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THALIA - Cinema . Coffee and Cycling

Kinoprogramm Donnerstag, 09.04.2026 - Mittwoch, 15.04.2026

Nachsitzen! KultKino im NanoplexWanda (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30
19:30

Regie: Barbara Loden, (USA), 1970

Darsteller: Barbara Loden, Michael Higgins, Dorothy Shupenes u.a.

Wanda (OmdU)

Barbara Loden erzählt in ihrem einzigen Spielfilm von einer Frau, die scheinbar ziellos durch das ländliche Pennsylvania zieht. Nachdem sie ihren Mann und ihre Kinder verlassen hat, treibt Wanda von Ort zu Ort, von Begegnung zu Beziehung, durch soziale und emotionale Randzonen. Als sie sich einem Kleinkriminellen anschließt, scheint sie ihre bisherige Existenz vollkommen hinter sich zu lassen, bis ein missglückter Banküberfall ihr Leben abermals in eine andere Richtung lenkt.

Barbara Loden, die Regie führte, das Drehbuch schrieb und selbst die Hauptrolle verkörperte, entwirft mit einer fast dokumentarischen Bildsprache ein radikal offenes Porträt weiblicher Existenz. Wanda ist eine Antiheldin jenseits von Opfermythen, Emanzipationsfantasien oder moralischen Bewertungen. Als leise, unbequeme Gegenstimme zum männlich dominierten New-Hollywood-Kino wirkt »Wanda« noch heute erstaunlich aktuell und beeinflusste zahlreiche Regisseure und Schauspieler wie Isabelle Huppert, Nan Goldin, Marguerite Duras oder Christian Petzold. Ein Stück zeitloses Kino über weibliche Existenz, Sichtbarkeit und radikale kreative Autonomie, aus einer Zeit, in der Regisseurinnen noch die Ausnahme waren.

Das Original ist besser!Pillion (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:45
21:30

Regie: Harry Lighton, (Großbritannien), 2025

Darsteller: Alexander Skarsgård, Harry Melling, Douglas Hodge u.a.

Pillion (OmdU)

Fuck the norm & vive l'amour fou. Zuletzt unterwarf sich Nicole Kidman als CEO einem Praktikanten und Manon Clavel verwandelte sich von einer Sozialarbeiterin in die Domina Madame Kika. Solange die Gefühle stimmen, die Rollen verteilt sind und beide dasselbe safeword kennen, ist es ein match. Und überhaupt, es gilt ja wohl noch immer; make love, not war. Der junge Parkhaus-Politeur Colin (Harry Melling) erlebt im Job Beschimpfungen, seine Genugtuung sind die Knöllchen. Wenn ihn seine Mutter Peggy mit allen Mitteln unter die Haube bringen will, reagiert er gereizt. Einzig mit seinem Dad im Barbershop-Quartett, da singt er sich frei. Als ihm der schmucke Ray (Alexander Skarsgård) statt eines Trinkgelds seine Telefonnummer plus Date in den Hut wirft, ist es um Colin geschehen. Er weiß es noch nicht, aber diesem gutaussehenden Typen in seiner Lederkluft wird Colin verfallen. Er trifft Ray, und ohne zuvor groß daran gedacht zu haben, unterwirft er sich. Leckt ihm die Stiefel und schlüpft wie von selbst in die Rolle des bottom. Die Beiden beginnen ihr Spiel. Ray lenkt, Colin ist der Pillion. Sein Haarschopf fällt, die Klamotten wandeln sich, Colin putzt, kauft ein, schläft auf dem Boden vor Rays Bett und trägt ein verschlossenes Kettenhalsband. Colin ist glücklich. Am Rande seines Glücks nervt Peggy, er möge den neuen Freund doch mal zum Essen einladen. Später lernt seine Mutter bei Tisch, dass das Empfinden Außenstehender keine Rolle spielt zwischen top und bottom. Einfühlsam und mit wachem Blick observiert der erste Film von Regisseur Harry Lighton eine Liebesbeziehung, die gewissen Regeln folgt und spürt Räume auf, in denen Zärtlichkeiten Platz haben oder sich Grenzen verschieben. Fast schon amüsant mutet Colins Idee an, dem Paar hier und da mal einen freien Tag zu gönnen. Ray entstieg seinen Biker-Klamotten, Colin legte sein Halsband ab, und gemeinsam verbummelten sie einen Nachmittag wie zwei Verliebte, gingen ins Kino oder Eis essen. Droht dem top hierbei Gefahr? Mehr, als wenn sich Colin der eigentlichen Geliebten Rays bemächtigt und eine Runde auf dessen Bike dreht?

