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Kinoprogramm Donnerstag, 02.02.2023 - Mittwoch, 08.02.2023

Rebellinnen - Fotografie. Underground. DDR.

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00

Regie: Pamela Meyer-Arndt, (Deutschland), 2022

Rebellinnen - Fotografie. Underground. DDR.

Tina Bara, Cornelia Schleime und Gabriele Stötzer sind Rebellinnen. Als junge Frauen in den 1970ern und 80ern in der DDR sind die drei voller Sturm und Drang und ohne Furcht. Sie wollen frei sein - und weil das nicht geht, zumindest die Kunst machen, die ausdrückt, was sie fühlen. Ihre Bilder erzählen auf berührende Art und Weise von ihrem Ausgeliefert-Sein in einem System, das viele junge kreative Menschen unterdrückt. Als der Konflikt mit der Staatssicherheit eskaliert, müssen sie sich entscheiden: gehen oder bleiben.

Der Film von Pamela Meyer-Arndt gibt einen neuen Blick frei auf die Kunst und das Leben dieser faszinierenden Frauen.

Das Original ist besser!Close (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00 19:00 19:00

Regie: Lukas Dhont, (Belgien/Niederlande/Frankreich), 2022

Darsteller: Igor Van Dessel, Léa Drucker, Emilie Dequenne u.a.

Close (OmdU)

Nahe kommt dieser Film seinen Figuren. Und nahe sind sich auch Léo und Rémi. Sie streifen durch die heimatlichen Blumenfelder, veranstalten Wettrennen mit dem Fahrrad, schlafen im gleichen Bett. Doch als die beiden Jungs auf eine neue Schule kommen, taucht schnell eine Frage auf: Sind sie mehr als nur Freunde? Was Rémi völlig kaltlässt, verunsichert Léo zusehends.

Generell geht es in Lukas Dhonts zweitem Spielfilm ums Sehen. Ums Hinsehen. Denn die Gefühle der Figuren brodeln oft unter der Oberfläche und brechen sich in Blicken, kleinen Gesten und verstohlenen Tränen Bahn. Lukas Dhont, der als Kind Tänzer werden wollte, fällt es schwerer, sich mit Worten auszudrücken als mit Bewegung und Tanz, sagt er. Seinen Debütfilm »Girl« erzählte er vor der Folie des Balletts - und erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen dafür.

»Close« ist ebenso persönlich, geht es doch um Freundschaft, Intimität, Angst, Männlichkeit. Nicht umsonst legt sich Léo im Film sprichwörtlich einen Panzer an und beginnt, Eishockey zu spielen. Dass er Rémi von sich stößt, hat schließlich einen hohen Preis.

»Close« schafft eine intime und zarte Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann - auch wenn es schmerzhaft wird. Dazu tragen das Drehbuch von Dhont und seinem Co-Autor Angelo Tijssens sowie die Kameraarbeit von Frank van den Eeden bestens bei. Allen voran ist es aber den beiden Neudarstellern Eden Dambrine und Gustav De Waele sowie Émilie Dequenne als Rémis Mutter zu verdanken, dass jede Emotion authentisch wirkt. Dafür gab es schon den Großen Preis der Jury bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2022 - hochverdient!

mana

Das Original ist besser!The Banshees of Inisherin (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00 21:00 21:00

Regie: Martin McDonagh, (Irland/Großbritannien/USA), 2022

Darsteller: Colin Farrell, Brendan Gleeson, Barry Keoghan u.a.

The Banshees of Inisherin (OmdU)

April 1923. Auf Inisherin, der kleinen Insel vor der irischen Küste in der Galwaybucht holt Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) täglich seinen Freund Colm Doherty (Brendan Gleeson) zu Hause ab, um auf ein paar Pints in den Pub zu gehen. Doch von einem Tag auf den anderen will Colm nix mehr von Pádraic wissen. Quasi grundlos kündigt er eine jahrzehntelange Freundschaft. Als Pádraic das nicht akzeptiert, macht er eine unglaubliche Ansage: Falls Pádraic ihn nicht in Ruhe lässt, will sich Colm jedes Mal, wenn er von Pádraic angesprochen wird, einen Finger abschneiden. Selbst wenn er dann nicht mehr Geige spielen kann. Starker Tobak. Colm macht ernst.

14 Jahre mussten die Fans von »Brügge sehen… und sterben?« auf die Reunion des Dream-Teams McDonagh/Farrell/Gleeson warten. Lange Zeit, doch das Warten hat sich gelohnt. Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh (»Three Billboards Outside Ebbing, Missouri«, 2017) ist sich treu geblieben. Seine skurrile Geschichte handelt von den Härten der Monotonie und einem untauglichen Ausbruchsversuch. Streit findet statt, der in regelrechten Krieg mündet. Stoisch, spröde und liebevoll schaut McDonagh auf seine skurrilen irischen Streithammel, ihre Sehnsüchte, ihre Zu- und Abneigungen und wie alles ins Zerstörerische kippt. Aus der Ferne klingt Kanonendonner herüber. Der Irische Bürgerkrieg endete im Mai 1923. Grandios, wie die Regie hinter dem Clinch zweier Einzelgänger die historischen Zusammenhänge aufscheinen lässt. Und hochaktuell. Was für eine phantastisch bitterböse Tragikomödie. In Venedig gab es dafür den Drehbuchpreis und die Coppa Volpi für Colin Farrel.

Grit Dora

Das Original ist besser!Aftersun (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00

Regie: Charlotte Wells, (Großbritannien/USA), 2022

Darsteller: Rowlson-Hall, Frankie Corio, Paul Mescal u.a.

