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Es ist nicht bekannt, wie viele Bäume Oscar Niemeyer pflanzte und ob er mehr als das eine Kind zeugen konnte, aber Häuser hat der Mann in den vergangenen 70 Jahren gebaut, die reichen für drei Leben. Angefangen hat Niemeyer 1934 im Büro des brasilianischen Architekten und Stadtplaners Lúcio Costa, wo er das Ministerium für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro entwarf und auf Anhieb das rechte Händchen bewies. Obendrein traf er dort mit Le Corbusier zusammen, was für einen jungen Architekten soviel bedeutet, wie seiner Fee zu begegnen und drei Wünsche frei zu haben. Niemeyer wusste sofort, dass er sich Stahlbeton wünschte. Diesen jungen, formbaren Stoff, glatt und fest wie der Schenkel einer Frau, aus dem Architektenträume wachsen. Ferner wünschte er sich das Universum menschlicher Behausungen ganz und gar aus solchen Kurven gemacht. Er hasste den rechten Winkel vom ersten Tag seines Studiums an. Man sehe sich nur seine Stadt Brasilia an. Und zum dritten erbat er sich viel Zeit zum Bauen, möglichst hundert Jahre oder mehr. Die Zeit verging. 2007 nun musste er voller Zufriedenheit feststellen, dass die Fee ihm nichts schuldig geblieben ist. Anlässlich seines 100. Geburtstages drehte ein Team diese bildgewaltige Dokumentation über den Mann, der ca. 600 Gebäude entworfen und gebaut hat, der mittlerweile im Olymp der Stararchitekten sitzt und dessen Stift noch immer nicht müde ist. Mit leichter Hand entwirft der Brasilianer Stadtansichten, die dem geschwungenen Leib einer schlafenden Schönen gleichen, lässt UFOs wie federleichte Museen überm Wasser schweben und macht Innenräume obendrein für den Menschen sinnlich erfahrbar. Die wenigsten Architekten können dies alles gleichzeitig. Niemeyer kann noch mehr. Er bringt seine Bewunderer und Kollegen dazu, solche Sätze vor laufender Kamera zu sagen: „Die hügelige Landschaft rund um Rio sei von Gott an dem Tag geschaffen worden, an dem er dachte, er sei Oscar Niemeyer“… Ein göttlicher Film!
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„Die Königin ist die stärkste aller Figuren.“ Das weiß Hélène (Sandrine Bonnaire), seit sie einem Paar durch die Gardine beim Schachspiel zugesehen hat und sich mit dem königlichen Spiel beschäftigt. Ansonsten ist Hélène Zimmermädchen, irgendwo in einem Hotel auf Korsika. Manchmal macht sie auch im Haus von Dr. Kröger (Kevin Kline) sauber. Als sie ihn bittet, eine Partie mit ihr zu spielen, demütigt er sie mit dem Schäferzug, der Falle für alle Anfänger - Matt in fünf Zügen! Doch Kröger spürt, dass Hélène etwas hat, das man weder lernen noch kaufen kann, und irgendwann ist sie gut für ihr erstes Turnier. . .
Die italienische Regisseurin Caroline Bottaro hat mit einem französischen und einem amerikanischen Star in den Hauptrollen den Erstlingsroman der Deutschen Bertina Henrichs verfilmt und ein schwebendes Kammerspiel geschaffen, das sich nicht mit einer Dimension zufrieden gibt. »Die Schachspielerin« ist die Geschichte einer Passion, die zur Obsession wird. Sie ist Landschaftsbeschwörung und Sozialkritik - elegant wie ein Schachzug en passant. Und sie erwärmt wie alle Geschichten vom hässlichen Entlein. Nicht zuletzt geht es um eine Liebe, der ein einziger Kuss reicht.
Udo Lemke
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Das Original ist besser!
Wer hat die schönsten Fjorde, eine der höchsten Geburtenraten Europas und eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten weltweit? Richtig: die Norweger! Wenn diesen Natur, Kinder und Arbeit noch Zeit lassen, dann, ja dann versorgen sie Resteuropa und die Welt mit wunderbar skurrilen Filmgeschichten über die grotesken Seiten des Lebens, weihen uns in »Die Kunst des negativen Denkens ein« oder lassen »O’Horten« seinen letzten Arbeitstag verschlafen. Ein neuer Film aus Norwegen, Rune Denstad Langlos ‚anti-depressives Off-Road Movie »Nord« reiht sich da nahtlos ein: Jomar raucht, schläft und trinkt ziemlich viel - mit Vorliebe hochprozentigen Alkohol. Seit ein Unfall seine Sportkarriere beendet hat, gibt er sich als Liftwärter in der verschneiten Einöde Norwegens seinem Selbstmitleid hin. Doch als Jomar erfährt, dass er hoch im Norden einen 4-jährigen Sohn haben soll, gibt es kein Halten mehr. Mit seinem Schneemobil und einem Fünf-Liter-Kanister Alkohol als Proviant begibt er sich auf eine ebenso aberwitzige wie poetische Reise. Unterwegs durch atemberaubende Landschaften begegnen ihm allerhand seltsame Gestalten.
Ein einsames junges Mädchen, ein lebensmüder Greis, ein fröhlicher Panzerfahrer und ein Junge mit originellen Trinkgewohnheiten weisen Jomar schließlich den Weg zurück ins Leben…
In der Tradition von David Lynchs »Straight Story« und Bent Hamers »Kitchen Stories« inszeniert Langlo einen lakonischen Film über die Eigenheiten wortkarger Norweger und ihre bizarren Trinkgewohnheiten.