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Gäbe es noch kein Kino, es müßte erfunden werden. Wegen Jim Jarmuschs grandioser Geschichte von einem Buchhalter Johnny Depp, der im Bett einer Dirne liegt, und von dort deren Ex-Geliebten erschießt, weil dieser zuvor mit einundderselben Kugel ebenjenes Mädchen getötet und unseren Buchhalter tödlich verwundtet hat. Stupid white man. Die Reise des Toten Mannes an der Seite eines tabakabhängigen Indianers. Kraftvolle Schwarz-Weiß Bilder, der legendäre Soundtrack von Neil Youngs E-Gitarre, die mystische Poesie des fast vergessenen Dichters William Blake (dem die ‘Doors’ ihren Namen verdanken) und ein Sammelsurium grotesker Gestalten des Westens, allen voran Gary Farmer in der Rolle des Indianers Nobody „Who talks loud and says nothing”, sowie Robert Mitchum, Iggy Pop und John Hurt. Pflichtprogramm!
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Das Original ist besser!
Was vor rund 18 Jahren als Langzeitprojekt des Independent-Zauberers Jim Jarmusch begann, findet nun seine grandiose Vollendung: Elf thematisch wie stilistisch verbundene Episoden in einem abendfüllenden Kinofilm: Steven Wright trinkt Kaffee literweise vor dem Schlafengehen, um in Turbogeschwindigkeit in Träumen zu versinken und Roberto Benigni geht für ihn zum Zahnarzt. Tom Waits raucht mit Iggy Pop eine Zigarette nach der anderen, weil er so stolz ist, das Rauchen aufgegeben zu haben. Steve Buscemi erzählt den Lee-Zwillingen von Elvis' bösem Zwillingsbruder, GZA nimmt erstaunt zur Kenntnis, dass RZA alternative Medizin studiert hat, während Bill Murray den Kaffee direkt aus der Kanne verzehrt...
In seiner faszinierenden Art lässt Jarmusch einen hochkarätig skurrilen Clan in Cafés und Kneipen zwischen New York und Los Angeles über Gott und die Welt - und natürlich Kaffee und Zigaretten philosophieren. Sein lakonischer Humor und der großartige Soundtrack haben dabei definitiv Suchtpotenzial! Zudem sollte man es nicht versäumen, vor oder nach dem Film an unserer Bar auf eine Zigarettenlänge zum Kaffee vorbeizuschauen!
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Na, wissen wir noch alle, was der „brat summer“ war? Versetzen wir uns mal zurück ins Jahr 2024. Das neue Album von Charlie xcx ist in aller Munde und Musikabspielgeräten. „brat“ vor einem neongrünen Hintergrund, das ist alles. Und es löste ein ganz besonderes kulturelles Phänomen aus, welches sich sogar auf die Politik ausbreitete (Angela Merkel als brat girl?). Aber was steckte da eigentlich dahinter?
»The Moment« ist eine Mockumentary - also eine Fake-Doku im Stile von »The Office« - über genau diesen Sommer.
Die gefeierte Popsängerin Charlie xcx ist mitten in den Vorbereitungen für ihre erste große Arena-Tour. Gerade ist ihr sechstes Studioalbum „brat“ erschienen und der Druck der Musikindustrie wird immer größer. Voller Terminplan, extreme Selbstzweifel und Chaos wohin man schaut - das ist ihr Alltag. Dennoch versucht Charlie sich nicht unterkriegen zu lassen. Neben Charlie gibt es auch noch ihre sehr ambitionierte Beraterin (Hailey Benton Gates) und ein suspekter Branchenprofi (Alexander Skarsgård). Doch nicht jeder Rat ist immer hilfreich…
Der Weg, hinter die ganze Fassade des Popstar-Alltags zu blicken und dabei einen ironischen Mockumentary-Stil zu verwenden, lässt alle Türen offen. Dinge werden radikal, überspitzt und unglaubwürdig dargestellt, zeigen aber dennoch im Kern eine wahrhaftige Version. Ob Charlie es trotz dieses ganzen Druckes schafft, ihrer eigenen künstlerischen Vision treu zu bleiben?
Regisseur Aidan Zamiri feiert mit »The Moment« sein Spielfilmdebüt. Er hatte bereits das Musikvideo zu Charlies Song „360“ gedreht und macht so auf sich aufmerksam.