alpa kino

Bundesstart - Das Debüt im Nanoplex

Siri Hustvedt - Dance Around the Self

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
15:30
17:00
17:30

Regie: Sabine Lidl, (Deutschland/Schweiz), 2025

Darsteller: Paul Auster, Sophie Auster, Katerina Fotopoulou u.a.

Siri Hustvedt - Dance Around the Self

Die Regisseurin Sabine Lidl ist bekannt für ihre Künstlerinnen-Dokumentationen, so etwa über die Fotografin Nan Goldin, die Schauspielerin Hannelore Elsner und die Regisseurin Doris Dörrie. 2019 machte sie eine Ausnahme und porträtierte den Schriftsteller Paul Auster. Es ist naheliegend, ja geradezu zwingend, dann auch eine Doku über Siri Hustvedt zu drehen, die trotz zahlreicher Bücher gelegentlich immer noch zuerst als die Frau an der Seite des inzwischen verstorbenen Auster wahrgenommen wird. Hustvedt, eine herausragende Schriftstellerin, beschäftigt sich seit jeher mit Themen wie Geschlechterkampf, Krankheit und Sexismus. Sie ist eine unbequeme Autorin, die sich mit gesellschaftlichen Tabus auseinandersetzt und immer bereit bleibt, unbequeme Fragen zu stellen. Das Film-Porträt gewährt Einblicke in ihr Leben und Werk und zeigt ihre unerschrockene und inspirierende Auseinandersetzung mit körperlichen und psychischen Herausforderungen. Schon fast Klassiker sind ihre kritischen Betrachtungen der Geschlechterdynamik. Der Film kommt genau zum richtigen Zeitpunkt in die Kinos. Gerade erst hat Siri Hustvedt ihr neues Buch vorgelegt, ihr persönlichstes. „Ghost Stories“ widmet sich ganz und gar ihrem 2024 verstorbenen Ehemann Paul. Eine wunderbare Gelegenheit, sich zugleich literarisch und filmisch mit dem Werk der großen amerikanischen Autorin zu beschäftigen.

Grit Dora

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Alpha (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:30 21:30

Regie: Julia Ducournau, (Frankreich/Belgien), 2025

Darsteller: Tahar Rahim, Golshifteh Faharani, Mélissa Boros u.a.

Alpha (OmdU)

Alpha ist 13 Jahre alt und muss große Teil ihres Alltags in der französischen Hafenstadt Le Havre alleine bestreiten. Denn ihre sie allein erziehende Mutter hat als Ärztin im örtlichen Krankenhaus alle Hände voll zu tun. Neuerdings macht nämlich eine geheimnisvolle Krankheit die Runde, die Infizierte Stück für Stück zu Marmor werden lässt.

Währenddessen macht Alpha ihre eigenen Erfahrungen und lotet ihre Grenzen aus – unter anderem auf Partys, wo sie sich letztlich völlig zugedröhnt ein Tattoo auf den Arm stechen lässt. Zunächst versteht sie die Panik nicht, in die ihre Mutter deshalb zunächst verfällt. Denn noch scheint ihr nicht ganz klar: Auch sie könnte nun mit der mysteriösen Krankheit infiziert sein

Ausgerechnet da taucht ihr Onkel Amin auf, der keinerlei Angst vor dem Tod zu haben scheint.

Als erstaunliche Neuentdeckung ist in der titelgebenden Rolle die junge französische Schauspielerin Mélissa Boros zu sehen. Julia Ducournau konfrontiert furchtlos das Kinopublikum mit immer neuen Perspektiven – von schmerzhafter Härte bis zu tiefer Menschlichkeit.

Bundesstart - Das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Letzte Vorstellung: La Grazia - Wem gehören unsere Tage? (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:00

Regie: Paolo Sorrentino, (Italien), 2025

Darsteller: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Milvia Marigliano u.a.

