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Bärbel Bohley war eine ostdeutsche Künstlerin und Bürgerrechtlerin. Sie wurde 1988 als Oppositionelle in der DDR verhaftet und zwangsweise in den Westen abgeschoben. Über die Zeit in Westdeutschland und ihre Reisen nach England, Frankreich und Italien, sowie ihre Begegnungen mit westeuropäischen Intellektuellen und Politikern und Politikerinnen führte sie ein Tagebuch als Zeugnis ihres ungebrochenen Widerstands. Nach 6 Monaten erkämpfte sie ihre Rückkehr in die DDR - ein einmaliger Vorgang. Sie wurde Mitbegründerin der Bürgerrechtsbewegung „Neues Forum“ und das prominente Gesicht der friedlichen Revolution 1989. Sie verstarb 2010 an Krebs.
Die kurze intensive Phase radikaler Veränderung 1988-89 in der DDR steht im Fokus des Films. Parallel zu den Stationen des Tagebuchs, denen die Filmerzählung folgt, schildern enge Freunde und Mitstreiterinnen ihre eigenen Erfahrungen mit der Staatssicherheit, den perfiden Unterdrückungsmaßnahmen und den Haftbedingungen im Gefängnis Berlin Hohenschönhausen. Auch die Frage, ob politische Häftlinge in den Gefängnissen möglicherweise radioaktiv verstrahlt wurden, wirft ein neues Licht auf das Regime der DDR. Zudem ergänzen die Protagonisten und Protagonistinnen die eigenen Aussagen Bohleys durch ihre Perspektive auf ihre Ausbürgerung und ihre Biografie.
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Eine Trennung steht im Raum. Anna (Saga Garðarsdóttir) und Magnús (Sverrir Gudnason) mögen sich noch, Restliebe scheint also vorhanden, Gemeinheiten gegeneinander finden nicht statt. Aber das reicht scheinbar nicht, um zusammen zu bleiben. Schade, denn sie leben gemeinsam mit ihren drei Kindern und der Familienhündin Panda an der oft unwirschen Küste Islands ein beschauliches Leben. Maggi, als Hochseefischer oft tagelang auf See, sorgt für eine ausgeglichene Familienkasse, Anna ist beseelt von ihrem Wunsch, sich als Künstlerin einen Namen zu machen. Trotz ihrer Trennungsabsichten verbringen alle miteinander Zeit beim Wandern, Schlittschuhlaufen, Angeln oder der Wildpferd- wie Walbeobachtung. Tun Anna und Magnús das alles nur der Kinder wegen, oder fühlen sie sich einander doch noch verbunden? Der isländische Regisseur Hlynur Pálmason (»Godland«) setzt seine Heimat einmal mehr liebevoll in Szene und übt sich in teils schwarzem Humor und surrealistischen Traum-Sequenzen. Besonders eindrücklich ist sein Umgang mit der Zeit: Annas Kunst lebt von korrodierenden Metallabdrücken, Magnús kommt bei seiner Arbeit auf hoher See das Zeitgefühl abhanden. Pálmason entfaltet poetische Momente und kontrastiert sie mit Brachialhumor. Zwischendrin wuselt allzeit der Hund. Der Regisseur wählt einen sehr persönlichen Zugang. Annas Kunst geht zurück auf die Werke, die Pálmason abseits seiner Regiearbeiten schafft. Und die Kinder werden von des Regisseurs eigenem Nachwuchs gespielt. Elegant umschifft er die Gefahr von Distanzverlust, indem er seine 35mm-Kamera meist auf Abstand hält. Auch die Dialoge sind distanziert, trocken und tragikomisch. Man möchte sagen: typisch Island.
Grit Dora
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| 21:45 | 21:45 | 21:45 | 21:45 |
Eine dystopische Vision wird zur Realität. Griechenland versinkt im Chaos, die gesellschaftlichen Strukturen lösen sich auf, Ressourcen werden knapp. Die verbliebenen Städte werden von Bandenkriegen dominiert, von Kämpfen um Wasser, Treibstoff und - Frauen. In dieser sich auflösenden, von Gewalt bestimmten Gesellschaft wächst Maria (Melissanthi Mahut) heran. Sie ringt um Anerkennung, es gelingt ihr sogar, sich eine gewisse Sicherheit zu erkämpfen. Doch das hat auch zur Folge, dass Bandenchef Nikos sie gegen den Widerstand seiner Anhänger als seine Nachfolgerin ankündigt. Maria findet sich plötzlich im Zentrum schwerer Machtkämpfe wieder. Als sie der mysteriösen Sängerin Eleni begegnet, eröffnet sich ihr ein anderer Blick auf die Situation, eine neue Perspektive. Die beiden Frauen stemmen sich gegen das patriarchale System und suchen nach einem Ausweg. »Gorgonà« ist der erste Spielfilm der griechischen Regisseurin und bildenden Künstlerin Evi Kalogiropoulou. In ihren Arbeiten setzt sich Kalogiropoulou mit postfeministischen Theorien auseinander, hinterfragt patriarchale Geschichtsschreibung und untersucht Zusammenhänge von Mythologie, Gesellschaftsstrukturen und Vorstellungen von Weiblichkeit. Mit verschiedenen Kurzfilmen machte sie bereits in Cannes und auf der Critics' Week auf sich aufmerksam. Inspiriert vom „Medusa“-Mythos, »Mad Max« und heimischem Genre-Kino lässt es die griechische Regisseurin in ihrer dystopischen Fabel über Rebellion, Selbstermächtigung und zwei verliebte Kämpferinnen in einem hyper-patriarchalischen Stadtstaat so richtig krachen.
