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Kinoprogramm Donnerstag, 11.10.2018 - Mittwoch, 17.10.2018

Utøya 22. Juli

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30

Regie: Erik Poppe, (Norwegen), 2018

Darsteller: Andrea Berntzen, Aleksander Holmen, Brede Fristad u.a.

Utøya 22. Juli

Der 22. Juli 2011 wird den Bürgern Norwegens wohl ewig in Erinnerung bleiben. An diesem Tag verübte Anders Breivik gleich zwei Attentate: In Oslo zündete er eine Bombe, im Ferienlager von Utøya schoss er auf junge Sozialdemokraten, die dort zu einem Campingausflug zusammengekommen waren.

Der Film von Regisseur Erik Poppe nimmt den Zuschauer zurück an den Ort des Schreckens, mit nach Utøya. Die 18-jährige Kaja (Andrea Berntzen) ist eine der Jugendlichen und zeltet hier zusammen mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Emilie (Elli Rhiannon Müller Osbourne). Als die ersten Schüsse fallen, sind die beiden räumlich voneinander getrennt und so beginnt für Kaja, deren Weg wir begleiten, ein wahrer Albtraum - immer zwischen der Furcht vor dem Attentäter, der Hoffnung auf Rettung und der Sorge um ihre Schwester wechselnd.

Der norwegische Thriller lehnt sich, wie gemeinhin bekannt sein sollte, an wahre Ereignisse an. Das Attentat, das nicht nur das ganze Land sondern die ganze Welt erschütterte, hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Deutsche Film und Medienbewertung (FBW) nannte den Film nicht umsonst „besonders wertvoll”. Er hält die Erinnerung an die Opfer und ihr Leid am Leben - damit sie nicht vergessen werden und ihre Geschichte niemals an Bedeutung verliert.

Kein Popcornkino sondern ernsthafte und wichtige Kino-„Unterhaltung”.

juko

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Gundermann

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:15

Regie: Andreas Dresen, (Deutschland), 2018

Darsteller: Alexander Scheer, Anna Unterberger, Axel Prahl u.a.

Gundermann

Zur Sommersonnenwende 1998 starb Gerhard Gundermann. Er holte sein Abitur nach (O-Ton Gundi), welches kurz zuvor Rio Reiser und Tamara Danz schon bestanden hatten. Wer ist Gundermann? Hier rollt der Befragte mit den Augen oder holt die ganz tiefe Luft, um dem Gegenüber sein Herz auszuschütten. Der quasi-sächsische, singende Baggerfahrer aus der Familie der Hoyerswerdaer Lippenblütler fällt dem bis dahin Ahnungslosen entweder für immer in sein Herz, wie in ein verlassenes Haus, oder jede weitere Mühe scheint vergeblich.

Jetzt kommt (endlich) einer und bietet mit seinem Film einen dritten Weg an. Einen Erklärungsversuch, wie ihn nur das Kino liefern kann. Mit dem feinen Gespür des quasi-mecklenburgischen, singenden Filmemachers erzählt Andreas Dresen von dem unvergleichlichen Poeten aus der Braunkohle und von dem Land durch welches sich dessen Bagger fraß. Wie Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) in der Theater-Brigade Feuerstein groß wurde, wie er aus der Partei flog, weil er sich den Luxus einer eigenen Meinung leistete. Wie er „rauchende Motoren mit seinem Blut kühlte“, seine Lieder dem Rumpeln seines Baggers ablauschte und seine große Liebe, Conny (Anna Unterberger), natürlich auf der Bühne trifft. Und sofort erkennt, welchen Schatz er hier zutage gefördert hat…

Ganz bewusst stellen Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler ihren Gundermann genau in jene Zeit, in der ein deutschlandweiter, künstlerischer Durchbruch an den Erklärungen zum IM Grigori scheitert. Und Gundi sich zu erinnern versucht, welchen Zweck er einst verfolgte, als er aus voller Seele sang, weil er die DDR beim Wort nehmen wollte und alle seine Mittel auch von der Stasi heilig sprechen ließ. Dresen möchte so die Deutungshoheit über die eigene Geschichte wieder zurückgeben an Jene, die sie erlebt haben. Nicht, ohne seinem Helden noch ein paar Dinge anzudichten, an denen der sicher seinen Spaß gehabt hätte. So lässt er den Boss im Schweißerhemd backstage Bob Dylan treffen, der sich wunderte, wieso dieser schmale Mensch mit Brille keinen Song von ihm im Programm hatte.

Alpa Kino

Das Original ist besser!Bad Times at the El Royale (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:30 21:30

Regie: Drew Goddard, (USA), 2018

Darsteller: Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson u.a.

Bad Times at the El Royale (OmdU)

Es ist das Jahr 1969. Nahe des Lake Tahoe, genau auf der Grenze der US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien, befindet sich das sehr heruntergekommene Hotel „El Royale“. Hier kann man sich als Gast entscheiden, in welchem Bundesstaat man heute übernachten will. Es ist nicht viel los, als der junge Rezeptionist (Lewis Pullman) sechs Gäste eincheckt: einen Priester (Jeff Bridges), einen Verkäufer für Staubsauger (Jon Hamm), eine Sängerin (Cynthia Erivo), ein Schwestern-Duo aus dem Süden (Cailee Spaeny und Dakota Johnson) sowie den charismatischen Anführer eines Kults (Chris Hemsworth). Jeder der sieben hat ein Geheimnis, jeder der sieben will es vergraben und alle erhalten die Möglichkeit, Vergebung zu erlangen. Doch dann bricht in einer einzigen Nacht die Hölle auf Erden für alle aus.

