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Kinoprogramm Donnerstag, 02.04.2015 - Mittwoch, 08.04.2015

Shaun das Schaf

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
15:00 15:00 15:00 15:00 15:00 15:00 15:00

Regie: Richard Starzak, Mark Burton, (Großbritannien/Frankreich), 2015

Shaun das Schaf

Shaun das Schaf in seiner ersten Kinohauptrolle! Der kleine Wollweiße baut mal wieder Mist und initiiert ungewollt ein Spiel, das nicht „Bauer sucht Frau“, sondern „Herde sucht Bauer“ heißen könnte. Durch eine herrliche Verkettung von Pech und Pannen rollt der Herr des Hofes unfreiwillig per Wohnmobil in die Stadt. Mister Superschaf folgt ihm auf dem Fuß, die Herde ist mehr oder weniger immer an seiner Seite. Alle geben ihr bestes, um sich den Gegebenheiten der Stadt auch optisch anzupassen. Hund Bitzer scheint wie immer leicht verzweifelt. Er versucht eher glücklos zu retten, was zu retten ist. Alles nicht so einfach, denn ein Tierfänger ist am Start, der nicht ganz so tumb ist, wie er aussieht. Der böse Mann gehört ausgetrickst, und wenn Schaf und Hund angesichts städtischer Überforderung doch mal versagen, sprich in die Falle gehen, ist ja noch die Herde da und im Ernstfall immer ein super Team. Mit großem Geschepper werden Shaun und Bitzer frei gehauen, denn Liebe macht vor keiner Mauer halt. Ein wilder Wirbel an Ereignissen überrollt Stadt- und Landbewohner, zu Hause tanzen derweil die Schweine auf dem Tisch und am Ende sind alle wieder da, wo sie hingehören und irgendwie auch Helden.

Das britische Studio „Aardman Animation“ (»Wallace & Gromit«) zeigt sein neustes und grandioses Stop-Motion-Highlight.

Grit Dora

Willkommen auf Deutsch

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:45 16:45 16:45 16:45 16:45
18:30

Regie: Hauke Wendler, Carsten Rau, (Deutschland), 2014

Willkommen auf Deutsch

Nebelschwaden tauchen die Landschaft in eine magische Ruhe. Verschlafen drehen sich die Rotorblätter der Windkraftanlage vor dem Sonnenuntergang. Der Landkreis Harburg, ein norddeutsches Idyll. Ausländerfeindlich ist man hier nicht, betont Hartmut Prahm von der örtlichen Bürgerinitiative. Doch die Zahl 53 treiben ihn und viele andere der 415-Seelen-Gemeinde Appel südlich von Hamburg um. So viele Asylbewerber sollen hier in einem leerstehenden Altenheim untergebracht werden. Dagegen mobilisiert sich Widerstand. Doch der Tonfall bleibt gesittet, meistens. Bei der Bürgerversammlung hört man erhobene Stimmen. Stumpfer Ausländerhass vom Stammtisch klingt aber anders.

Hauke Wendler und Carsten Rau nehmen sich Zeit, um die Stimmungslage in zwei norddeutschen Dörfern auszuloten. Ihr Dokumentarfilm Willkommen auf Deutsch beleuchtet die Asylproblematik aus vier verschiedenen Perspektiven. Neben dem Vertreter einer Bürgerinitiative dokumentiert der Film die Arbeit des Fachbereichsleiters von der Kreisverwaltung. Der Mann aus dem Büro A-216 muss die Unterbringung der Asylanten verwaltungstechnisch durchsetzen. Er will »eine Willkommenskultur« etablieren, doch an seiner Mimik ist abzulesen, dass solche Sprachhülsen den Unmut der Bürger nicht übertünchen können.

Die Dokumentation dieses Streits um die Unterbringung von Flüchtlingen wird ergänzt durch Blicke auf Schicksale einiger Asylbewerber. In Tespe, einem anderen Dorf desselben Landkreises, begleitet die Kamera ein pakistanisches Paar, das in der Heimat aufgrund seiner gemischten Religionszugehörigkeit verfolgt wird. Mit den Beobachtungen einer sechsfachen tschetschenischen Mutter, die während des bangen Wartens auf den Asylbescheid einen Nervenzusammenbruch erleidet, schließt der Film einen Kreis. Während sie in der Klinik ist, springt eine deutsche Nachbarin als Kindermädchen ein. Die Rentnerin, der man ihre 80 Jahre nicht gleich ansieht, hat Hunger und Verfolgung nach dem Weltkrieg noch selbst erlebt.

