, aus denen die Welt heute noch blutet.

alpa kino

Das Original ist besser!Meine Stunden mit Leo - Good Luck to You, Leo Grande (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00 19:00 19:00
21:15

Regie: Sophie Hyde, (Großbritannien), 2022

Darsteller: Emma Thompson, Daryl McCormack, Isabella Laughland u.a.

Meine Stunden mit Leo - Good Luck to You, Leo Grande (OmdU)

Es passiert leider immer noch viel zu häufig: Menschen, vor allem weiblichen Geschlechts, fühlen sich unwohl in ihrer Haut. Und auch damit, ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, geschweige denn sie auszuleben. Oft bedingt zudem das eine das andere. Da wirkt die britische Tragikomödie »Meine Stunden mit Leo« geradezu wie eine Therapiestunde mit der berauschenden Wirkung eines Cocktailabends.

Wir treffen auf die pensionierte Lehrerin Nancy, Mutter zweier Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes will sie noch mal etwas Neues ausprobieren und hat eine Liste mit sexuellen Praktiken gemacht, die ihr bisher verwehrt blieben. Sexarbeiter Leo Grande soll Abhilfe schaffen. Der junge Adonis hat dabei nicht nur optisch einiges zu bieten, sondern auch inhaltlich viel beizutragen - schließlich hat er sich die Erfüllung sexueller Bedürfnisse quasi auf den Waschbrettbauch geschrieben. Nancy kommt er regelrecht wie ein Sexheiliger vor. Doch während die beiden Nancys Grenzen ausloten, werden nach und nach auch Leos überschritten.

Es ist ein herrliches Kammerspiel, das die britische Komödiantin und Drehbuchautorin Katy Brand und die australische Regisseurin Sophie Hyde zusammen mit ihrem Team auf die Beine gestellt haben. Das liegt vor allem an den wunderbaren Dialogen und der Chemie zwischen den Hauptdarsteller:innen Emma Thompson und Daryl McCormack, die die knapp 100 Minuten Film keine Sekunde langweilig werden lassen. Und vor allem die letzte Szene kann man der Britin Thompson nicht hoch genug anrechnen. Durch und durch sehenswert!

mana

Das Original ist besser!Elvis (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00 21:00

Regie: Baz Luhrmann, (USA), 2022

Darsteller: Austin Robert Butler, Tom Hanks, David Wenham u.a.

Elvis (OmdU)

Als ich hörte, dass ein neuer Elvis-Film in die Kinos kommt, dachte ich: „Schon wieder?“ Tatsächlich hab ich nach ein wenig Recherche keine Ahnung, warum ich das dachte. Elvis ist so überlebensgroß, dass es sich anfühlt, als wäre er ständig im Kino. Der letzte Film, an den ich mich aber erinnern kann und den ich im Gegensatz zum Großteil der Zuschauenden skurril-lustig fand, war „Elvis has left the building“. Das war nun kein Biopic, aber durch die vielen Elvis-Impersonatoren, die Kim Basinger unterwegs umbrachte, lernte ich doch recht viel über den King of Rock and Roll. Einer dieser skurrilen Gestalten wurde damals von Tom Hanks verkörpert - und der hatte ja einst in Forrest Gump schon nicht unbedeutend auf Elvis eingewirkt. *Zwinker, zwinker.* Hanks kehrt nun als Elvis’ Manager Colonel Tom Parker an der Seite von Austin Butler als Elvis Presley zurück in die Sphären des legendären Entertainers. Eine Inhaltsangabe macht wenig Sinn, denn die Biographie ist bekannt, auch wenn der Film sich mehr auf die Dynamik zwischen Parker und Elvis konzentriert. Fakt ist aber, dass er - wenn nicht alles schief geht - herausragende Kinounterhaltung bieten wird. Denn hinter der Kamera steht Baz Luhrmann, der mit »Romeo + Julia«, »Moulin Rouge« oder »The Great Gatsby« genau für die Art Film steht, die der schillernden und zugleich tragischen Figur des King gerecht werden könnte. Und wenn man dem Trailer glauben darf, kommt auch Butler dem Charme, der Stimme und dem Hüftschwung sehr nahe. Meine Hoffnung ist also groß, dass wir nicht weniger als ein Spektakel für Ohren, Augen und den Geist erwarten dürfen.

Viktoria Franke

Das Original ist besser!Der Beste Film aller Zeiten (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00

Regie: Mariano Cohn, Gastón Duprat, (Spanien), 2021

Darsteller: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Irene Escolar u.a.

