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THALIA - Cinema . Coffee and Cycling

Kinoprogramm Donnerstag, 05.11.2026 - Mittwoch, 11.11.2026

Naza (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:15 18:15
20:00 20:00

Regie: Yuval Abraham, Rachel Szor, (Großbritannien), 2026

Naza (OmdU)

Nach dem 7. Oktober 2023, dem Überfall der Hamas auf Israel und dem Massaker, bei dem rund 1200 Menschen ermordet und etwa 250 Geiseln genommen wurden, reagierte Israel mit beispielloser Härte. Eine der am besten ausgerüsteten Streitkräfte der Welt drang in den nur knapp 40 Kilometer langen und sechs- zwölf Kilometer breiten Gaza-Streifen ein, mit dem erklärten Ziel, die dort herrschende Terror-Organisation Hamas zu vernichten.

Schnell mehrten sich jedoch Berichte von zivilen Toten, von wahllosen Zerstörungen von Gebäuden, dem gezielten Angriff auf Infrastruktur, auf Krankenhäuser, der Wasserversorgung. Inzwischen sind weit mehr als 70.000 Menschen in Gaza gestorben, die Mehrheit von ihnen Frauen und Kinder. Unvermeidliche Kollateralschaden heißt es dazu von Seiten der israelischen Armee, zumal sich die Hamas gezielt hinter menschlichen Schutzschilden versteckt halte. Doch Israel sei die „moralischste Armee der Welt“ heißt es, nie habe eine Armee sich so sehr bemüht, zivile Opfer zu vermeiden.

Immer mehr Menschenrechtsorganisationen zweifeln dies an, werfen Israel und seiner Armee, der IDF, vor, zumindest Kriegsverbrechen zu begehen, auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag ging sogar eine Klage ein, die das Vorgehen Israels als Genozid bezeichnet. Bis dieser Prozess entschieden sein wird, dürften Jahre vergehen, bis es soweit ist bleiben Filme wie „Naza“, der in schwer zu ertragenden 80 Minuten einen nüchternen Blick auf die Methoden Israels wirft.

24 Armeemitglieder, Soldaten und Techniker kommen zu Wort, interviewt von Yuval Abraham, des Nachts in der Metropole Tel Aviv, einer modernen Stadt, nur 60 Kilometer Nördlich des Gaza-Streifens. Im Schutz der Dunkelheit, zusätzlich mit verfremdeter Stimme, um ihre Anonymität zu wahren und unweigerliche Repressionen möglichst zu verhindern, wird von den ausgefeilten Methoden berichtet, mit denen in Gaza Terroristen gejagt werden.

Die Überwachung ist vollständig, jedes Telefon- oder Handy-Gespräch, das die dort lebenden Palästinenser führen, wird abgehört, per Drohnen-Aufklärung werden präzise Modelle der Gebäude in Gaza angefertigt, um exakt orten zu können, wo sich ein mutmaßlicher Terrorist aufhält. Doch da dieser Terrorist selten allein ist stellt sich die Frage, wie viele Zivilisten bei einem Angriff auch getötet werden dürfen, wie hoch der Kollateralschaden sein darf, der Naza, wie das hebräische Akronym lautet. Mal sind es „nur“ ein paar, in anderen Phasen des Krieges waren angeblich 20 völlig akzeptabel, einzelne der Interviewten sprechen gar von 200 oder sogar 500 Nazas, die als akzeptabel galten.

Überprüfen lässt sich all das nicht, das liegt in der Natur der Sache, Gründe an den Aussagen der Zeugen zu zweifeln gibt es jedoch nicht. Zu sehr ähneln sich die Berichte der Männer und wenigen Frauen, zu selbstverständlich, ja geradezu beiläufig berichten sie vom systematischen Inkaufnehmen ziviler Opfer, zu sehr stützen die Bilder aus Gaza, die seit drei Jahren von der Vernichtung einer Region zeugen, die Aussagen der Zeugen.

Neu sind die Berichte in „Naza“ meist nicht, bei der britischen Zeitung The Guardian, die den Film auch co-produzierte, und der israelischen Webseite +972, waren viele der Aussagen der Zeugen schon zu lesen. Was Yuval Abraham und Rachel Szor in „Naza“ jedoch machen, ist auf subtile Weise anzudeuten, wie sehr Anklagen israelischer Politiker auch auf das eigene Land zutreffen. Einmal sieht man den israelischen UN-Botschafter, der alle Bewohner Gazas der Mitwisserschaft beschuldigt. Doch was soll man über Israelis sagen, die den Krieg in Gaza Live im Fernsehen verfolgen, wie Abraham und Szor andeuten, indem sie mit der Kamera immer wieder über die nächtlichen Fassaden Tel Avis streifen, wo in den erleuchteten Fenster Fernseher leuchten.