Mit dieser beherzten Zivilcourage dokumentiert der Film, dass es nicht nur Vorbehalte gegen Asylbewerber gibt. »Gute« und vermeintlich »böse« Deutsche werden dabei aber nicht gegeneinander ausgespielt. Der Film steht in der Tradition des puristischen Hinsehens, das auf Offkommentare verzichtet. Das Vertrauensverhältnis der Regisseure zu ihren Protagonisten ermöglicht eine große Intensität des Beobachtens. Dem Zuschauer wird die Position des Mitleidens nicht aufgenötigt. Auf der anderen Seite werden auch Asylgegner nicht denunziert. Unaufgeregt und undogmatisch hält der Film ein Spannungsverhältnis aufrecht. Die großen Rätsel der Welt bleiben ungelöst.

Durch ihre offene Beobachtungshaltung – und mit einer Musikuntermalung, die aus einem Pan-Tau-Film stammen könnte – vermitteln Wendler und Rau, dass es bei der Asylproblematik keine Deutungshoheit gibt. Ihnen ist ein Film gelungen, der sehr menschlich ist und zugleich deutlich macht, dass Menschlichkeit nie ohne Konflikt zu haben ist.

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Pepe Mujica - Der Präsident

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:45

Regie: Heidi Specogna, (Deutschland), 2014

Pepe Mujica - Der Präsident

Trailer: http://bit.ly/1DYzn30

Allein zu wissen, dass Uruguays Präsident von Beruf her eigentlich Blumenzüchter ist, lässt einen diesen Mann sympathisch finden. Und wenn man den Film über José Alberto Mujica, genannt Pepe, dann gesehen hat, mag man ihn noch mehr, mag sein Land und würde am liebsten dahin auswandern. 70 Jahre war er alt, als er vor fünf Jahren zum Präsidenten gewählt wurde. In den Sechzigern kämpfte er bei den Tupamaros, der Guerillabewegung Uruguays, gegen die Militärdiktatur, wofür er 14 Jahre im Gefängnis saß, aber auch zweimal fliehen konnte. Nach dem Machtwechsel Mitte der 80er wurden die gefangenen Tupamaros entlassen und gründeten eine Partei, in der Pepe Mujica von nun an aktiv war. Sein Aufstieg ist verbunden mit einem zunehmenden Umschwung im Land. Als neuer Präsident erlaubte er, Marihuana zu rauchen und homosexuellen Paaren zu heiraten. Neun Zehntel seines Präsidentengehalt spendet er an NGOs und lebt dafür mit seiner Frau auf einem Bauernhof. Er ist der ärmste Präsident der Welt, sagt aber selbst, dass er immer noch mehr hat als die meisten Menschen in seinem Land. Aussagen wie diese, verbunden mit seiner Lebensgeschichte, verleihen ihm eine Glaubwürdigkeit, die man von Politikern sonst nicht kennt. Gemacht hat den Film die langjährige Freundin des Ehepaares Heidi Specogna, und es gelingt ihr nicht nur, ein liebenswertes Portrait dieses eigenartigen Mannes zu erzeugen, sondern auch, anhand seines Lebens viel über die Geschichte Uruguays zu erzählen.

Felix

Das Original ist besser!Eine neue Freundin - Une nouvelle amie (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:30
18:30 18:30 18:30 18:30 18:30

Regie: François Ozon, (Frankreich), 2015

Darsteller: Romain Duris, Jean-Claude Bolle-Reddat, Raphaël Personnaz u.a.

