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THALIA - Cinema . Coffee and Cycling

Kinoprogramm Donnerstag, 21.05.2026 - Mittwoch, 27.05.2026

Nachsitzen! - 80 Jahre DEFAComing Out

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30

Regie: Heiner Carow, (DDR), 1989

Darsteller: Mathias Freihof, Dagmar Manzel, Dirk Kummer u.a.

Coming Out

Philipp mag Tanja, doch er liebt Matthias. Was soll er tun? Tanja (Dagmar Manzel) arbeitet nicht nur zusammen mit Philipp (Matthias Freihof), seit kurzem teilen sie auch das Bett. Sie passen gut zusammen, sind Lehrer von Beruf, sehen beide weiter als bis zum Schulhofzaun und Tanja bekommt ein Kind von Philipp. Und Philipp? Er kann sich nicht entscheiden, zwischen seiner lange erfolgreich verdrängten Homosexualität und dem "normalen Leben" mit Wohnung, Familie, Beruf. Zwischen Tanja für die er auch Vater ihres Kindes sein will und zwischen Matthias (Dirk Kummer), den er mit seiner Unentschlossenheit in einen Selbstmordversuch treibt. Heiner Carow packt hier ein heisses Eisen an, das es offiziell gar nicht gibt. Die DDR distanzierte sich selbstverständlich immer von der bürgerlichen Ignoranz, sowie der nationalsozialistischen Verfolgung. War jedoch zu keiner Zeit in der Lage, über ein blosses politisches Lippenbekenntnis hinaus, im realen Leben Offenheit und Verständnis zu erzeugen.

Am Ende geht Philipp das Wagnis ein, er bekennt sich. Da er alles wollte und verlor, bleibt ihm jetzt nur noch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.

Nachsitzen! - 80 Jahre DEFADie Legende von Paul und Paula

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
18:00

Regie: Heiner Carow, (DDR), 1973

Darsteller: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel u.a.

Die Legende von Paul und Paula

Gegen diesen Film wirkt Leander Haussmanns Sonnenallee bei aller Qualität und Klasse wie Laientheater. Seit Generationen zieht die Verfilmung des Ullrich Plenzdorf Buches Die Legende vom Glück ohne Ende immer wieder ihr Publikum in den Bann. Mag sein, dass es die bildhafte Sprache von Heiner Carows Regie ist, die zwischen einzelnen Sätzen viel Raum zum Nachdenken lässt. Mag auch sein, dass sich hier bewahrheitet, was in Sonnenallee behauptet wird: Die DDR war eine lustige Klassengesellschaft. Mag sein. Seit dem ersten Auftritt der Phudys steht jedenfalls Zweierlei fest: Drachentöter Peter Meyer war damals schon knapp fünfzig und:

Nie wieder hat eine alleinstehende Kaufhallenkassiererin (Angelica Domröse) mit zwei unehelichen Kindern, fast nackt, umgeben von einem Meer Blüten, und mit einem Kranz Blumen im Haar, einen glücklich verheirateten Persönlichen Referenten (Winfried Glatzeder) in seiner Kampfgruppenuniform empfangen, um ihm diese kurz darauf auszuziehen und ihm im Anschluss ihren Traum vom Leben und der Liebe, ”Alles oder Nichts”, ins Ohr zu flüstern. Woraufhin er zur Axt greifen wird. Versprochen.

Shorts Attack: Cannes Shorts

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
20:00

7 Highlights aus dem Kurzfilmwettbewerb des FESTVAL DE CANNES 2025 samt Gewinnerfilm der Goldenen Palme. Geister streiten, es wird getanzt und gesungen, und es geht an einen idyllischen See. Konfrontativ wird es nach einem Autounfall und in Sachen Identität und Vergangenheit – stark!

VULTURES Frankreich, Südafrika 2025 von Dian Weys, 15 min.

ALI Philippinen 2025 von Adnan al Rajeev Bangladesh, 15 min.

HYPERSENSIBLE Kanada 2025 von Martine Frossard, 7 min.

I´M GLAD YOU´RE DEAD NOW Palestina, Frankreich, Griechenland 2025 von Tawfeek Barhom, 13 min.

DAMMEN Frankreich 2025 von Grégoire Graesslin, 15 min.

ARGUMENTS IN FAVOR OF LOVE Portugal 2025 von Gabriel Abrantes, 9 min.

AGAPITO Philippinen 2025 von Arvin Belarmino, Kyla Danelle Romero, 15 min.

http://www.shortsattack.com/cannes-shorts-4/

Premiere: Wolken über Lützerath  

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30

Regie: Lukas Reiter, (Deutschland), 2025

Premiere: Wolken über Lützerath	 

In Lützerath verläuft für Blinker, Ronni und die grüne Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger die 1,5 Grad-Grenze. Auf unterschiedliche Art kämpfen sie für den Erhalt des Dorfes im rheinischen Braunkohlerevier. Während Blinker auf Barrikaden setzt und Ronni sich auf die Medienstrategie der Besetzung konzentriert, versucht Henneberger auf ihre Parteispitze einzuwirken. Doch die hält Lützerath für das „falsche Symbol“. Nach der Räumung bleiben Bilder der Zerstörung, Erinnerungen und erst langsam heilende Wunden.

