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Kinoprogramm Donnerstag, 21.07.2016 - Mittwoch, 27.07.2016

Das Original ist besser!Caracas, eine Liebe (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15

Regie: Lorenzo Vigas, (Venezuela), 2015

Darsteller: Alfredo Castro, Luis Silva, Jericó Montilla u.a.

Caracas, eine Liebe (OmdU)

Wenn der 50-jährige Armando (Alfredo Castro) von seinem übersichtlich sortierten Arbeitsleben flüchtet und sich aus den Vororten junge Männer mit nach Hause nimmt, wenn diese nicht nur sein Geld nehmen, sondern ihn verprügeln und bestehlen und wenn Armando trotzdem zu ihnen zurück kriecht, Beschimpfungen schluckend wie andere Betäubungsmittel, dann darf man als Ursache gewisse Traumata vermuten, welche sich nicht einfach so weg onanieren lassen. Der Zahntechniker lebt in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Hier trifft er eines Tages auch auf Elder, einen kleinkriminellen Automechaniker, der mit Armandos schrulligem Bedürfnis nach Nähe nichts anfangen kann. Elder verprügelt Armando und beklaut ihn. Als der vor der Autowerkstatt wartet, um den Jungen ein zweites Mal zu sich zu holen, beginnt sich die Geschichte in eine vollkommen unerwartbare Richtung zu entwickeln. Schaut man genauer hin, stößt man auch auf deren Ursprung; die Story stammt von Guillermo Arriaga, der bereits die Plots zu Filmen wie »Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada«, »21 Gramm« oder »Babel« verfasst hat. Und dem es gefällt, wenn die beiden Männer sich aneinander reiben, sich ihrer bisherigen Verhaltensmuster zu entledigen suchen und so etwas wie eine zärtliche Beziehung entsteht. Angetrieben von der Sehnsucht nach der Heilung alter Wunden. Bei Armando bestätigt sich die eingangs getroffene Vermutung, er verfolgt den eigenen Vater quer durch die Stadt wie einen Verbrecher. Elder, der Armando inzwischen seiner Familie vorgestellt hat, bemüht sich um Aufklärung… Die hier nicht verraten werden soll. Denn der Gewinner des Goldenen Löwen von Venedig 2015 schlängelt sich noch ein ums andere Mal überraschend auf dem Pfad der Gerechten. Und die Tyrannei böser Männer scheint kein Ende zu finden.

alpa kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Meine Brüder und Schwestern im Norden

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00
20:00

Regie: Cho Sung-hyung, (Deutschland), 2016

Meine Brüder und Schwestern im Norden

Die Frankfurter Filmemacherin Sung-Hyung Cho wuchs als gebürtige Südkoreanerin mit der Vorstellung auf, das nördliche Nachbarland sei von Monstern bevölkert. In der Schule lernte sie, dass Nordkoreaner rote Haut und zwei Hörner am Kopf hätten. Als erste südkoreanische Filmemacherin überhaupt erhielt sie eine offizielle Drehgenehmigung für das Land jenseits der Grenze und somit die Chance, sich von ihren Vorurteilen zu verabschieden und ihr vorgefertigtes Bild von den wie Roboter wirkenden Menschen im Norden zu revidieren.

»Meine Brüder und Schwestern im Norden« porträtiert die Menschen hinter den hartnäckigen Klischees und Stereotypen eines unverstandenen Landes und gibt Einblicke hinter die protzige Propagandafassade einer uns verschlossenen Lebenswelt. Die Menschen, denen Sung-Hyung Cho auf ihrer Reise durch das Land begegnet - Soldatinnen, Bauern, Maler, Näherinnen - sind keine Zufallsbekanntschaften, sondern wurden vom Regime ausgesucht. Trotzdem nähert sie sich ihren Protagonisten dabei aufrichtig interessiert, respektvoll und vor allem ohne jegliche Wertung. So kommt ein fröhliches Volk zum Vorschein, dessen Liebe zu „ihrem Führer“ uns mehr als einmal sonderbar erscheint, das seine Wünsche und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der beiden Koreas aber noch längst nicht aufgegeben hat.

Nach »Full Metal Village«, »Endstation der Sehnsüchte« und »Verliebt, Verlobt, Verloren« der neue Heimatfilm von Sung-Hung Cho.

The Assassin

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00 20:00
22:00

Regie: Hou Hsiao-hsien, (Taiwan/China/Hongkong/Frankreich), 2015

Darsteller: Qi Shu, Chang Chen, Satoshi Tsumabuki u.a.

The Assassin

Trailer: http://bit.ly/29Kxa4a

China, im neunten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die Künste gedeihen, allen voran die Dichtkunst. Erstmals wird die poetische Idee der romantischen Liebe weithin gefeiert. Doch den Alltag der Menschen bestimmt ganz anderes: die Macht der Tang-Dynastie zerbröckelt, Ränke auf höchster Ebene vergiften die Atmosphäre. In diesem Spannungsfeld zwischen Privatem, Poesie und Politik erzählt der taiwanesische Meisterregisseur Hou Hsiao-Hsien eine so lyrische wie actionreiche Geschichte. Deren leuchtende Zentralgestalt ist die schöne Nie Yin-Niang. Sie ist eine Meisterin in der Kunst des Tötens. Nie Yin-Niang arbeitet als professionelle Attentäterin.