Eine neue Freundin - Une nouvelle amie (OmU)

Claire (Anaïs Demoustier) muss ihrer allerbesten Freundin Laura (Isild Le Besco) am Sterbebett versprechen, sich in Zukunft um deren Mann David (Romain Duris) und die kleine Tochter Lucie zu kümmern. Der Tod von Laura ist augenscheinlich für alle Beteiligten ein großer Verlust, dessen Kompensation im Folgenden zärtliche Knospen sprießen lässt. Und meint man noch, Claire schlüpfe nun in die Rolle der heimlichen Trösterin des gut aussehenden Witwers, steht man im nächsten Moment mit offenem Munde da und ertappt gemeinsam mit Claire den allein erziehenden Vater in Frauenkleidern. Natürlich in denen von Laura. Claires guter Vorsatz, David in allen Belangen zur Seite zu stehen, strauchelt zunächst ein wenig, erhält nach kurzer Besinnungspause aber neuen Schwung. Zu verlockend wirken Wiederauferstehung von Laura, zärtlicher Trost an David sowie die heimliche Bewerkstelligung des dazu notwendigen Cross-Dressings auf die junge Frau. Die sinnlichen Facetten verschmelzen zu einem amourösen Abenteuer…

Der neue Ozon ist alt und neu zugleich. Bereits vor zwanzig Jahren versuchte sich der Regisseur an dieser literarischen Miniatur von Ruth Rendell. Fand aber weder Produzenten noch die passende Besetzung. Und viel mehr noch fehlte ihm damals die Schlüssel-Idee, mit der er den Film einleiten und auch plausibel machen konnte, welche Motivationen seine Figuren antreiben. Mehr und mehr gelingt es David, sich in eine Virginia zu verwandeln, die nicht bloß als ein Abklatsch der verstorbenen Laura daherkommt. Und die Freude am Frau sein erfrischt auch Claires recht überschaubare Talente. Als „die neue Freundin“ tritt abwechselnd Virginia bei Claire auf und dann auch wieder sie selbst bei David. Oder bei dessen weiblichem Abbild. Wenn Claires kalt gestellter Ehemann Gilles endlich hinter die Liaison kommt, dringt in diesen sich zunehmend selbst genügenden Beziehungskosmos ein Fremdkörper ein, der im Grunde nur auf Kollisionskurs gehen kann.

alpa kino

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Salz der Erde

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:30

Regie: Wim Wenders, Juliano Ribeiro Salgado, (Frankreich/Brasilien), 2014

Darsteller: Sebastião Salgado u.a.

Das Salz der Erde

Von einem sichtlich bewegten Publikum wurde Wim Wenders dieses Jahr in Cannes gefeiert und für seinen Dokumentarfilm »Das Salz der Erde« in der Rubrik ""Un Certain Regard"" ausgezeichnet. Er blickt darin zurück auf das Werk und das Leben des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, die schwer voneinander zu trennen sind. So machte der junge Salgado seine ersten Fotos als Wirtschaftsreisender in Afrika, was ihn dazu bewegte, seinen aussichtsreichen Job aufzugeben und als Fotoreporter um die Welt zu ziehen. Für seinen späteren Auftraggeber Magnum dokumentierte er über die Jahre u.a. die Hungersnot im Sudan, die Massenmorde in Ruanda, Flüchtlingsströme aus Jugoslawien und brennende Ölfelder im Irak. Erlebnisse, die ihn abstumpften und zugleich den Glauben an das Gute im Menschen raubten, so dass er sich nach Brasilien zurückzog und dort half, verdorrtes Land wieder aufzuforsten. Nach dieser Erfahrung kehrte er zur Fotografie zurück - diesmal allerdings, um als Naturfotograf die Schönheit des Lebens festzuhalten.

Wenders geht in seiner Dokumentation chronologisch vor, beschränkt sich überwiegend auf Salgados eigenes Foto- und Videomaterial, das vom Künstler aus dem Off kommentiert wird, ergänzt diese lediglich um einige kurze Interviews mit dessen Frau und Sohn Juliano Ribeiro, der als Co-Regisseur für die sehr persönliche Färbung verantwortlich ist. Beeindruckend ist die gelassene Art, mit der Salgado, ein Mann, der alles gesehen hat, als heute 70-Jähriger auf sein Werk blickt. Wim Wenders hält sich zurück, lässt die Bilder wirken, die bei aller Dramatik auch eine große Schönheit offenbaren, und zieht somit eine große Portion Hoffnung aus Salgados Geschichte, die einen tatsächlich vor Ehrfurcht erstarren lässt.

Felix

Als wir träumten

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:15
20:30 20:30 20:30 20:30 20:30 20:30

Regie: Andreas Dresen, (Deutschland/Frankreich), 2015

Darsteller: Ruby O. Fee, Pit Bukowski, Joel Basman u.a.