Letzte Vorstellung: La Grazia - Wem gehören unsere Tage? (OmdU)

Liebe. Zweifel. Verantwortung. Vaterschaft. Ethik. Diese Themen begleiten Mariano De Santis, den scheidenden Präsidenten Italiens. Während sich seine Amtszeit dem Ende zuneigt, steht er vor folgenschweren Entscheidungen - politischer wie persönlicher Natur. Inmitten moralischer Dilemmata muss er sich seinem Gewissen stellen und Rat bei den Menschen suchen, die ihm am nächsten stehen, darunter seine Tochter Dorotea. Gemeinsam stellen sie sich der zeitlosen Frage: Wem gehören unsere Tage?

Als intime Reflexion über Identität und Erinnerung zeichnet der Film die unauslöschlichen Spuren nach, die ein Mensch durch Familie und Handeln hinterlässt. Mit Sorrentinos unverkennbarem poetischem Blick und einem stimmungsvollen Soundtrack wird der Film zu einem visuell eindrucksvollen und emotional tief berührenden Kinoerlebnis.

Bundesstart - Das Debüt im Nanoplex

It's Never Over, Jeff Buckley

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:00
19:30

Regie: Amy Berg, (USA), 2025

Darsteller: Jeff Buckley, Mary Guibert, Ben Harper u.a.

It's Never Over, Jeff Buckley

Dokumentation über das Leben des aufstrebenden jungen Stars mit der umwerfenden Stimme und grenzenlosen Schaffenskraft, der die Musikwelt der 90er Jahre in Aufruhr versetzte, als er im Alter von 30 Jahren nach der Veröffentlichung seines von Kritikern gefeierten Debütalbums „Grace“ überraschend starb, er ertrank 1997 bei einem Badeunfall.

Anhand von nie zuvor gezeigtem Filmmaterial aus Buckleys Archiven und intimen Berichten seiner Mutter Mary Guibert, seiner ehemaligen Partnerinnen Rebecca Moore und Joan Wasser, von Jeffs ehemaligen Bandkollegen, darunter Michael Tighe und Parker Kindred, und von bekannten Persönlichkeiten wie Ben Harper und Aimee Mann, beleuchtet der Film das Leben und den Tod einer der einflussreichsten und auch rätselhaftesten Figuren der modernen Musikgeschichte.

ak

Bundesstart - das Debüt im Thalia

Das Original ist besser!Father Mother Sister Brother (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30

Regie: Jim Jarmusch, (USA/Irland/Frankreich), 2025

Darsteller: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik u.a.

Father Mother Sister Brother (OmdU)

Der Film ist ein behutsam als Triptychon komponierter Spielfilm. Die drei Geschichten kreisen um die Beziehungen erwachsener Kinder zu ihren teils distanzierten Eltern und untereinander. Jedes der drei Kapitel spielt in der Gegenwart, jedes in einem anderen Land: »Father« ist im Nordosten der USA angesiedelt, »Mother« in Dublin und »Sister, Brother« in Paris. Es ist eine Reihe von Charakterstudien, ruhig, beobachtend und ohne Wertung – und zugleich eine Komödie, durchzogen von feinen Fäden der Melancholie.

Das Original ist besser!Marty Supreme (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:00

Regie: Joshua „Josh“ Safdie, (USA/Finnland), 2025

Darsteller: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A'zion u.a.

Marty Supreme (OmdU)

Die Oscars stehen zwar erst im März an, doch nachdem Timothée Chalamet im Januar bereits den Critics Choice Award und den Golden Globe für »Marty Supreme« einheimsen konnte, kann man sich ausmalen, wer dort die Tipplisten anführen wird. Und ja, Chalamet gibt in diesem Film alles. Er verabschiedet sich von seinem Indie-Image und verkörpert einen fast schon unangenehm präsenten Charakter, der ständig unter Strom steht.