Anne
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Die Legende von William Shakespeare ist untrennbar mit den großen Dramen der Weltliteratur verbunden - doch was geschieht, wenn der Mythos beiseite geschoben wird und man auf die Frau blickt, die hinter dem Schöpfer stand? Die Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao (»Nomadland«) adaptiert Maggie O’Farrells gefeierten Roman und wählt für ihre Inszenierung konsequent die Perspektive von Agnes Hathaway (Jessie Buckley), Shakespeares empfindsamer Ehefrau. Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist die tiefe, fast naturverbundene Darstellung ihrer frühen Liebe. Agnes und der junge, aufstrebende Barde (Paul Mescal) planen ein gemeinsames Leben, das durch die unaufhaltsame Gravitation seines Talents bald ins Getriebe Londons gerät. Die Geschichte einer großen Liebe droht aber nicht an den äußeren Umständen, sondern an einem zutiefst persönlichen Schicksal zu zerbrechen. Als der einzige Sohn des Paares, der elfjährige Hamnet, der Pest zum Opfer fällt, zerbricht das Leben der Familie. Ihre Trauer entfaltet eine zertrümmernde Kraft, die ihre Beziehung zu ersticken droht. Zhao inszeniert diesen Verlust nicht als historischen Fakt, sondern als intime, unentrinnbare Familientragödie. Inmitten dieser furchtbaren persönlichen Verzweiflung beginnt Shakespeare mit dem Versuch, das Unfassbare zu kanalisieren. Aus dem Schmerz um seinen verlorenen Sohn Hamnet entsteht mit dem Drama Hamlet eine der größten Schöpfungen der Literaturgeschichte. Zhao kontrastiert Shakespeares Kreativität und die sanfte Empfindsamkeit ihrer Protagonistin Agnes mit der brutalen Realität der damaligen Zeit. »Hamnet« untersucht die Verbindung zwischen Kunst und Schmerz, ist eine hypnotische Studie über die Transformation tiefer, individueller Trauer zu (in diesem genialen Fall) universeller und zeitloser Kunst. Die Regisseurin bleibt ihrem charakteristischen Stil der lyrischen Ästhetik treu, ihre Kameraarbeit ist so kontemplativ wie suggestiv und sorgt für stilisierte, maximale Weite.
Grit Dora
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Algier, 1938. Meursault (Benjamin Voisin), ein ruhiger, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil und beginnt kurz danach eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie (Rebecca Marder). Sein gleichförmiger Alltag wird von einem Nachbarn gestört, der Meursault in zwielichtige Situationen hineinzieht…
François Ozon adaptiert Albert Camus’ Klassiker von 1942 für die Leinwand und reiht sich damit in eine überschaubare Reihe filmischer Umsetzungen ein: Nach Luchino Viscontis »Lo Straniero« (1967) und Zeki Demirkubuz’ türkische Interpretation »Yazgı« (2001) folgt nun seine mit besonderer formaler Strenge inszenierte Version. Der überaus produktive französische Regisseur hält sich eng an Camus’ Text, integriert aber Archivmaterial, das die französische Kolonialherrschaft in Algier verherrlicht und verweist so auf die sozialen Spannungen, ohne sie zum zentralen Handlungselement zu machen. Im Zentrum steht Meursaults Indifferenz gegenüber gesellschaftlichen Ritualen und menschlichen Bindungen. Vom Tod seiner Mutter über deren Beerdigung und die darauf folgenden Tage bis hin zu einem schicksalhaften Ereignis am Strand von Algier verfolgt der Film Meursaults Reaktionen - weniger das Geschehen selbst als seine Wahrnehmung davon, seine Distanziertheit und existentielle Gleichgültigkeit. Die Geliebte Marie (Rebecca Marder) fungiert als Kontrastfolie, während Rückblenden die Abfolge der Ereignisse strukturieren und Meursaults Perspektive betonen.
Ozon findet schmerzhaft klare Bilder für die innere Isolation des Protagonisten. Das körnige Schwarz-Weiß des Filmmaterials sorgt für elegante Bilder und atmosphärische Dichte, die einen reizvollen Kontrast zum spröden Plot bilden. Die virtuose Neuinterpretation des gleichnamigen Literaturklassikers von Albert Camus feierte ihre Weltpremiere im Wettbewerb des Venedig Filmfest 2025.
