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Kinoprogramm Donnerstag, 11.07.2019 - Mittwoch, 17.07.2019

Lord of the Toys

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15

Regie: Pablo Ben Yakov, (Deutschland), 2018

Lord of the Toys

Der Dokumentarfilm löste einen Skandal und Shitstorm beim letztjährigen Leipziger Dok-Filmfestivals aus. In erster Linie wohl, weil die Protagonisten rechtsextreme Sprüche klopfen. Die Empörung war groß, aber die Goldene Taube, der Hauptpreis des Dok-Festivals für Ben-Yakov und André Krummel, entschädigt die Filmemacher. Nicht der Überbringer der Nachricht sollte geschmäht werden sondern die Realität in unserem Land. Insofern erübrigt sich die Frage „Ob man das zeigen darf?“. Solches Kino muss gezeigt werden, erst recht hier in Dresden.

Max „Adlersson“ Herzberg aus Dresden, 20 Jahre alt, hat entschieden, sein Leben nicht mit Arbeit zu verbringen. Seitdem referiert er über Messer und alle möglichen andere Produkte, öffnet Gangsta-Rap-Fanboxen, erzählt von sich selbst, besäuft sich in aller Öffentlichkeit, pöbelt und grölt herum, erniedrigt Schwächere, reißt derbe Witze und testet jede Grenze aus, die er sieht - Max ist YouTuber und lebt davon.

Die meisten seiner Freunde haben eigene Kanäle auf YouTube und Instagram, einige sogar recht erfolgreich. Max und seine Clique sind zweifelhafte Vorbilder, aber sicherlich Prominente ihrer Generation mit mehr als 300.000 aktiven Fans.

Ist Max ein gewaltverherrlichender Influencer mit rechten Tendenzen oder ein gewöhnlicher Heranwachsender auf der Suche nach Halt und Identität, in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Privatleben und Öffentlichkeit zunehmend verschwinden? Womöglich ist er beides, wahrscheinlich, ohne sich dessen allzu bewusst zu sein.

Ben-Yakov und André Krummel begleiteten Max und seine Clique einen Sommer lang, und sie hinterlassen ein dystopisches Bild der ersten Generation junger Erwachsener, die ein Leben ohne Internet, YouTube und Instagram nicht kennen. Der Film portraitiert sie und untersucht die Welt, in der ihre Lebensmodelle gedeihen: den Westen im Allgemeinen und den deutschen Osten im Speziellen.

ak

Dok-Leipzig: Bester Film

Das Original ist besser!Rocketman (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Dexter Fletcher, (Großbritannien/USA), 2019

Darsteller: Taron Egerton, Richard Madden, Jamie Bell u.a.

Rocketman (OmdU)

Nachdem »Bohemian Rhapsody« schon erfolgreich dem jüngeren Publikum die Band Queen vorstellte, versucht sich nun »Rocketman« damit, Elton John wieder „cool“ zu machen. Dabei soll es nicht nur stupide das Leben des Weltstars nacherzählen, sondern, wie Hauptdarsteller Taron Egerton sagt, ein Fantasy-Musical sein, das einige der größten Momente in Elton Johns Leben widerspiegeln soll.

Der Brite Reginald Kenneth Dwight studierte bereits mit 11 Jahren an der Royal Academy of Music. Schon seine Band Bluesology feierte erste Erfolge, doch das erste Soloalbum „Empty Sky“ des unter dem Pseudonym bekannten Elton John floppte. Fast wäre seine Karriere vorbei gewesen, bevor sie überhaupt begann. Doch mithilfe des Plattenbosses Dick James kletterte das zweite Album „Elton John“ schnell in die Top 10. Was folgt, ist die bewegende Karriere eines Musikers, der nicht nur durch zunehmend extravagante Kleidung Aufmerksamkeit erregt sondern auch durch seine Musik. Doch auch in seinem Leben finden sich Höhen und Tiefen: Der Oscar für die Musik zu »Der König der Löwen«, die drogenbedingte Kehlkopfoperation 1986, Auftritt als erster westlicher Popstar in der Sowjetunion und der Verlust seiner guten Freundin Prinzessin Diana im Jahr 1997. All das zeigt das Biopic, das bereits seit 2011 in Planung war. Dabei arbeitete der Drehbuchautor Lee Hall sehr eng mit dem Künstler selbst zusammen. Elton John war auch in die Produktion involviert. Die Rolle des legendären Musikers wurde aus Termingründen mehrmals neu besetzt, bis Taron Egerton dann die Rolle sein Eigen nannte.

Anne

Das Original ist besser!The Dead Don't Die (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:15

Regie: Jim Jarmusch, (USA/Schweden), 2019

Darsteller: Tilda Swinton, Chloë Sevigny, Adam Driver u.a.

The Dead Don't Die (OmdU)

Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen. Einen Albtraum, in dem Tom Waits, wenn er gerade nicht Fuck Farmer Miller (Steve Buscemi) die Hühner klaut, als bärtiger Kommentator eines absurden Kopf-Ab-Spieles auftritt. In der Kleinstadt Centerville bemerkt die staatliche Exekutivmacht Chief Cliff Robertson (Bill Murray), Buddy Ronnie Peterson (Adam Driver) und Trainee Mindy Morrison (Chloë Sevigny) eine sprunghafte Zunahme von verschwundenen Hühnern und geschlachteten Mitbürgern. Als sie den Zusammenhang erkennen zwischen Kommunikationszusammenbruch, Fracking an den Polkappen und Zombie-Invasion in Centerville, wissen sie, das geht nicht gut aus. Zumal die Regierung alles leugnet. Die Zombies von heute brauchen vor allem WLAN. Da ist es kein Wunder, dass selbst die Toten aus ihren Kisten steigen, als in Centerville das Netz streikt. Wie bei den guten alten George A. Romero-Cousins stolpern die Untoten hier auf der Suche nach ihren Herzensdingen ständig über die Lebenden. Was Zelda (Tilda Swinton), der Besitzerin der örtlichen Leichenhalle, viel Arbeit bereitet, doppelte Arbeit quasi. Bereits hergerichtete Leichen muss sie aufwendig nochmals herrichten, nachdem sie ihnen mit ihrem Samuraischwert die Köpfe heruntergeschlagen hat. Kill the head, so lautet fortan die Bedienungsanleitung… Die internationale Filmbranche wusste ja bereits vorher, diese Metapher steht für ein ganzes Land (wohl eher die leichenstarre Das-geht-bestimmt-von-allein-wieder-weg-Attitüde steht für dieses Land). Trotzdem darf man genüsslich johlen, wenn ausgerechnet Fuck Farmer Miller mit seiner Trumpmütze nicht auf irgendeinen lumpigen Mittelschicht-Zombie trifft, natürlich nicht, denn wer Schwarze so sehr hasst wie Chicken-Miller, hat einen Tod erster Klasse verdient… Alle übrigen Albträume enden übrigens, wie sie beginnen, einfach so.

Alpa Kino