Aftersun (OmdU)

Oh wie ich diese Filme liebe, bei denen jedes im Voraus geschriebene Wort den Genuss schmälert, und die zugleich dringend jede Zeile brauchen, damit zwischen all dem täglich-bunten Geschrei überhaupt ein wenig von ihrem stillen Glanz hervor scheinen kann.

Die 11-jährige Sophie (Frankie Corio), die nur selten mit ihrem Vater (Paul Mescal) Zeit verbringen darf, genießt ausgiebig den gemeinsamen Sommerurlaub am Meer. Gleichzeitig erreichen ihr kindliches Unterbewusstsein verschiedene Alarmsignale. Manche dringen mit der Pubertät wie selbstverständlich durch die bröckelnde Schale ihrer Kindheit, wenn sie z.B. aufhört, die Hand ihres Vaters halten zu wollen. Andere begehren ungefragt Einlass und rühren her von Ereignissen, welche ihr Vater Sophia weder zumuten noch eingestehen mag. Es ist, als befinde sich während dieses Urlaubes immer irgendein Elefant im Raum. Beladen mit einem Geheimnis. Verwirrend virtuos verwebt der Film vermeintliche Erinnerungen aus erster Hand mit solchen, die wir womöglich zwanzig Jahre danach als eben diese Erinnerungen betrachten würden. Der Trick ist ein cineastischer. Aus den selbst gefilmten, wackeligen Videobildern schleicht die Geschichte leise hinüber auf die andere Seite der kleinen Videokamera, hinein in kleine private Szenen, vor und nach den gesicherten Bildfragmenten. Die Story spielt Verstecken mit ihrem Publikum. Als schaue sie diesem zu. Beim Staunen. Sie driftet wie ein herrenloses Boot auf der türkischen Riviera und sammelt dabei unaufhörlich Material ein, das wie zufällig an der Bordwand entlang zieht. Keine Bange, der Kurs des Bootes ist so wohlberechnet wie überraschend. In dem meisterlichen Debüt von Charlotte Wells gewinnt das Polaroidfoto von Vater und Tochter vor der laufenden Filmkamera immer mehr an Farbe, Kontrast und Kontur, ohne jemals in den 100 Minuten des Filmes zu einem scharfen, korrekt belichteten Bild zu werden. Fragte uns jemand, wann wir zum letzten Mal unseren Vater gesehen hätten, endete der chemische Prozess des Erinnerns in unseren Gehirnen womöglich ebenfalls in einem überbelichteten Fiasko.

alpa kino

Das Original ist besser!Passagiere der Nacht - Les passagers de la nuit (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00

Regie: Mikhaël Hers, (Frankreich), 2022

Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Quito Rayon Richter, Noée Abita u.a.

Passagiere der Nacht - Les passagers de la nuit (OmdU)

Das Filmplakat zu »Les passagers de la nuit« möchte gern ein paar Sekunden länger betrachtet werden, als die meisten seiner Mitbewerber. Es offenbahrt in dieser Zeit womöglich etwas von dem zunächst versteckten, und später mit ganzer Kraft zupackendem Charme dieses Filmes. Die Stadt ist groß, die Menschen klein, und die besten Tage im Leben sind die Nächte. Wie jene vom 10. Mai 1981, als halb Frankreich im Begriff ist, den Wahlsieg der Linken um François Mitterrand für eine Nacht lang ausgelassen zu feiern. Elisabeth (Charlotte Gainsbourg) zieht sich den kollektiven Taumel an wie einen schützenden Mantel, da die Mutter von zwei Kindern gerade von ihrem Mann verlassen wurde. Der Wunsch, den beiden Teenagern wenigstens ihr geliebtes Zuhause erhalten zu können, treibt sie hinaus in die Nacht, wo sie Arbeit findet beim Radiosender ihres Herzens. Besser noch, bei dem nächtlichen Talkformat »Les passagers de la nuit«, wo sie als Telefonistin ihrer Chefin Vanda Dorval (Emmanuelle Béart) künftig die vielversprechendsten Anruferinnen weiterleiten darf. Schnell lernt das Radioteam die Zurückgenommenheit der neuen Kollegin zu schätzen, mit der diese treffsicher Spektakuläres und Banales in die Warteschleife schickt und statt dessen nach mehr Wahrhaftigkeit Ausschau hält. Klar, dass die obdachlose Talulah (Noée Abita) in einer dieser Radionächte bei Elisabeth einschlägt wie der buchstäbliche Meteorit. Weder ihre Punk-Attidüde noch ihre Streetwise-Aura können verdecken, dass die Achtzehnjährige vor allem ein einsames Mädchen ist. Welches daheim bei Elisabeth alles auf den Kopf stellen wird. Die Essens-, und die Schlafenszeiten, die Balance von Gesprächen, das Gefühl von Solidarität, die Vibration von Emotionen und nicht zuletzt das Liebesleben von Familienmitgliedern. Mal vorsichtig und mal provokativ tasten alle gegenseitig ihre Gefühle nach etwas Brauch- oder Haltbaren ab. Und merken erst Jahre später, das Schönste, das einem andere Menschen schenken können, ist gemeinsam verbrachte Lebenszeit. Quasi Facetime als analoges Glück. Regisseur Mikhaël Hers wendet einen einfachen wie genialen Trick an, um seinem Publikum diese wichtige Lektion nahe zu bringen; er schickt uns zurück in unsere Kindheit. Zurück zum Anfang der Achtziger Jahre, als Jugendliche im Kino gemeinsam Rhomer-Filme ansahen, als atmosphärische Störungen noch Teil der Radioübertragung waren und Gespräche ganz ohne digitale Verfremdung geführt wurden.

Der schönste Film der Berlinale 2022