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Kinoprogramm Donnerstag, 12.09.2019 - Mittwoch, 18.09.2019

Das Original ist besser!Synonymes (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15

Regie: Nadav Lapid, (Frankreich/Deutschland/Israel), 2019

Darsteller: Tom Mercier, Quentin Dolmaire, Louise Chevillotte u.a.

Synonymes (OmdU)

Einem jungen Filmemacher könnte nichts besseres passieren, als sich mitten im Zentrum eines Meteoriteneinschlages zu befinden, bildlich gesprochen, wie es Nadav Lapid erging, als er beim Casting auf den stattlichen Schauspielstudenten Tom Mercier traf. Bereits hier verwarf Mercier den hebräischen Text und stammelte eindrucksvoll in geborgten Französisch. Ein ähnliches Naturereignis widerfährt auch dem angehenden Autor Emile (Quentin Dolmaire), als er den nackten Yoav (Tom Mercier) in seine Wohnung einlässt. Sein erster Impuls; besteige diese Kanonenkugel und wage einen Ritt… So wird seine Freundin Caroline (Louise Chevillotte) später auch in etwa denken, wenn sie ihren Körper zwischen die entstehende Männerfreundschaft zu schieben versucht. Noch ahnen beide nicht, wie sehr der all seiner Kleider und seiner Habe beraubte Israeli Caroline und Emile mit sich reißen wird. Noch betören Emile nur die theatralisch deklamierten Vokabeln des frisch gebackenen Exilanten, der vor allem eines will; nie mehr ein Israeli sein. Gierig eignet sich Yoav Wörter aus der französischen Sprache an, um mit diesen ein Futteral zu flechten, welches ihn vor seiner israelischen Vergangenheit schützen soll. So wie es der märchenhafte Mantel aus Charlottes Kleiderschrank vermag, mit dem Yoav vorderhand ausgestattet wird und in dem er wie ein gelber Riese durch Paris spukt. Auf der Suche nach einer neuen Identität und neuen Wurzeln. Er eröffnet der Welt die israelische Botschaft, scheitert als Sparringspartner für Neonazis und bewundert die kleinen Brüste der Französinnen. Er befriedigt Emile mit Fiktionen übers israelische Militär, sich selbst für einen Pornoproduzenten und erschrickt sich an der blutrünstigen Marseillaise. Mit jeder Begegnung wächst in ihm der Verdacht, dass ihn die Synonyme allein nicht vor neuen Enttäuschungen bewahren können. Sein Vokabular muss leben und nicht nur er, sondern auch sein Leben muss eine neue Sprache sprechen. Der Gewinner des Goldenen Bären als Bester Film 2019 steht als Synonym für das Kino schlechthin.

Alpa Kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Once upon a time... in Hollywood (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:30

Regie: Quentin Tarantino, (USA/Großbritannien), 2019

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie u.a.

Once upon a time... in Hollywood (OmdU)

Zwei Typen wie aus dem Filmlexikon: Western-Serienheld Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und sein Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) versuchen damit klarzukommen, dass Daltons beste Zeit vorbei zu sein scheint. Rick versinkt in Selbstmitleid und Alkohol, Cliff bleibt gelassen. Produzent Marvin Schwarz (Al Pacino, noch geradeso hinter seiner Maske zu erkennen) will Dalton nach Italien exportieren, die Zeit der Spaghetti-Western bricht an. Doch Rick ist für Europa nicht zu begeistern. Lieber spielt er irgendwelche Wurzen als Bösewicht und lässt sich von Junggemüse leinwandwirksam zusammenwatschen. Der Stillstand seiner Karriere wird durch den Einzug neuer Nachbarn noch offensichtlicher. Es sind der junge Regiestar Roman Polanski (Rafal Zawierucha) und dessen Frau, die Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie). Rick versucht bei ihnen anzudocken. Cliff besucht derweil seinen alten Bekannten George Spahn (Bruce Dern). Dort in der Westernkulissenstadt hat sich auch die Manson-Familie eingenistet… man macht sich bekannt. Es ist das Jahr des Herrn 1969: Mondlandung, Woodstock und die Tate/LaBianca-Morde. Letztere sorgen für einen typisch tarantinoesken Showdown.

Sein neunter Film kommt in satten Braun- und Orange-Tönen und selbstverständlich auf 35mm. Die Zitat- und Stardichte ist enorm, Tarantino opfert dem Götzen ­Hollywood und sich selbst. Er nimmt sich dafür viel Zeit. Mit gewohnt knappem, kantigen Humor allerdings und gezielten Seitenhieben etwa gegen die „gottverdammten Hippies“. Politisch korrekt war Tarantino noch nie, aber immer brillant. »Once Upon A Time In… Hollywood« ist einmal mehr Kino pur.

Grit Dora