Und schließlich eine Aussage Benjamin Netanjahus, der vor vielen Jahren in einem TV-Interview seine Definition von Terrorismus gab: Dies sei der Fall, wenn gezielt Zivilisten angegriffen werden, um politische Ziele zu erreichen. Wenn man dazu Aussagen hört, die von den gezielten Schlägen in Gaza berichten, der Vertreibung der Bevölkerung, dem Erschießen von Zivilisten, die verzweifelt auf der Suche nach Nahrung sind, liegt die Aussage von „Naza“ auf der Hand.

Dass die Regisseure inzwischen von ihrer eigenen Regierung des Landesverrats beschuldigt werden, ihnen mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft gedroht wird, überrascht kaum. Dabei ist „Naza“ kein wütendes, agitatorisches Pamphlet, sondern überzeugt gerade durch seine überlegte, nüchterne Art.

Michael Meyns

OmdU | Originalsprache: Englisch, Hebräisch mit deutschen Untertiteln

Dave - Music in MotionLove Your Local Network – Büro Paul Fröhlich / Ruhestörung im Kosmos

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Auch 2026 darf man sich beim DAVE Festival wieder auf »Music in Motion« freuen. Ob Dokus oder Fiktion: Hier wird Musik auf Zelluloid gebannt. Verpasst nicht diese kleinen Kunstwerke, schließlich feiern die Filme nicht nur Dresden- und oft auch Deutschland-Premiere. Sie werden danach meist nur noch in Ausnahmefällen zu sehen sein. Kuratiert wird die Musikfilmreihe seit 2017 von Philipp Demankowski. Und diesmal ist es eine absolute local affair, die ihr nicht verpassen solltet. Ebensowenig wie die Paneldiskussion im Anschluss.

Love Your Local Network – Büro Paul Fröhlich / Ruhestörung im Kosmos (Dokumentarfilm, 73 min, deutsch, Janett Hanitzsch & Marco Seidel, Paul Fröhlich, Dresden 2025)

RUHESTÖRUNG IM KOSMOS – Die Worte schwirren durch den Raum, und diejenigen, die sie schon einmal gehört haben, nicken leise und lächeln wissend. Und wenn das Schicksal dir wohlgesonnen ist, wirst auch du bald die Wahrheit hinter diesem Mythos entdecken. Der Dokumentarfilm bietet ein anschauliches Beispiel dafür, wie Subkultur auf selbstorganisierte, nichtkommerzielle Weise verwirklicht werden kann – indem man einfach die Ärmel hochkrempelt und loslegt. Seit 2010 veranstaltet eine eng verbundene Gruppe in Dresden ihre eigenen Festivals, mal kleiner, mal größer, immer im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Und damals – als es noch Orte gab, die von der Gentrifizierung verschont geblieben waren – gab es sogar so etwas wie … nun ja, man konnte es nicht wirklich als Club bezeichnen. Es war eher ein Nicht-Club.

Und auch Rahmenprogramm dürft ihr erwarten: Davor kommt ein Kurzfilm über einen Dresdner FLINTA*-DJ-Workshop vom lokalen Filmemacher Julien Deschamps und danach wird das Thema vertieft bei einer Paneldiskussion zum Thema: Freiräume für Clubkultur vs. Malaise der Clubinfrastruktur.

Moderation: Jonny Haubold


– Josefine Went vom objekt klein a


– Erik Eingelmann vom Kulturkollektiv Dresden


– Paul Fröhlich höchstselbst


– Filmemacherin Janett Hanitzsch

Das Original ist besser!Moscas - Fliegen und andere Gäste (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00 18:00

Regie: Fernando Eimbcke, (Mexiko), 2026

Darsteller: Teresita Sánchez, Enrique Arreola, Hugo Ramírez u.a.

