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Kinoprogramm Donnerstag, 23.05.2013 - Mittwoch, 29.05.2013

Jäger des Augenblicks - Ein Abenteuer am Mount Roraima

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00 18:00 18:00 18:00
22:30 22:30
23:45 23:45

Regie: Christian Lonk, Philipp Manderla, Malte Röper, (Österreich), 2012

Darsteller: Stefan Glowacz, Holger Heuber, Kurt Albert u.a.

Jäger des Augenblicks - Ein Abenteuer am Mount Roraima

Der sagenumwobene Tafelberg Roraima im Dreiländereck von Brasilien, Venezuela und Guyana steht gleichsam sinnbildlich für Abenteuer fernab jeglicher Zivilisation und ist von atemberaubender, unvergleichlicher Schönheit. Ende Februar 2010 startet Stefan Glowacz gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern Kurt Albert, Begründer der Rot-Punkt Kletterbewegung, und Holger Heuber zu einer Expedition ins Ungewisse. Das Ziel ist klar, der Weg dorthin (noch) nicht.

Zunächst in Einbäumen über Flussläufe, dann zu Fuß, geht es zwei Wochen durch den Dschungel - „by fair means“, das heißt ohne technische Hilfsmittel zur Fortbewegung, erkämpfen sich die Kletterer bei 40 Grad und Dauerregen den Weg durch jenen Urwald, der auch als „Lost World“ bekannt ist. Schließlich nach 1000 Höhenmetern erreichen sie den gewaltigen, schiffsbugartig aufragenden Felspfeiler namens 'La Proa'. Über diese 600 Meter überhängende Nordwand möchten sie den Tafelberg Roraima via einer neuen spektakulären Route erreichen. Doch der Dauerregen, der riesige Wasserfälle herabstürzen lässt, und eine Verletzung am Fuß zwingen die Freunde, ihr Abenteuer in Wandmitte abzubrechen.

Noch im November des gleichen Jahres kehren Stefan Glowacz und Holger Heuber an diese Stelle zurück, um ihre Route zu vollenden. Es wird jedoch ihre schwerste Tour, denn ihr langjähriger Freund und Kletterpartner Kurt Albert kann sie auf ihrer wochenlangen Expedition im Fels nicht mehr begleiten…

»Jäger des Augenblicks« führt uns an einen magischen Ort der Erde und lässt uns an der spektakulären Tour dreier Männer teilhaben, die leidenschaftlich das extreme Abenteuer suchen.

Die Besteigung des Roraima gerät zu einer Tour de Force, einfühlsam und authentisch in noch nie da gewesener Nähe zu den Protagonisten. Für Qualität bürgt ein hochkarätiges und erfahrenes Filmteam: Kolja Brandt erhielt für »Nordwand« den Bundesfilmpreis für die beste Kamera, Franz Hinterbrandner (2. Kamera) drehte u.a. die Wandaufnahmen in »Am Limit« und »Eternal Flame«.

Express, Express

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00 20:00 20:00 20:00 20:00

Regie: Igor Sterk, (Slowenien), 1997

Darsteller: Gregor Bakovic, Barbara Cerar, Marko Mandic u.a.

Express, Express

Wir sehen in Großaufnahme eine Nähmaschine rattern und hören einen Kontrabass eindringlich sein Lied beginnen. Der da seine Hose näht, ist Gregor Bakovic, er ist unser junger Held. Zumindest ist er auf dem besten Wege, es zu werden. Unsere Sympathie erringt er sich durch zwei, drei unscheinbare Dinge, er mag Vivaldi, fährt für sein Leben gern Zug und er ist verliebt. Für ein richtiges Märchen gehört sich das auch so. Schnell wird das Unwichtige überflüssig. Man muss es nur beiseite schieben. Unser Held zieht die fertige Hose an, streicht den Namen an seinem Türschild aus, kauft sich eine Fahrkarte bis zum nächsten Bahnhof und steigt ein.

Durch eine herbstlich vergoldete Landschaft rollt der kleine Zug. Die eingleisige Nebenstrecke führt uns quer durch Slowenien. Auf jedem Bahnhof möchte man glauben, die Zeit sei stehengeblieben. Während wir die seltsamsten Reisebekannschaften knüpfen - ein Mann mit etlichen Luftballons zwängt sich durch die Abteile, ein anderer mit einem Vogelkäfig sorgt für gehörige Aufregung - finden wir unseren jungen Helden wieder.

Immer wieder wandert sein Blick von der vorbeiziehenden Landschaft zu der jungen Frau gegenüber. Er sitzt in einem Abteil gemeinsam mit Barbara Cerar. Die junge Frau hat sich geradezu häuslich eingerichtet. Sie umgibt sich auf Reisen mit einer Handvoll persönlicher Dinge und über die mitten durch das Abteil gespannte Wäscheleine hinweg erregt sie die Aufmerksamkeit unseres jungen Helden. Am nächsten Bahnhof beschließt er kurzerhand, dass er sich verliebt hat und löst ein weiteres Ticket.

Bevor Igor Sterks traumhafte Zugreise in den Express-Flitterwochen endet, umfängt uns noch eine liebevoll inszenierte Geschichte ganz universeller Art. Kaum dass es hier irgendwelcher Worte bedarf, zwei Menschen verlieben sich, andere fahren schwarz, das Zugpersonal hält unterwegs den Zug an, um das traditionelle Fußballspiel durchzuführen. Igor Sterks Film erinnert uns daran, dass Zugfahren die beste Medizin für kranke Seelen ist, und ein einsamer Bahnhof mitten in Slowenien der schönste Ort für Vivaldis »Vier Jahreszeiten«.