Als Kind von zehn Jahren wurde sie einst in die Fremde geschickt. Dort hat eine taoistische Nonne das Mädchen ausgebildet, zu einer Killermaschine von höchster Präzision. Ihre Fähigkeit soll sie nun, dreizehn Jahre später, im Dienst der Machterhaltung der Zentralregierung einsetzen. Die junge Frau wird in ihre einstige Heimat entsandt. Der Befehl: Nie Yin-Niang soll Tian Jian töten, den Gouverneur der größten militärischen Provinz im Norden Chinas. Er ist für sie kein Unbekannter. Denn als Kind war sie ihm, ihrem Cousin, einst zur Ehefrau versprochen worden. Die Konfrontation mit der Vergangenheit setzt Nie Yin-Niang zunächst widerstreitenden Gefühlen aus. Da ist einerseits die melancholische Erinnerung an eine Liebe, andererseits die Pflicht gegenüber den Auftraggebern. Sie nicht zu erfüllen, bedeutet einen ungeheuren Ehrverlust. Dazu sieht sich die Attentäterin mitten im Sturm politischer Probleme. Denn tötet sie den Gouverneur, werden dessen minderjähriger Sohn und damit dessen Mutter, Tian Jians machtbesessene und intrigante Gemahlin, die Provinz beherrschen. Nie Yin-Niang muss schwerwiegende Entscheidungen treffen – für sich und für ihre Heimat.

Das Debüt im Thalia - Dresdner Erstanspiel

Das Original ist besser!High-Rise (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Regie: Ben Wheatley, (Großbritannien), 2015

Darsteller: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller u.a.

High-Rise (OmU)

In einem Londoner Hochhaus mit vierzig Etagen wurde die gesamte gesellschaftliche Vielfalt einquartiert. Wir schreiben das Jahr 1970 und befinden uns in einem dystopischen Gedankenspiel des Science-Fiction-Autors J.G. Ballard. Die vertikalen Slums ragen über dem normalen Elend der Stadt in den Himmel. Unten logieren die Junkies, sowohl die Produzenten als auch Konsumenten von Müll, darüber scheinbar normale Familien, in der Mitte jene, die glauben, es geschafft zu haben und ganz oben thront der Architekt (Jeremy Irons) und Eigentümer des sozialen Imperiums in einer luxuriösen Traumwelt. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht im oberen Mittelfeld ein. Der Pathologe arbeitet im örtlichen Krankenhaus, während viele seiner Nachbarn das Haus gar nicht verlassen müssen. Es gibt Schulen, Supermärkte, Fitnesscenter oder ein Schwimmbad. Und dann gibt es noch Alkohol, Drogen und Sex auf den unterschiedlichsten Niveaus, je nachdem welche Höhe der Fahrstuhl erreicht. In losen Episoden gewährt der Film Einblicke in den fortschreitenden Verfall moralischer Konventionen. Die schwebende Kamera begleitet den Protagonisten auf einer skurrilen Entdeckungsreise über die flauschigen Flure, besucht mondäne Parties und führt dabei eine illustre Belegschaft vor, die sich wiederfinden ließe irgendwo zwischen Terry Gilliams »Brazil« und »House Of Cards«. Und hey, auch dieses Gebäude leidet unter ständigen Stromausfällen oder verstopften Müllschluckern, was oben den Orgien schadet und unten den Sozialneid anheizt. Es brodelt. Alles läuft auf einen kollektiven Nervenzusammenbruch hin, denn der ursprüngliche Plan des Architekten, verschiedenste soziale Schichten zusammenzusperren, scheitert grandios. Von wegen Kinderkrankheiten. Die menschliche Gesellschaft steht kurz vorm Infarkt.

alpa kino

Das Original ist besser!The Neon Demon (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Regie: Nicolas Winding Refn, (USA/Frankreich/Dänemark), 2016

Darsteller: Elle Fanning, Keanu Reeves, Jena Malone u.a.

The Neon Demon (OmdU)

Nicolas Winding Refn (»Drive«) kehrt mit einem verstörenden Film nach Los Angeles zurück. Model-Horrorfilm nennen es manche ironisch, eine Auseinandersetzung mit der Glitzerwelt der Mode andere. Der Film ist aber keine moralinsaure oder sozialromantische Anklage. Winding Refn ist Kinomagier genug, um die Erwartungshaltungen zu unterlaufen und seine eigenen Ansprüche umzusetzen.

So sorgte der Film in Cannes auch für teils laute Ablehnung, viele Kritiker aber waren begeistert und voll des Lobes für das solcherart ungewöhnliche Kino. Auf die teils harschen Reaktionen in der anschließenden Pressekonferenz angesprochen meinte Refn cool, ""es wäre eine Niederlage, wenn der Film keine Reaktion provoziert hätte.""

Thomas Schultze von Blickpunkt:Film schreibt : ""Wie das dann allerdings passiert, ist so over the top und pures Kino, wie es sich nur ein Narzisst wie Refn zusammen spinnen kann.""

»The Neon Demon« erzählt von dem aufstrebenden Model Jesse, das nach L.A. kommt. Dies ist die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, Glamourwelt, Schauplatz zahlloser Träume und Abgründe. Jesse, eine 16-jährige Schönheit vom Land, erobert mit ihrem Aussehen die Stadt im Sturm, ahnt aber nicht, dass ihre Jugend und Lebendigkeit schon bald den Neid anderer auf sich ziehen werden. Die wollen im wahrsten Sinne des Wortes so schön sein wie Jesse. Und scheuen dabei keinerlei Mittel, um das zu bekommen, was sie nicht haben…

ak