Die Geschichte dreht sich um Marty Mauser, einen Schuhverkäufer im New York der 1950er Jahre, der heimlich vom Ruhm als Tischtennisprofi träumt. Marty ist keiner, der sich brav an Regeln hält. Er spielt, wettet, provoziert, hat eine Affäre mit einer reichen, ehemaligen Filmdiva (Gwyneth Paltrow) - und nutzt sein Talent, um sich in einer Welt durchzuschlagen, die ihm eigentlich keinen Platz zugedacht hat. Regisseur Josh Safdie erzählt keine klassische Aufstiegsgeschichte, sondern folgt Marty durch verrauchte Hinterzimmer, schäbige Hallen und improvisierte Matches, bei denen es um Geld, Ehre und das eigene Ego geht. Tischtennis wird hier nicht als Sport, sondern als Bühne verstanden: schnell, aggressiv, laut. Genau darin liegt der Reiz. Den Film interessiert weniger der Sieg als das Drumherum - vor allem jener Moment, in dem alles kippen kann.

Die Besetzung ist ähnlich verrückt wie der Film: Paltrow, „Tyler, the Creator“, Fran Drescher und Kevin O'Leary, der bisher eher als Unternehmer aus »Shark Tank« bekannt war, komplettieren das bizarre Ensemble, das dafür sorgt, dass man zweieinhalb Stunden gespannt auf der Kante des Sitzes sitzt - selbst als Nicht-Sportfan.

Viktoria Franke

38. FILMFEST DRESDENKids 1: Tierisch viel entdecken

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Kommt mit auf eine unvergessliche Reise! Ob auf Schienen, unter Wasser oder hoch oben zwischen den Wolken: Unsere kleinen Entdecker:innen erkunden verborgene Welten, knüpfen neue Freundschaften und lernen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Denn wer träumt, kann sich einfach alles vorstellen.

EINMAL UM DIE WELT

Für junge Zuschauer:innen ab 5 Jahren präsentiert das 38. FILMFEST DRESDEN wieder aktuelle internationale Kinder- und Jugendkurzfilme, die den Hauch der weiten Welt auf die große Leinwand bringen. Mit viel Gefühl oder einer Prise Humor sorgen die Kurzfilme nicht nur für gute Unterhaltung, sondern auch wichtige Denkanstöße. Im Rahmen der Vorführungen hat das Publikum die Chance, sich mit anwesenden Filmemacher:innen auszutauschen sowie Fragen und Meinungen loszuwerden.

38. FILMFEST DRESDENEuropa ist kein Witz – oder doch?

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

In Zeiten wie diesen ist Lachen vielleicht das Einzige, was uns bleibt. Wir bewegen uns zwischen Europas Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Klassikern und neuen Entdeckungen – nicht um der Realität zu entkommen, sondern um ihr mit Humor zu begegnen. Denn Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

38. FILMFEST DRESDENRetrospektive: Orte der Arbeit

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Der erste Film der Brüder Auguste und Louis Lumière dauert kaum eine Minute und dokumentiert das Ende eines Arbeitsalltags. Er zeigt Männer und Frauen, die als Gruppe durch ein Fabriktor gehen, bevor sie nach links und rechts zügig aus dem Bild verschwinden: LA SORTIE DE L’USINE LUMIÈRE À LYON (Frankreich, 1895) ist der erste Film, der je zur Vorführung gekommen ist. Die Geschichte des Mediums Film ist also eng mit einem Ort der Arbeit verbunden.

Die Geburtsstunde des Kinos fällt auch mit einer Zeit zusammen, in der sich die Arbeitswelt grundlegend veränderte. Es wurde heiß diskutiert, in welcher Weise diese Veränderungen gesellschaftliche Leitbilder und Wertvorstellungen prägen könnten und würden. Nun befinden wir uns wieder in einer Umbruchphase, die einen neuerlichen und noch rasanteren Strukturwandel für jede:n sichtbar und in allen Lebensbereichen spürbar macht.

Die Schwerpunktprogramme unter dem Titel „Work in Progress“ sind Spiegel der Arbeitswelt „in progress“. Die diesjährige Retrospektive rückt arbeitende Menschen und ihre Lebenswelten von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute in den Fokus. Es handelt sich um eine filmische Reise, die ein Augenmerk auf Baukultur und Orte der Arbeit legt. Sie führt von westdeutschen Supermärkten über die proletarische DDR-Provinz in die Weiten Europas. Wir tauchen in den lakonisch-skurrilen Kosmos von Aki Kaurismäki ein und steigen in die Minen Siziliens herab, wir treffen auf Relikte der Wirtschaftswunderzeit und lernen einen Kreativort kennen, an dem auf nahezu utopische Art und Weise Arbeits- und Wohnraum miteinander kombiniert werden.