Grit Dora
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| 16:45 |
Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi gewann mit »Körper und Seele« vor fünf Jahren auf der Berlinale den Goldenen Bären. Auch mit ihrem neuen wunderschönen Film »Silent Friend« bedient sie mit ungewöhnlichen Figuren eine warme, aber nie kitschige Gefühlspalette. Ihre Geschichte spielt über mehrere Jahrzehnte hinweg an ein und demselben Ort, dem Botanischen Garten der Universitätsstadt Marburg in Deutschland. Dort versucht ein Neurowissenschaftler aus Hongkong (Tony Leung Chiu-wai) im Jahr 2020 mit Experimenten herauszufinden, ob ein alter Ginkgobaum Erinnerungen hat. Schon im Jahr 1972 hatte die Studentin Gundula (Marlene Burow) an dieser Uni ähnliche Ambitionen. Dabei lernte sie auch Hannes (Enzo Brumm) kennen und lieben. Als erste Studentin hat sich Grete (Luna Wedler) 1908 an der Universität eingeschrieben und widmet sich ebenfalls der Biologie. Die drei Geschichten sind dabei narrativ nur lose und vor allem durch den Ort verbunden, aber poetisch und emotional spielen sie sich viele Bälle zu. Der titelgebende Silent Friend, der über hundert Jahre alt Baum, ist Dreh- und Angelpunkt der einzelnen Geschichten. Auch wenn man sie auf emotionaler Ebene als Einheit sehen kann, hat Enyedi sie optisch stark voneinander getrennt. Die Geschichte aus der Gegenwart ist digital aufgenommen, die 70er wurden auf 16mm eingefangen und die Geschichte vom Anfang des Jahrhunderts wurde auf monochromem 32mm-Film gedreht. Hinzu kommt das gefühlvolle Spiel aller Darstellenden, u.a. Tony Leung Chiu-wai (»In the Mood for Love«) und Luna Wedler (»22 Bahnen«), die dafür in Venedig als beste Jungdarstellerin ausgezeichnet wurde. Mit »Silent Friend« gelang der Enyedi ein großer Wurf, der zeigt, wie poetisch und schön ein Film sein kann, auch wenn sein Grundton melancholisch ist. Er ist eine Empfehlung für jeden, aber besonders für jene, denen bereits »Körper und Seele« gefallen hat.
Doreen
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| 19:30 |
Die introvertierte Prinzessin Saira, Tochter der lesbischen Königinnen des Planeten Clitopolis, ist am Boden zerstört: Die heiße Kopfgeldjägerin Kiki hat mit ihr Schluss gemacht - aus lauter Langeweile! Dabei hat Saira ihr ein so schönes Beziehungsalbum gebastelt! Doch als Kiki von den Straight White Maliens entführt wird, den Incels der Zukunft, muss Saira den Safe Space des queeren Weltraums verlassen und sie binnen 24 Stunden freikaufen: Die Maliens fordern nämlich die berühmte königliche Labrys - eine goldene Doppelaxt von schier unglaublicher lesbischer Macht. Nur: Saira hat sie nicht!
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| 17:30 |
Agnes (Eva Victor) hat ihr Literaturstudium erfolgreich abgeschlossen und es geschafft, eine befristete Stelle als Professorin aufzutun. Trotz der neuen Position lebt sie noch in ihrem alten Häuschen in New England, umgeben von Büchern, Erinnerungen an die Studien- und WG-Zeit. Sie ist sehr allein. Als ihre beste Freundin Lydie (Naomi Ackie) aus New York zu Besuch kommt, wird deutlich, wie unterschiedlich sich ihre Lebenswege entwickelt haben - und wie sehr Agnes noch immer mit einem einschneidenden Erlebnis kämpft, das ihr Leben weiterhin belastet. In ihrem Debütfilm »Sorry, Baby« erzählt Eva Victor sensibel, mit feinem Gespür für Tonalität von einer Frau, die zwischen beruflichem Erfolg, persönlichen Unsicherheiten und der Suche nach Identität navigiert. Subtile Momente von Humor und Sarkasmus mischen sich mit nachdenklichen, fast beklemmenden Szenen, in denen Agnes kleine Alltagsbegegnungen, etwa mit ihrem Nachbarn Gavin (Lucas Hedges) oder dem Betreiber eines Sandwichladens (John Carroll Lynch), Halt geben. Victor zeigt, wie tiefgreifend und nachhaltig traumatische Erlebnisse das Verhalten und die Beziehungen des betroffenen Menschen beeinflussen, ohne diese je explizit vorzuführen. Gleichzeitig thematisiert der Film Agnes’ Auseinandersetzung mit Gender und Selbstwahrnehmung: Ihr sich wandelnder Kleidungsstil und die bewusste Reflexion über Identität spiegeln ihren inneren Prozess und das Streben nach Authentizität. Die Regisseurin und Hauptdarstellerin inszeniert präzise, sarkastisch und dennoch warmherzig. »Sorry, Baby« ist ein vielschichtiges, bewegendes Drama über Freundschaft, Trauma, Selbstfindung und leise, aber kraftvolle Momente, die das Leben verändern können. Ein Debüt, das auf dem Sundance Film Festival Furore und Eva Victor als Mumblecore-Talent bekannt machte.
Grit Dora