Moscas - Fliegen und andere Gäste (OmdU)

Auf der diesjährigen Berlinale lief Fernando Eimbckes fünfter Spielfilm im Wettbewerb. Zu schlicht wirkt die Geschichte eines kleinen Jungen, der zusammen mit seinem Vater bei einer anfangs unnahbaren Frau einzieht, auf den ersten Blick. Doch gerade seine leisen Töne, die beiläufige Beobachtung und kleine prägnante Momente machen das leise Drama zu einem sehenswerten Film. Der Leserpreis der Berliner Morgenpost und der Preis der Ökumenischen Jury sprechen dafür.

Olga führt ein streng abgezirkeltes Leben in einem großen Wohnblock in Mexiko-Stadt ohne Freundschaften und Beziehungen. Als sie in einer finanziellen Notlage ein Zimmer untervermieten muss, zieht ein Mann vom Land ein, der seine erkrankte Frau im nahegelegenen Hospital unterstützt. Erst spät bemerkt Olga, dass der Mann nachts seinen 9-jährigen Sohn mit in die Wohnung schmuggelt. So groß ihre Wut sein mag, sie kann sich dem Charme des Jungen nicht entziehen, der nichts unversucht lässt, um zu seiner Mutter ins Krankenhaus zu gelangen. Olgas Leben beginnt sich auf überraschende Weise mit dem ihrer ungebetenen Gäste zu verflechten, ihre sorgsam kontrollierte Welt verwandelt sich. Was als Regelverstoß beginnt, entwickelt sich zu einer der anrührendsten Wohngemeinschaften des Kinojahres. Und seien wir ehrlich - gute Gefühle können wir alle gut gebrauchen.

„Genau darin, in kleinen Begegnungen, beiläufigen Situationen mit Menschen, liegt die größte Qualität. Fernando Eimbcke gelingen über einen lakonischen Ton hinaus auch berührende, prägnante Momente.“ Michael Meyns, programmkino.de

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Digger (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45 21:45

Regie: Alejandro González Iñárritu, (USA), 2026

Darsteller: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman u.a.

Digger (OmdU)

Er ist erst auf den zweiten Blick wirklich wiederzuerkennen: Tom Cruise als titelgebender „Digger“ entert mit bedenklich schütterem Haar und einem Bauchansatz, der eigentlich eine Wampe ist, die Leinwand. Der (von »Eyes Wide Shut« mal abgesehen) auf Action abonnierte Mime spielt einen reißerischen Ölbaron, der die Menschheit retten soll, nachdem er eine globale Katastrophe ausgelöst hat. Den Auftrag erhält er vom so aufgebrachten wie aufbrausenden US-Präsidenten (John Goodman at his best). Aber Digger ist eher einer, der Chaos auslöst, statt es unter Kontrolle zu bringen. Cruise spielt keinen unerschrockenen Helden, sondern einen größenwahnsinnigen Machtmenschen. Der Star, dessen Körper in »Mission: Impossible« zum Instrument perfekter Selbstbeherrschung geworden ist, demontiert genüsslich den Kult um seine Person. Regie führt Alejandro González Iñárritu, der sich nie auf eine feste Handschrift festlegen lässt. »21 Gramm« und »Babel« erzählen von Zufall, Schuld, Verlust und den Folgen menschlicher Entscheidungen. »Biutiful« konzentriert diese Themen auf einen Einzelnen, »Birdman« macht daraus eine schwarze Komödie über Eitelkeit und Anerkennung, »The Revenant« ein Überlebensdrama. Was sie verbindet, sind Menschen, deren Kontrolle über das eigene Leben zerbricht. »Digger« scheint diesen Gedanken weiterzuführen. Gedreht wurde auf 35-mm-Film im VistaVision-Verfahren, mit Kameramann Emmanuel Lubezki. Besonders ist die Mischung aus schrillen Bildern, Katastrophenfantasie, schwarzer Komödie und persönlicher Hybris: Iñárritu zeigt, dass die mächtigsten Männer der Welt keine Retter, sondern ein Problem sind. Neben Cruise und Goodman spielen Sandra Hüller. Michael Stuhlbarg, Riz Ahmed und Jesse Plemons.