Die Jagd

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00
21:30 21:30 21:30 21:30 21:30

Regie: Thomas Vinterberg, (Dänemark/Schweden), 2012

Darsteller: Mads Mikkelsen, Thomas Bo Larsen, Alexandra Rapaport u.a.

Die Jagd

Das Kino der Zukunft? „Ich hoffe, dass es mich bewegt. Und mir Schrecken einjagt.“ Das sagt der dänische Regisseur Thomas Vinterberg (»Das Fest«, »Dear Wendy«). Und traut sich was: Er macht einen Film über einen zu Unrecht des Kindesmissbrauchs verdächtigten Mann. »Die Jagd« ist ein nachhaltig wirkender Film über eine Hexenjagd auf Lucas (Mads Mikkelsen). Die kleine Klara (Annika Wedderkopp) begegnet ihm oft: Im Kindergarten, wo er arbeitet, vor dem Supermarkt, wenn sie sich verlaufen hat. Und wenn sich ihre Eltern - gute Freunde von Lucas - streiten und sie traurig vor dem Haus steht, dann nimmt der sie mit in den Kindergarten. Wir sehen einen freundlichen Mann, der immer hilfsbereit ist und den auch die anderen Kinder lieben, weil er mit ihnen tobt. Und wir sehen die Zurückweisung: Sie solle ihn nicht auf den Mund küssen, sagt er ihr. Und das selbst gebastelte Herz lieber ihrer Mutter als ihm schenken. Klara, die zu Hause gerade nicht viel Aufmerksamkeit erfährt, ist gekränkt. Sie vertraut der Kindergärtnerin Grete (Susse Wold) an, Lucas habe sie angefasst und ihr seinen Pipimann gezeigt.

Damit ist es in der Welt. Und da Kinder nicht lügen, wie Grete meint, beginnt ein Karussell von Verunsicherung und Hysterie, das nicht zu stoppen ist. Eltern werden informiert, Kinder befragt, Lucas gemieden, entlassen und schließlich offen angegriffen. Erschrockene Versuche der kleinen Klara die Sache richtig zu stellen, werden von den Erwachsenen übergangen: „Auch wenn es für dich schlimm ist sich zu erinnern: Es ist passiert.“

Dass der Fokus die meiste Zeit auf Lucas liegt, macht das Zusehen besonders schlimm: Man möchte die langjährigen Freunde von Lucas anschreien, warum sie ihn nicht einmal zu Wort kommen lassen, man möchte den Psychologen rauswerfen, der mit suggestiven Fragen eine Situation herauf beschwört, die nicht annähernd stattgefunden hat. Und man möchte die Eltern dafür beschimpfen, dass sie nicht im Traum darauf kommen, dass ihre Tochter schlicht gemein sein wollte und Lucas „bestrafen“. Doch gleichzeitig weiß man, dass Eltern natürlich ihr Kind schützen, wenn ein solch ungeheuerlicher Verdacht im Raum steht. Auch wenn der mutmaßlich Täter der beste Freund seit Kindertagen ist.

Dass die Hexenjagd nicht in einem Lynchmord endet, ist dem Drehbuch von Thomas Vinterberg und Tobias Lindholm zu verdanken. Sie sparen nicht mit Hass und Gewalt, auch wenn Solidarität bei einem alten Freund und Lucas' getrennt lebendem Sohn Marcus zu finden ist. Nach einer Eskalation beim Weihnachtsgottesdienst scheint eine Wende möglich. Aber das Ende hinterlässt doch ein schreckliches, hilfloses Gefühl: Es wird nie aufhören.

Was Thomas Vinterberg vom Kino der Zukunft erwartet, hat er in seinem eigenen Film bereits meisterhaft eingelöst.

Petra Wille

Francis Mohr - Buchpremieren, Kurzfilme und Saitengreifer

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Francis Mohr "Kafka & Knödel / Die Invasion der Elstern" - Buchpremiere!!! &

"Harras' Büro" & "Herr Z. im Garten" - 2 Kurzfilme der Kölner Filmemacher Yvette Krause & Ralph Kusserow

In die Saiten greift: Messias Makarov

Kommissar Kafka löst Dachlawinen aus, wird auf dem OP-Tisch seziert und klärt einen Fall in der Südsee auf. Das Polykat Knödel assistiert ihm. Die Invasion der Elstern hält die Stadt in Schach. Der Herr von der Telefonseelsorge dreht den Spieß um. Das Celtic-Glasgow-T-Shirt wird Sascha zum Verhängnis. Wolfgang kämpft um die Goldene Karotte ... Den Hörer erwartet ein rasanter und skurriler Tauchgang in die saftigen Kürzen des Lebens.

"Harras' Büro" (10min; nach "Der Nachbar" von Kafka):

Wie Herr Z. seinen neuen Nachbarn zu sich einlädt, bei einem offenen Gespräch einige waghalsige Erkenntnisse offenbart, und zufällig eine folgenschwere Entdeckung machen muss.

"Herr Z. im Garten" (12 min; nach einem Traum von Kafka): Wie Herr Z. einen zauberhaften Garten besucht, sich dort von einer Dame aushalten lässt, knapp einer Schlägerei entkommt, beinahe Ehebruch begeht und dann auch noch ein Kind unglücklich macht

Doppel Premiere!