Der Beste Film aller Zeiten (OmdU)

Kurz vor seinem 80. Geburtstag treibt einen spanischen Multi-Milliardär die Sorge um seinen Nachruhm um. Anstelle der üblichen Gebäude und Stiftungen entwickelt Humberto Suárez (José Luis Gómez) den Plan, einen unvergesslichen Film zu drehen. Da Geld keine Rolle spielt, kauft er, was gut und teuer ist: Einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman, in den er keinen Blick wirft und Regisseurin Lola Cuevas (Penélope Cruz), eine als große Exzentrikern mit genialem Zugriff geltende Filmemacherin. Die wiederum engagiert zwei als die besten Schauspieler ihrer Zeit geltenden Männer. Den gefeierten Theaterstar Iván Torres (Oscar Martínez) und den Hollywood-Superstar Félix Rivero (Antonio Banderas). Zwei Welten und zwei aufgeblähte Egos prallen aufeinander. Lola spielt mit den Eitelkeiten der Männer, lässt sie sich noch weiter aufblasen und wartet auf den Moment, die Nadel an ihre Ballons zu setzen. Sie genießt die vorhersehbare maximale männliche Reibung und manipuliert sie im Sinne ihrer Kunst, handelt das Drehbuch doch von zwei konkurrierenden Brüdern.

Aberwitzige Schauspiel-Übungen, absurde Probensituationen, allgegenwärtige Selbstsucht, Schlagabtausch mit Abklatschen: »Der beste Film aller Zeiten« (besser im Original: »Competencia Offizial«) von Mariano Cohn und Gastón Duprat ist eine weitere höchst vergnügliche Satire über das Filmbusiness als Selbstdarstellungsmaschinerie. Den Regisseuren geht es ersichtlich nicht um pechschwarze Methodenkritik, Ziel ist maximales Vergnügen beim Zuschauen. Cruz, Banderas und Martinez hatten ganz offensichtlich Spaß beim Machen.

Grit Dora

Das Original ist besser!Everything Everywhere All at Once (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00

Regie: Dan Kwan, Daniel Scheinert, (USA), 2022

Darsteller: Michelle Yeoh, Jamie Lee Curtis, Stephanie Hsu u.a.

Everything Everywhere All at Once (OmdU)

Wer kennt das nicht? Eine einfach scheinende Sache wie z. B. die Erstellung der Steuererklärung gerät außer Kontrolle. Was folgen kann, nicht zwingend muss, erzählt das überbordende Sci-Fi-/Action-/Kung-Fu-Abenteuer »Everything Everywhere All at Once«, das in Lichtgeschwindigkeit durch multidimensionale Universen hüpft.

Doch der Reihe nach: Waschsalonbesitzerin Evelyn Wang (Michelle Yeoh) geht im Chaos ihres Alltags unter: Der bevorstehende Besuch ihres Vaters (James Hong) überfordert sie, die Wünsche der Kunden bringen sie an ihre Grenzen und die anstehende Steuererklärung wächst ihr komplett über den Kopf. Der Gang zum Finanzamt ist unausweichlich, doch während sie mit ihrer Familie bei der Steuerprüferin (Jamie Lee Curtis) vorspricht, wird ihr Universum komplett durcheinander gewirbelt. Raum und Zeit lösen sich auf und die Menschen um sie herum haben ebenso wie sie selbst plötzlich weitere Leben in Parallelwelten. Sie entdeckt, dass das Multiversum real ist und sie auf die Fähigkeiten und das Leben anderer Versionen ihrer selbst zugreifen kann. Das ist auch bitter nötig, denn sie wird mit einer großen, wenn nicht der größtmöglichen Mission betraut: der Rettung der Welt vor dem unbekannten Bösen.

Das Regie-Duo Dan Kwan und Daniel Scheinert, auch genannt „Daniels“, legen ein unglaubliches Filmabenteuer vor. Im Mittelpunkt dieser explosiven Mischung steht Michelle Yeoh (»Tiger & Dragon«) als Retterin wider Willen, deren Gegenspielerin von der unvergleichlichen Jaime Lee Curtis gespielt wird. Ke Huy Quan, legendärer Kinderstar aus »Indiana Jones und der Tempel des Todes«, feiert seine Rückkehr auf die Leinwand in der Rolle von Evelyns Ehemann. Der Film eröffnete das diesjährige SXSW Festival und wurde von Publikum und Kritik euphorisch aufgenommen.

ak