Grit Dora

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Eine Krankheit wie ein Gedicht

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:15

Regie: Jelena Ilić, (Deutschland), 2026

Eine Krankheit wie ein Gedicht

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=Lc0xc4gQKU8&t=1s

Es ist wirklich poetisch, was die Regisseurin, Autorin und Fotografin Jelena Ilić mit ihrem Dokumentarfilm »Eine Krankheit wie ein Gedicht« erschaffen hat. Ein schmerzhaftes Gedicht, das die Beziehung zu ihrem Vater nicht nur in Verse, sondern vor allem in Bilder packt. Ilićs Vater hat eine »drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp« und sitzt deswegen in der Forensik. Die Filmemacherin wünschte, er würde für immer dort bleiben; keine Gefahr für sich und andere darstellen - besonders nicht für sie. Denn da ist eine Angst in ihr, der sie sich in diesem Film stellt.

Die Kamera hilft ihr, ein bisschen Abstand zum Geschehen zu entwickeln. Und am Anfang geht es auch nur ums reine Dokumentieren, nicht ums Filmemachen. Es entwickelt sich nach und nach aber ein Film in Zusammenarbeit mit ihrem Vater, nicht über ihn. Vater und Tochter tauschen ein Skizzenbuch aus, füllen Seite für Seite. Ilić überträgt diese Formensprache auf den Film und lässt damit tief blicken, ohne immer viel sagen zu müssen. So mischen sich Angst, Überforderung und Wut alsbald mit Nähe und Akzeptanz, nehmen einen immer größeren Raum ein und spiegeln die Ambivalenz in der Vater-Tochter-Beziehung - inner- und außerhalb der forensischen Psychiatrie. Ilić sagt, sie habe keinen Weg gefunden, mit der Krankheit des Vaters umzugehen. „Ich habe nur gelernt, neben ihr herzulaufen, anstatt vor ihr wegzurennen.“ Das ist berührend und preisgekrönt. Beim Neiße Filmfestival im Frühjahr erhielt sie etwa die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm, bei der Filmkunstmesse in Leipzig gab es zuletzt den Publikumspreis.

mana

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Hiddensee

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:00

Regie: Annekatrin Hendel, (Deutschland), 2026

Hiddensee

Dem Beschreiben, Besuchen, Bewundern der Insel Hiddensee lag immer schon ein besonderer Zauber inne. Ganz zu schweigen vom tatsächlichen Bewohnen des schmalen Streifens „süßen Landes“. Immer schon zog es Menschen weg von den mondänen Seebädern der Begüterten und Betuchten, hin zu den unverbauten, unmotorisierten 17 Kilometern Ostseesand. So wuchs übers letzte Jahrhundert ein ansehnlicher Kreis an Dauergästen und Zeit-Insulanern heran. Egal unter welchem Regime, hier war das Publikum immer erlesen, speziell und charmant. Sommers residierten hier Gerhart Hauptmann, Joachim Ringelnatz, Heinrich George oder Asta Nielsen. Fest verbunden mit der Insel ist auch der Name von Gret Palucca, die hier viele Sommermonate mit ihren Schülerinnen arbeitete. „Wer einmal hier war, kommt immer wieder - oder nie“. Wie passen Karl-Eduard von Schnitzler, Nina Hagen, Bertolt Brecht oder Feeling B. in das Urlaubsparadies und wie die Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel (»Anderson«, »Familie Brasch«)? Selbst bei soviel herrlichem Publikum gilt es Geschichte zu schürfen, hat Hendel sich gesagt, und erinnert sich an ihre eigene, wilde Sommer-Jugend auf Hiddensee. In einem stillen Schwarz/Weiß porträtiert sie die Insel von heute, mit ihren aktuellen kommunalpolitischen Zerwürfnissen, die Insel ihrer eigenen Jugend mit den Punkkonzerten am Strand und die Insel von anno damals, mit all den namhaften Festlandflüchtlingen, die der Inselpuppenspieler Karl Huck liebevoll verfremdet.

alpa kino

Was haben wir gelacht

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Regie: Eva Müller, Isabel Schneider, (Deutschland), 2026

Was haben wir gelacht

Eva Müller und Isabel Schneider erzählen die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er und früher 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.

Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert - durch „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“ und später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was haben Humor, Witz und Unterhaltung mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Dieser Film ist eine Zeitreise zurück zu den Lachern der 90er und 00er. „Was haben wir gelacht“ - oder vielleicht doch nicht?