Wie (die Schauspieler von) »Thor«, Anna aus »Fifty Shades of Grey«, der Dude und Don Draper in diesem Hotel gelandet sind und was passiert, das zeigt Regisseur Drew Goddard in seinem in den 1960er Jahren angesiedelten Noir-Thriller »Bad Times at the El Royale«. Goddard, dessen Spielfilmdebüt »Cabin in the Woods« schon viel versprach (bei dem er auch das Drehbuch schrieb), und der »Der Marsianer« und »Lost« mit produzierte, schrieb auch hier das Drehbuch.

Anne

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Die defekte Katze

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00

Regie: Susan Gordanshekan, (Deutschland), 2018

Darsteller: Pegah Ferydoni, Hadi Khanjanpour, Henrike von Kuick u.a.

Die defekte Katze

Beziehungen sind schwierig. Besonders, wenn man sich zu deren Anfang eigentlich gar nicht kennt. Doch Mina, gespielt von »Türkisch für Anfänger«-Star Pegah Ferydoni, findet im iranischen Isfahan keinen ordentlichen Partner. Dem ebenfalls aus dem Iran stammenden Kian (Hadi Khanjanpour) ergeht es in Deutschland genauso. Also lassen sich die beiden auf traditionelle Weise von ihren Familien verkuppeln und heiraten.

Mina zieht zu Kian nach Deutschland. Fortan schaut man einer Beziehung, die noch gar nicht so recht begonnen hat, beim Scheitern zu. Sinnbild dafür: die titelgebende defekte Katze, die Mina kauft - vom eigenen Geld, wohlgemerkt. Kian aber hasst das Viech. Das Paar lebt nebeneinander her. Während sich die Elektroingenieurin ohne Erfolg bewirbt, soll Anästhesist Kian befördert werden. Er schiebt Schichten und ist selten da. Sie geht schwimmen und tanzen. Einer gemeinsamen Liebesnacht folgt Eifersucht. Das Projekt Ehe droht zu scheitern.

Regisseurin Susan Gordanshekan hat iranische Wurzeln, ist aber in Deutschland aufgewachsen - wie ihre Hauptdarsteller. Mit ihren Kurz- und Dokumentarfilmen gewann sie bereits einige Preise. In ihrem Debütlangspielfilm »Die defekte Katze« zeigt sie nun, dass traditionelle iranische und westliche Liebesehen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Dass der Alltag sehr ähnlich sein und Liebe erst ent- und bestehen kann, wenn man sich von großen Erwartungen freimacht.

Ein erfrischend leiser, manchmal schmerzvoller, aber doch nicht humor- oder hoffnungsloser Film mit wunderbaren Hauptdarstellern. Ein kleiner Juwel im Rausch der vielen monatlichen Filme.

Nadine Faust

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

303

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00

Regie: Hans Weingartner, (Deutschland), 2018

Darsteller: Mala Emde, Anton Spieker, Martin Neuhaus u.a.

303

Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde), zwei widerborstige junge Blondschöpfe, setzen in Hans Weingartners neuem Film die Verweigerung und den Widerstand, den er in »Die fetten Jahre sind vorbei« (2004) installierte, mit anderen Mitteln, auf subtilere Weise fort. Schon, weil sie nicht bei Tinder sind. Sondern einfach zwei junge Leute, die aus Gründen, die (O-Ton Weingartner) keine große Rolle spielen, unterwegs in Europa sind. Und sich Zeit lassen. Jule nimmt Jan in ihrem 35 Jahre titelgebenden alten Wohnmobil mit, nach kurzer Zeit trennen sich ihre Wege und berühren sich bald darauf wieder. Der Plot wirkt ein bisschen konstruiert, was auch nicht so wichtig ist, denn worum es eigentlich geht, sind die Gespräche über Gott und die Welt, über das Leben und den Kapitalismus, über die Möglichkeiten, damit fertig zu werden. Jan und Jule diskutieren Konkurrenz und Wettbewerb (beides allgegenwärtig und schon deshalb zu verabscheuen) und beiden ist bewusst, dass sie systemgerecht davon durchdrungen sind. Beide reflektieren das und wehren sich. Das ist das eine zentrale Thema des Regisseurs, seines Zeichens bekennender Wettbewerbs- und Eindeutigkeitsverweigerer. Das zweite, darunter Liegende ist die Biochemie des sich Verliebens, die den ausgebildeten Naturwissenschaftler Weingartner fasziniert und die in Filmen so schwer darstellbar ist.

Mala Emde und Anton Spieker als Jan und Jule auf ihrem Weg Richtung Atlantik mit seinen zahllosen, fantastisch zufällig wirkenden Boxenstopps schaffen es, diese Herausforderung mit unfassbarer spielerischer Beiläufigkeit zu meistern.

Das inszenatorische und spielerische Understatement von »303« macht den Film auch zu einer der sympathischsten bekannten Verneigungen vor Richard Linklaters »Before Sunrise« (1995). Man kann nur hoffen, Linklater schaut ihn sich bald an.

Grit Dora