38. FILMFEST DRESDENSchwerpunkt 2: What Remains of Gestures

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Sie arbeiteten tagsüber. Nachts versuchten einige von ihnen, sich die Zeit zurückzuholen, die ihnen genommen worden war … An dieser Bruchlinie zwischen auferlegter und zurückeroberter Zeit setzt das Programm „What Remains of Gestures“ an.

Die sechs Filme betrachten Arbeit nicht als ökonomische Kategorie, sondern als sinnliche Erfahrung, als ein Ordnungsprinzip des Sichtbaren und Unsichtbaren. Arbeit tritt hier als ordnende Kraft hervor: Sie strukturiert Räume, bestimmt den Rhythmus, weist Körpern bestimmte Gesten zu und überführt Gesten in Funktionen.

In unterschiedlichen geografischen, historischen und formalen Kontexten untersuchen die Filme, wie sich Arbeit in die Existenz von Menschen einschreibt. Sie fragen danach, wie Arbeit Zeit organisiert, Räume zuweist, Rhythmen reguliert und Körper modelliert. Arbeit erscheint hier weniger als Handlung denn als sensible Struktur: als ein Modus, die Grenze zwischen Sagbarem und Unsagbarem zu ziehen. Doch selbst in dieser Ordnung werden Abweichungen sichtbar – Formen des Widerstehens, des Verlangsamens, des Bewahrens gelebter Erfahrung.

In MARTA formt die Wiederholung von Handgriffen einer polnischen Textilarbeiterin eine Zeitstruktur, die ganz von Notwendigkeit bestimmt ist. Die Arbeit wirkt über den Ort der Produktion hinaus, sickert ins Private und verengt den Horizont auf die fortwährende Wiederholung. Die Handlung zielt nicht auf das Ereignis, sondern hält den Verschleiß fest. Die Müdigkeit nimmt Gestalt an – als Form, als Dauer, als Zustand.

IN PRAISE OF SLOWNESS richtet den Blick auf Berufe, die vom Verschwinden bedroht sind. Langsamkeit gewinnt dabei eine besondere Bedeutung: Sie gibt der Geste ihre Tiefe zurück und stellt eine Beziehung zur Welt her, die sich der rein produktiven Messbarkeit entzieht. Arbeit entfaltet sich hier als Präsenz, als Aufmerksamkeit, als Einschreibung ins Leben.

In 所有动作都应杀死风 (ALL MOVEMENTS SHOULD KILL THE WIND) und FROM ECUADOR WITH LOVE wiederholen sich Gesten bis an die Grenze des Verschwindens. Ob beim Bearbeiten von Stein oder beim Kultivieren von Rosen – menschliche Arbeit scheint von Material, Natur oder industrieller Logik absorbiert zu werden.

Mit INVENTAR verschiebt sich der Blick auf Architektur und kollektives Gedächtnis. Der Rückbau eines modernistischen Gebäudes macht die Auflösung eines historischen Projekts sichtbar. Die Körper, die an seiner Demontage arbeiten, sind Teil dieser Transformation: Die Materie zerfällt – und mit ihr die Erzählung, die sie getragen hat. Arbeit wird damit zum Medium symbolischer Re-Konfiguration.

Demgegenüber verengt KRAHËT E PUNËTORËVE radikal den Maßstab. Hier geht es nicht mehr um kollektive Erinnerung, sondern um körperliche Einschreibung. Von Unfällen gezeichnete Körper erinnern daran, dass Arbeit nicht verschwindet, wenn die Tätigkeit an sich endet. Die unterbrochene Geste arbeitet im Fleisch weiter. Während INVENTAR eine Geschichte im Zerfall zeigt, macht KRAHËT E PUNËTORËVE eine unauslöschliche Spur sichtbar.

Diese Filme formulieren eine ästhetische und politische Frage im konkretesten Sinn: Wer hat ein Recht auf Zeit, auf Sichtbarkeit, auf Sprache? Und was bleibt von den Gesten, wenn die Produktion endet, ihre Spuren aber fortbestehen?