„Unsere Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins haben - jede auf ihre Weise, auch in kaum bekannten Fernsehmomenten - mehr Sichtbarkeit von Frauen im Unterhaltungsfernsehen erkämpft. Sie waren dabei Autorinnen ihrer eigenen Geschichte, aber auch Betroffene von Sexismus, Häme, Queer- und Frauenfeindlichkeit. Sie kennen sich, schätzen sich, sehen in unserem Film dieselben Archiv-Momente und schauen aus heutiger Perspektive auch kritisch auf sich selbst, ihr Schaffen und das ihrer Kolleginnen.“

Das Original ist besser!Teenage Sex and Death at Camp Miasma (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:45

Regie: Jane Schoenbrun, (Großbritannien/Kanada), 2026

Darsteller: Gillian Anderson, Hannah Einbinder, Patrick Fischler u.a.

Teenage Sex and Death at Camp Miasma (OmdU)

In den 80ern kämpfte sich ein kleiner Indie-Slasher-Film an die Spitze der Charts und in die Herzen der Filmliebhaber:innen. Daraufhin gab es mehrere weitere Verfilmungen, allerhand Merch und sogar Actionfiguren. Die Camp Miasma Filme sind Kult. Nun soll die ambitionierte queere Filmemacherin Kris Williams (Hannah Einbinder), die gerade ein hervorragendes Regiedebüt abgeliefert hat, einen neuen Teil der Slasherfilm-Reihe drehen. Sie soll mit dem neuen Teil das Franchise wieder aus der finanziellen Notlage rausholen. Kris will jedoch nicht einfach ein Remake oder einen weiteren Teil machen, sie will etwas ganz Besonderes aus dem Stoff rausholen. Bei der Recherche zu den Camp Miasma Teilen entwickelt Kris eine zunehmende Faszination für das „Final Girl“ Billy Presley (Gillian Anderson) des Originals. Sie schafft es, die mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin ausfindig zu machen und trifft sich mit ihr. Ausgerechnet der Originalschauplatz des ersten Camp Miasma Filmes ist die Wahlheimat des ehemaligen Stars. Kris möchte Billy unbedingt für einen Cameo-Auftritt gewinnen. Doch irgendetwas stimmt mit Billy nicht. Sie nennt als Grund, warum sie ausgerechnet im Camp wohnt, dass irgendjemand da sein muss, wenn „Little Death“ (Jack Haven) wieder aufersteht. „Little Death“ ist der Serienkiller in den Camp Miasma Filmen, der als Kopf einfach einen Lüftungsschacht hat. Dass diese Figur nur fiktiv ist und nicht im wahren Leben herumlaufen kann, das scheint Billy nicht zu interessieren. Kris findet sich bald in einem Strudel aus Angst, Lust und Wahnvorstellungen wieder, in dessen Zentrum die mysteriöse Frau ihrer Träume steht.

Regie und Drehbuch von »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« stammen von Jane Schoenbrun, die z.B. auch »I saw the TV glow« machte. Der Film ist keine Parodie kultiger Slasherfilme und auch kein billiger Abklatsch, sondern eher eine nuancierte Hommage voller Liebe für das Genre.  

Anne

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 2026Collapse (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00

Regie: Anat Even, (Frankreich), 2026

Collapse (OmeU)

Anat Even, eine israelische Dokumentarfilmerin, kehrt knapp zwei Wochen nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 in ihre ehemalige Heimat zurück – einen Ort im Nordwesten des Negev, im sogenannten „Gaza-Gürtel“. Mit der Kamera in der Hand durchquert sie den verwüsteten Kibbuz Nir Oz und filmt in den folgenden zwei Jahren das Grenzland jenes Zauns, der den Gazastreifen seit den 1990er Jahren abriegelt. Auf ihrer Seite dominieren nun Panzer das Landschaftsbild, während Traktoren weiterhin Saatfurchen ziehen und Kriegsgerät das Ackerland übersät. Jenseits der Grenze sind die Bombardements und Explosionen zu sehen und zu hören, die Gaza systematisch zerstören. Even agiert als beobachtende Kritikerin und essayistische Kamerafrau. In einem nachdenklichen Voiceover sowie in Gesprächen nähert sie sich der komplexen Wahrheit über das Verhältnis zu Gaza – sowohl ihrem eigenen als auch dem anderer. Ihr Pariser Brieffreund Ariel beendet den Kontakt aufgrund ethischer Differenzen, Avichai beschreibt Israels zerstörerische Militärstrategie, und der palästinensische Arzt Ezzideen Shehab richtet aus Gaza City einen Appell an die Weltöffentlichkeit. Der Film handelt von Wut und Verlust, von Entmenschlichung und Diskriminierung, von Krieg und Ohnmacht. Es ist ein schmerzhaftes Werk, das etwas scheinbar Unmögliches wagt.