Grit Dora
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| 18:00 |
Die Landschaft ist so kriegsversehrt wie die Menschen, als aus den Nebeln ein seltsamer Soldat auftaucht und Anspruch auf einen lange aufgegebenen Gutshof stellt. Der 30-jährige Krieg ist noch in vollem Gange, die protestantische Gemeinde des abgelegenen Dorfes skeptisch. Irgendwas scheint faul an dem Fremden mit der entstellenden Narbe im Gesicht. Doch dieser erweist sich als gottesfürchtig, arbeitsam und mutig. Er behauptet sich, bewirtschaftet den Hof und gewinnt an Einfluss. Der Preis dafür ist hoch. Denn es ist eine Frau, die sich einen anderen Namen zugelegt und in Hosen gestiegen ist, um in das Dorf zu gelangen. Rose (Sandra Hüller), so heißt der Soldat wirklich, schreckt vor nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Nur der Zufall kann sie enttarnen.
Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer stellt in seinem neuen Film eine Frau in den Mittelpunkt, die in der patriarchalischen Welt des 17. Jahrhundert kühn nach Selbstbestimmung und Freiheit greift und damit notwendig scheitern muss. Dennoch wählt sie diesen unvorstellbar wirkenden Weg. Schleinzer und sein Co-Drehbuchautor Alexander Brom haben aus verschiedenen historisch verbürgten Geschichten über Frauen des 17. Jahrhunderts eine exemplarische Figur kreiert. Für Sandra Hüller bietet der Film die Gelegenheit, noch einmal ganz andere Facetten ihres unglaublichen Könnens funkeln zu lassen. Ihr Spiel und das kongeniale Maskenbild tragen diesen besonderen Film, der trotz seiner elaborierten Sprache und der artifiziellen Sprache sehr ins Heute weist. Für Hüller gab es dafür ihren zweiten Silbernen Bären bei der Berlinale 2026.
Grit Dora
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| 21:45 |
Stell dir vor, du bist unendlich verliebt in deine:n Partner:in und ihr habt euch entschieden zu heiraten. Alles läuft famos, bis kurz vor dem großen Tag. Denn die warmherzige, entschlossene Emma Hardwood (Zendaya) und der kunstbeflissene Museumsdirektor Charlie Thompson (Robert Pattinson) erfahren erst kurz vorher gewisse Dinge übereinander, die sie in einen Strudel aus Misstrauen und Zweifeln saugen. Plötzlich kommen verstörende Geheimnisse ans Licht und je mehr Druck auf den beiden liegt, desto mehr bröckelt die Fassade der perfekten Liebe. Irgendwie versuchen die beiden dennoch ihre Liebe zu retten, zwischen Baton Rouge, London und den Orten ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Ob die beiden ihre anstehende Hochzeit noch irgendwie retten können?
Schon allein die ersten Bilder zu »The Drama« von Kult-Studio A24 habe das Internet gehörig in Aufruhr gebracht: Queen Zendaya und Glitzer-RPatz (wie wir ihn damals in der »Twilight«-Phase nannten) mit einer Hochzeitseinladung. Regisseur Kristoffer Borgli gibt uns genau das, was wir wollen. Ari Aster ist als Produzent mit dabei, genauso wie Lars Knudsen (»The Witch«) und Tyler Campellone (»Dream Scenario«). In weiteren Rollen sehen wir außerdem Mamoudou Athie, Alana Haim, Hailey Gates und Zoë Winters.
Anne
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| 17:30 |
Wenn John Davidson (Scott Ellis Watson) im Jahr 2019 von Queen Elisabeth persönlich mit dem Orden des British Empire ausgezeichnet wird und er dies lauthals mit einem „Fuck The Queen“ quittiert, hat der fünfzigjährige Tourette-Patient ein halbes Leben voller irrwitziger und trauriger Begebenheiten hinter sich gebracht. Alles begann, als der 12-jährige John plötzlich kleine Tics entwickelte, deren Herkunft ihm völlig schleierhaft erschienen. Ein Junge, der unvermittelt um sich schlägt, spuckt oder Derbheiten in den Unterricht ruft, unterläuft erst einmal alle üblichen disziplinarischen Bestrafungen. Das Krankheitsbild Tourette ist in der schottischen Kleinstadt Galashiels nahezu unbekannt. Eben noch war der talentierte Junge Anführer seiner Fußballmannschaft, jetzt grölen dem „ Spasti“ alle nur noch hinterher, er solle sich verpissen, oder sperren ihn in den Schrank. John erwischt das Tourette-Syndrom in seiner ganzen Härte, eben auch mit all den vokalen Obszönitäten, die seltener bei Patienten ausgeprägt sind als die körperlichen Tics. Die Ehe seiner Eltern scheitert daran und erst nach Johns Suizidversuch wird allen Beteiligten das Ausmaß seiner seelischen Not klar. 1996 lebt John bei seiner Mutter, flucht sich so durch, vollgestopft mit Medikamenten und Einsamkeit. An einem Tag trifft er auf Menschen, die ihn und sein Leiden akzeptieren und die eine Begrüßung, wie „lass uns Sex haben“, sportlich nehmen. Am nächsten auf welche, die ihn verprügeln oder verklagen, weil sie in seinen Tics Beleidigungen sehen. Großes Glück hat John mit dem Hausmeister Tommy (Peter Mullan), bei ihm im Gemeindezentrum darf er zu arbeiten anfangen und kocht dort seinen berühmten „mit Wichse statt mit Milch-Tee“. Tommy boxt ihn vor Gericht raus und erklärt ihm, dass die Gesellschaft noch immer falsch reagiere, weil ihr die Wahrnehmung fehle für diese seltene Krankheit. Also beginnt John im Gemeindezentrum mit anderen Betroffenen Gespräche und Workshops zu veranstalten und hält Vorträge an Schulen und Polizeistationen, um das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen.
alpa kino