38. FILMFEST DRESDENKids 2: Alles andere als anders

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
16:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Es kommt oft anders als man denkt. Manchmal wird es für unsere Held:innen ganz schön knifflig, aber mit Freund:innen an ihrer Seite macht alles mehr Spaß. In diesen Geschichten wird gespielt, geholfen und gestaunt. Ein buntes Filmprogramm, das zeigt: Selbst wenn die Welt Kopf steht, ist es genau richtig, so zu sein, wie man ist.

EINMAL UM DIE WELT

Für junge Zuschauer:innen ab 5 Jahren präsentiert das 38. FILMFEST DRESDEN wieder aktuelle internationale Kinder- und Jugendkurzfilme, die den Hauch der weiten Welt auf die große Leinwand bringen. Mit viel Gefühl oder einer Prise Humor sorgen die Kurzfilme nicht nur für gute Unterhaltung, sondern auch wichtige Denkanstöße. Im Rahmen der Vorführungen hat das Publikum die Chance, sich mit anwesenden Filmemacher:innen auszutauschen sowie Fragen und Meinungen loszuwerden.

38. FILMFEST DRESDENDiskurs Europa 2: Can’t Help Being Human

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Das Programm „Can’t Help Being Human“ vereint sechs zeitgenössische lettische Kurzfilme, die die Spannungen zwischen privaten Impulsen und gesellschaftlichen Erwartungen, zwischen Innenleben und den Rollen, die wir spielen, beleuchten. Die Auswahl bewegt sich zwischen Fiktion, Dokumentarfilm und Animation und zeigt, wie Menschen mit Verletzlichkeit, Sehnsucht und Verantwortung umgehen – oft durch kleine Rituale, Routinen und Gesten der Fürsorge.

Den Auftakt bildet der RĪGAS CERIŅI, in dem sich scheinbar beiläufige Gespräche über Gerüche zu unerwartet aufschlussreichen Begegnungen entwickeln. Zwischen ängstlichen Bürger:innen, überheblichen Behörden und vorbeikommenden Fremden zeigen die Schilderungen, wie etwas nicht Greifbares wie ein Duft Verlegenheit, Humor und stille Verletzlichkeit in sich tragen kann.

In CAN’T HELP MYSELF führt die Suche nach Verbundenheit entlang der Ostseeküste. Während sie Eis verkauft, taucht eine junge Frau in geführte Affirmationen und Fragmente mitgehörter Gespräche ein und probt Intimität in einer Landschaft, die von Ratschlägen, Zweifeln und Sehnsucht durchdrungen ist.

Eine dunklere Form der Routine prägt TĪRĪBA. Obwohl es sich um ein humorvolles Porträt eines von Hygiene besessenen Büroangestellten handelt, offenbart der Film eine zerbrechlichere emotionale Realität, in der sorgfältig gepflegte Rituale auf tiefere Ängste und Abhängigkeiten hindeuten.

Mit Blick auf das Kino selbst betritt 81 METRS während der Pandemie im Jahr 2021 Lettlands letzte noch erhaltene Kinosäle. Gedreht auf Super 8, reflektiert der Film über die Verletzlichkeit physischer Kinoräume und die kollektiven Erinnerungen, die sie weiterhin bewahren.

Fragen nach Disziplin und Pflicht tauchen in GUARD OF HONOUR auf, wo eine zeremonielle militärische Routine fortbesteht, selbst als eine Naturkatastrophe die Szene stört. Der einfache Akt, auf seinem Posten zu bleiben, wird sowohl absurd als auch still ergreifend.

Schließlich stellt KUR SAULĪTE NAKTI GUĻ? den modernen Arbeitsplatz als surreale Unternehmensmythologie dar. In fensterlosen Büros, bevölkert von erschöpften Manager:innen und Buchhalter:innen, tauchen seltsame Rituale und Fragmente von Folklore auf, als Wege, mit der Monotonie der heutigen Arbeitswelt fertig zu werden.