anschließend Filmgespräch | followed by a discussion about the film

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 2026A Goodnight Kiss (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:15

Regie: Giedrė Žickytė, (Litauen/Estland/Bulgarien), 2025

A Goodnight Kiss (OmdU)

Anrufe und Geburtstagsglückwünsche strömen herein, begleitet von Worten der Bewunderung. Irena Veisaitė wird 92 Jahre alt. Als bemerkenswerte Frau und führende Stimme der litauischen Kultur hat Irena die Schrecken zweier totalitärer Regime durchlebt – und sie überstanden – mit dem unerschütterlichen Glauben, dass das Leben strahlend sein sollte. Die Nazi-Besatzung beendete ihre Kindheit im Alter von nur 13 Jahren, raubte ihr die leibliche Mutter und schickte sie in ein jüdisches Ghetto. Dann folgte eine weitere Besatzung, diesmal durch die Sowjets, die ihr die zweite Mutterfigur nahm, die sie vor den Nazis gerettet hatte und wie ihr eigenes Kind großzog. Der Film ist ein zutiefst persönliches, nuanciertes Porträt von Irena und ein Zeugnis ihrer Menschlichkeit, ihrer Lebenskraft und ihres Mutes zu leben und zu vergeben. Irena verstarb 2020, zu Beginn der Produktion des Films. Dies veranlasste die Regisseurin Giedrė Žickytė dazu, neue Wege zu finden, um ihre Geschichte zum Leben zu erwecken, und deren emotionale und historische Konturen anhand von Filmmaterial aus Irenas letztem Lebensjahr sowie bisher unveröffentlichtem Archivmaterial zu beleuchten, das ihre Erinnerungen widerspiegelt. Die Musik ihres lebenslangen Freundes und gefeierten Komponisten Arvo Pärt durchzieht die Erzählung und regt zum Nachdenken über Verlust und die beständige Kraft der Liebe an. Was sich entfaltet, ist eine künstlerische Hommage an den Geist einer Frau und ihr Bekenntnis zu einem Leben frei von Hass. In der heutigen, von Spaltungen geprägten Welt könnte dies der Leitstern sein, den wir brauchen.

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 202630 Jahre Kardeş Türküler (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30

Regie: Çayan Demirel, Ayşe Çetinbaş, (Türkei/Deutschland), 2025

30 Jahre Kardeş Türküler (OmeU)

»30 Jahre mit Kardeş Türküler« zeichnet die musikalische und politische Entwicklung des 1993 an der Boğaziçi-Universität entstandenen Projekts nach. Der Film erzählt von Zusammenhalt, Kindern, Frauen, Bäumen und Flüssen sowie einer grenzübergreifenden Gemeinschaft der Kulturen. Auf der Bühne begegnen sich Sprachen, Geschichte, Poesie und Künstler*innen wie Hrant Dink, Neşet Ertaş, Reem Kelani und Arto Tunçboyacıyan. Erstmals wird die dreißigjährige Geschichte der Gruppe gezeigt, deren Musik die politischen und gesellschaftlichen Realitäten der jüngeren türkischen Geschichte widerspiegelt und kommentiert.

anschließend Filmgespräch mit der Regisseurin | followed by a discussion with the director Ayşe Çetinbaş

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 2026The Secret Reading Club of Kabul (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:15

Regie: Elina Hirvonen, Shakiba Adil, (Finnland/Norwegen), 2026

The Secret Reading Club of Kabul (OmeU)

Drei afghanische Frauen halten ihr Leben heimlich in einem Dokumentarfilm fest, der eine Brücke schlägt zwischen den Erlebnissen von Anne Frank im Amsterdam der 1940er Jahre, der Kindheit der Filmemacherin Shakiba Adil im Kabul der 1990er Jahre und den afghanischen Frauen von heute - und den Triumph der Menschlichkeit über die Unterdrückung würdigt.

mit Filmgespräch | followed by a discussion about the film

in Kooperation mit | in cooperation with SEBIT

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 2026Enough is Enough (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30

Regie: Elisé Sawasawa, (Demokratische Republik Kongo/Frankreich), 2026

Enough is Enough (OmeU)

Im Januar 2025 fällt die Stadt Goma, Hauptstadt von Nord-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo, in die Hände von Rebellen. Es dauerte nur vier Tage, bis die M23 die Armee der DR Kongo, die Streitkräfte Kenias, Ugandas, Tansanias, Malawis, Südafrikas und Burundis sowie Söldner und Milizen besiegte - und das unter den wachsamen Augen der größten UN-Basis, der MONUSCO.