Als wir träumten

Coming-of-Age, Wendefilm, Sozialdrama - es gibt viele Kategorien, unter denen man Andreas Dresens neuen Film zusammenfassen könnte. Getreu seiner Buchvorlage erzählt er die Geschichte der Freunde Dani, Mark und Rico, die in den späten 80ern mit ihrer Clique am Leipziger Stadtrand groß werden und deren Leben durch die Wiedervereinigung durcheinander gebracht wird. Bevor man den Film im Kino sehen kann, wird er im Wettbewerb der BERLINALE 2015 laufen, aber die Ausschnitte des Trailers sehen so aus, wie man das von einem Film über eine schwierige Jugend zur Zeit der Wende erwarten würde: rauschhafte Fahrten durch die Nacht und Stress mit Nazis in überhöhter Bildsprache, kommentiert von einem Voice-Over, das literarische Bedeutsamkeit für sich beansprucht.

Vor allem das Personal hinter dem Film lässt aufhorchen: Regisseur Andreas Dresen, zur Zeit der Wende etwa dreißigjährig, drehte seine ersten Kurzfilme noch in der DDR und thematisiert seit seinem Spielfilmdebüt »Stilles Land« (1992) kontinuierlich das Leben der kleinen Leute. »Als wir träumten« ist seine dritte Zusammenarbeit mit dem fast dreißig Jahre älteren Wolfgang Kohlhaase, dem deutschen Meister des Milieufilms, dessen Hauptwerk als Drehbuchautor für die DEFA entstanden ist (u.a. »Berlin Ecke Schönhauser« (1957), »Ich war neunzehn« (1968), »Der nackte Mann auf dem Sportplatz« (1974) und »Solo Sunny« (1979)). Clemens Meyer wiederum, dessen vielbeachteter Debütroman von 2006 hier verfilmt wurde, war zu jener Zeit etwa so alt wie seine Protagonisten und stammt aus ähnlichen Verhältnissen. Es kommen also die Erfahrungen dreier Generationen zusammen, deren jeweiliges Verhältnis zur DDR ein vollkommen anderes ist. Es wäre schön, wenn das dem Film zugute käme.

Felix

Das Original ist besser!A Most Violent Year (OmU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30
22:45 22:45 22:45 22:45 22:45 22:45

Regie: J.C. Chandor, (USA), 2014

Darsteller: Oscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo u.a.

A Most Violent Year (OmU)

Das Jahr 1981, so heißt es, sei statistisch gesehen das gefährlichste und brutalste in der Kriminalgeschichte New Yorks gewesen. Die wirtschaftliche Krise jener Zeit spiegelte sich auch im kriminellen Bereich wider, wo die noch in Coppolas »Godfather« romantisierte Mafia mit ihren übertriebenen Ehrbegriffen von maßlosen und unberechenbaren Bandenkriegen abgelöst wurde, wie man sie etwa aus Scorseses »Goodfellas« oder De Palmas »Scarface« kennt - wer weiß, vielleicht waren die Gangster der 80er sogar inspiriert von eben jenen „ehrenwerten“ Mafiafilmen aus den 70ern. Trotz des Titels und der eingangs erwähnten Statistik sollte man keinen klassischen Gangsterfilm erwarten; zwar arbeitet er sich auch an den bereits erwähnten Regisseuren ab, einen ebenso großen Einfluss werden aber auch Elia Kazans Melodramen (»On the Waterfront«) oder Sidney Lumets Städtefilme (»Serpico«) gehabt haben.

Der Einwanderer Abel Morales wird bei seinem Vorhaben, ein legales Heizölgeschäft am Hafen aufzubauen und ein friedliches Familienleben zu führen, massiv von skrupellosen Konkurrenten behindert und versucht lange Zeit, sich den Drohungen gewaltfrei zu widersetzen. Osacar Isaac, den die Coen-Brüder mit seiner Verkörperung des fiktiven Folksängers Llewyn Davis bekannt gemacht haben, zeigt in der Hauptrolle erneut, dass man auch in Zukunft starke Filme mit ihm zu erwarten hat. Am Beeindruckendsten ist aber wohl die Leistung J.C. Chandors zu nennen, der mit seinem erst dritten Film (nach »Margin Call« und »All is Lost«) erneut sein Talent für die Inszenierung von Leuten unter großem Druck beweist.

Felix