In diesen Werken verflechten sich Humor, Melancholie und stille Absurdität. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild der Gegenwart, in der Menschen Routinen, Geschichten und kleine Gesten der Fürsorge schaffen – Wege, sich zu erden und dem Alltag einen Sinn zu geben. In Momenten der Unsicherheit werden diese Gewohnheiten zu Werkzeugen der Resilienz und helfen uns, uns in einer Welt zurechtzufinden, die nicht nur von persönlichen Zweifeln, sondern auch von den Lasten und Ängsten der aktuellen Zeit geprägt ist. Die Filme erinnern uns auf sanfte Weise daran, dass Menschsein bedeutet, ständig nach einer Verbindung, Sinn und Stabilität zu suchen, selbst wenn sich die Welt um uns herum unsicher anfühlt.

38. FILMFEST DRESDENFokus Québec: Shifted Horizons

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Mit diesem Programm wollte ich die kulturelle Vielfalt durch Ästhetik und Form erkunden, um zu zeigen, wie groß und doch einzigartig Québec in seiner kreativen Energie ist. Obwohl all diese Filme unterschiedliche Kulturen und Ideen behandeln, zieht sich der pulsierende kreative Impuls der einzigartigen Kunst Québecs wie ein roter Faden durch alle Filme.

Ich interessiere mich für Ästhetik als Mittel zur Erforschung von Kultur und Perspektive, deshalb habe ich das Programm „Shifted Horizons“ genannt. Normalerweise denken wir bei Quebecer Kino nur an französisch-kanadisches Kino, und ich wollte die Tiefen und Ecken erkunden, die nicht unbedingt immer repräsentiert oder zusammen gezeigt werden.

38. FILMFEST DRESDENPanorama International: Ananas nach der Apokalypse

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
22:30

Tickets: http://www.filmfest-dresden.de/de/programm/online-programm

Wusstet Ihr, dass man aus der Spitze einer Ananas eine neue Ananas züchten kann, und aus der Spitze dieser Ananas wiederum eine weitere – und so weiter und so fort, theoretisch bis in alle Ewigkeit? Nützliches Wissen für den Tag, an dem geopolitische Katastrophen die Menschheit dazu zwingen, neu zu lernen, wie man in einer Welt nach dem Internet lebt. Bei dem Versuch, digitale Erinnerungen in die Realität zurückzubringen, könnte eine süß-saftige Ananas Euren Abend in einer von Mark Zuckerberg und dem Jenner-Kardashian-Clan betriebenen Entzugsklinik retten.

Saftig ist auch das Stichwort für zwei Schweißer, die während ihrer Mittagspause ein Himmelsphänomen beobachten. Angesichts des Erhabenen lassen sie ihre Masken fallen – obwohl die Sonne scheint. Apropos Masken: Habt Ihr jemals über die Gefühle einer Rettungspuppe nachgedacht? Hinter ihrem starren Lächeln strömen Emotionen durch ihren Plastikkörper, besonders wenn sie am Boden eines Schwimmbeckens vergessen wird. Wie schön wäre es, von den starken und beruhigenden Armen eines Schwimmers aufgehoben und an die Oberfläche gebracht zu werden …

Könnte dieser Schwimmer Pubert Jimbob sein? Noch nicht. Zunächst muss er Nadine, einem Klumpen mit Mund, zu Hilfe kommen, nachdem er von einer rätselhaften Gestalt, die ihm ein Feuerzeug zuwirft, von seinem geliebten Sofa weggelockt wurde. Candela hingegen hätte wahrscheinlich auf ihrem bleiben sollen. Stattdessen überfährt sie versehentlich den Hund ihres Neffen – ausgerechnet an seinem Geburtstag. Anstatt zu gestehen, erfindet sie eine Legende über eine Pilgerreise von Hunden zu einem heiligen Baum.

Und Lügen halten sich ja bekanntermaßen überraschend lange, zumindest bis wir wirklich im Post-Internet-Zeitalter angekommen sind. Bis dahin werden in unserer wilden Welt gewöhnliche Menschen als Wölfe bezeichnet und als nutzlos und gefährlich verfolgt, während sie in Wirklichkeit nur liebenswerte Katzen sind, die ihr normales Leben leben. Am Ende ist sich jedenfalls niemand einig, was wirklich wahr ist: die Sonnenfinsternis, die Pilgerreise, die Wölfe oder die Katzen. Immerhin die Ananas wächst weiter – und das ist ein ebenso gutes System der Wahrheit wie jedes andere.