»Enough is Enough« zeugt von der unglaublichen Lebenskraft der kongolesischen Bevölkerung, das mit der unbeschreiblichen Tragödie eines endlosen Krieges in Nord-Kivu zu kämpfen hat.

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 2026Driving Europe (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30

Regie: Felix Länge, (Deutschland), 2025

Driving Europe (OmdU)

Im August 2023 beginnen über 80 LKW-Fahrer aus Drittstaaten an der Raststätte Gräfenhausen einen der größten Arbeitskämpfe der europäischen Logistikbranche. Rekrutiert mit dem Versprechen fairer Arbeit, sind sie monatelang ohne Lohn unterwegs - oft ohne Geld für Essen oder die Heimreise. „Driving Europe“ begleitet die georgischen Fahrer in ihrem mutigen Protest, in ihre Heimat, ihre Isolation und ihren Kampf um Gerechtigkeit. Mit der niederländischen Gewerkschaft RTDD fordern sie Verantwortliche bis hin zu globalen Marken heraus und decken auf, wie moderne Zwangsarbeit durch Subunternehmerstrukturen in den Schatten der Lieferketten verlagert wird.

anschließend Filmgespräch mit | followed by a discussion about the film with Director Felix Länge

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 2026To Hold A Mountain (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:45

Regie: Biljana Tutorov, Petar Glomazić , (Serbien/Frankreich/Montenegro/Slowenien/Kroatien), 2026

To Hold A Mountain (OmeU)

In den entlegenen Hochlagen der Sinjajevina-Hochebene in Montenegro kehren Gara und ihre dreizehnjährige Tochter Nada jeden Sommer zu ihren angestammten Weidegründen zurück. Dort hüten sie Tiere, sammeln Kräuter und leben in Symbiose mit dem Berg, den sie „Mutter“ nennen. Als die Regierung ein NATO-unterstütztes Militärübungsgelände in der geschützten Landschaft plant, wird Gara zur unerwarteten Anführerin des Widerstands. Während Nada heranwächst, weckt die zunehmende Gewalt Fragen nach Vergangenheit, Zukunft und dem Teufelskreis der Gewalt in ihrer Familie, den sie durchbrechen möchte.

anschließend Filmgespräch mit Anca Kübler, Opferschutzanwältin | followed by a discussion about the film with Anca Kübler, a lawyer specialising in victim protection

22. MOVE IT! Filmfestival für Menschenrechte 202632 Meters (OmeU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Regie: Morteza Atabaki, (Türkei/Iran), 2025

32 Meters (OmeU)

Halime identifiziert sich nicht mit dem traditionellen Frauenbild in ihrem patriarchalisch geprägten Dorf. Sie ist der Überzeugung, dass es im Leben um mehr geht als nur um Hausarbeit und Kindererziehung. Davon geleitet, trifft sie eine mutige Entscheidung: sie will einen Schießwettbewerb für die Frauen im Dorf organisieren. Doch ihre Idee stößt auf starken Widerstand seitens der Männer, die als Familienoberhäupter nach wie vor das letzte Wort haben. „32 Meter“ begleitet die Frauen mit Wärme und sanftem Humor, während sie sich mutig gegen Argumente wehren wie „Waffen sind kein Spielzeug“ und „Schießen ist Männersache“. Die Kamera beobachtet diese intimen Gespräche sowohl in den Häusern als auch auf offenen Feldern und zeigt eine Gemeinschaft, die es vorsichtig wagt, subtile Veränderungen anzunehmen, und dass selbst die tiefsten Verwurzelungen in Bezug auf Geschlechterrollen in Frage gestellt werden können. Der Film zeichnet ein hoffnungsvolles Porträt einer unabhängigen, entschlossenen Frau, der es durch ihre Leidenschaft, ihre Beharrlichkeit und die wachsende Unterstützung von Freundinnen und männlichen Verbündeten gelingt, langjährigen Traditionen entgegenzutreten und zu beweisen, dass Veränderung – so klein sie auch sein mag – möglich ist.