Im Anschluss Filmgespräch mit Regisseur Lukas Reiter

Allegro Pastell

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:30
21:30 21:30

Regie: Anna Roller, (Deutschland), 2026

Darsteller: Jannis Niewöhner, Luna Wedler, Martina Gedeck u.a.

Allegro Pastell

Verfilmungen von Sensations-Bestsellern sind meistens ein Garant dafür, ein Publikum zu finden. Die deutsche Regisseurin Anna Roller verfilmt mit ihrem zweiten Spielfilm »Allegro Pastell« einen Roman von Leif Randt. Das 2020 erschienene Buch erzählt die störrische Liebesgeschichte zweier Millennials. Der Autor selbst schrieb es zum Drehbuch um. Dabei wandelt er die oft um sich selbst kreisenden Gedanken von Tanja (Sylvaine Faligant) und Jerome (Jannis Niewöhner) für den Film in Off-Kommentare und Textnachrichten um. Die beiden sind seit Längerem ein Paar und leben in ständigem Austausch und mit wenigen Besuchen zwischendurch in einer Fernbeziehung. Jerome, Grafikdesigner, wohnt in einem Haus seiner Eltern im Maintal bei Frankfurt, verbringt seine Zeit mit seinen langjährigen Freunden, die mittlerweile Kinder haben, und lebt ein eher ruhiges Leben. Tanja, die gerade wieder einen Roman veröffentlicht hat, nutzt das Berliner Nachtleben, um jeden Tag zu feiern und kümmert sich wenig um klassische Beziehungsmodelle oder Freundschaften. Immer wieder kommt es so zu Zerwürfnissen zwischen den beiden, aber trotzdem können sie nicht ohne einander leben. Das ist das Porträt von Thirtysomethings, die sich entscheiden müssen zwischen ewigem Partyleben und scheinbar langweiliger Familiengründung. Dabei traut sich Roller, ihre Figuren, die alle wunderbar verkörpert werden, u.a. von der französischen Darstellerin und Newcomerin Sylvaine Faligant, unsympathisch zu zeichnen. Es zeigt, welche negativen Auswirkungen ein Um-Sich-Selbst-Kreisen hat. »Allegro Pasteli« ist dabei gut inszeniert, passt sich dem Tempo und den Lebensrealitäten der Figuren an und schafft es, den Beat dieses Lebensabschnitts einzufangen. Roller gelingt das Kunststück, dass man den Figuren trotz aller Antipathien bis zum Ende folgt und sich in die vergangene Zeit (vor Corona) wunderbar hineinfühlen kann.

Doreen

German version with English subtitles

Rose

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45 17:45 17:45 17:45
19:30
20:00

Regie: Markus Schleinzer, (Österreich/Deutschland), 2026

Darsteller: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt u.a.

Rose

Die Landschaft ist so kriegsversehrt wie die Menschen, als aus den Nebeln ein seltsamer Soldat auftaucht und Anspruch auf einen lange aufgegebenen Gutshof stellt. Der 30-jährige Krieg ist noch in vollem Gange, die protestantische Gemeinde des abgelegenen Dorfes skeptisch. Irgendwas scheint faul an dem Fremden mit der entstellenden Narbe im Gesicht. Doch dieser erweist sich als gottesfürchtig, arbeitsam und mutig. Er behauptet sich, bewirtschaftet den Hof und gewinnt an Einfluss. Der Preis dafür ist hoch. Denn es ist eine Frau, die sich einen anderen Namen zugelegt und in Hosen gestiegen ist, um in das Dorf zu gelangen. Rose (Sandra Hüller), so heißt der Soldat wirklich, schreckt vor nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Nur der Zufall kann sie enttarnen.

Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer stellt in seinem neuen Film eine Frau in den Mittelpunkt, die in der patriarchalischen Welt des 17. Jahrhundert kühn nach Selbstbestimmung und Freiheit greift und damit notwendig scheitern muss. Dennoch wählt sie diesen unvorstellbar wirkenden Weg. Schleinzer und sein Co-Drehbuchautor Alexander Brom haben aus verschiedenen historisch verbürgten Geschichten über Frauen des 17. Jahrhunderts eine exemplarische Figur kreiert. Für Sandra Hüller bietet der Film die Gelegenheit, noch einmal ganz andere Facetten ihres unglaublichen Könnens funkeln zu lassen. Ihr Spiel und das kongeniale Maskenbild tragen diesen besonderen Film, der trotz seiner elaborierten Sprache und der artifiziellen Sprache sehr ins Heute weist. Für Hüller gab es dafür ihren zweiten Silbernen Bären bei der Berlinale 2026.

Grit Dora

German version with English subtitles

Das Original ist besser!The Drama - Das Drama - Noch mal auf Anfang (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
19:30 19:30
21:15

Regie: Kristoffer Borgli, (USA), 2025

Darsteller: Robert Pattinson, Zendaya, Alana Haim u.a.

The Drama - Das Drama - Noch mal auf Anfang (OmdU)

Stell dir vor, du bist unendlich verliebt in deine:n Partner:in und ihr habt euch entschieden zu heiraten. Alles läuft famos, bis kurz vor dem großen Tag. Denn die warmherzige, entschlossene Emma Hardwood (Zendaya) und der kunstbeflissene Museumsdirektor Charlie Thompson (Robert Pattinson) erfahren erst kurz vorher gewisse Dinge übereinander, die sie in einen Strudel aus Misstrauen und Zweifeln saugen. Plötzlich kommen verstörende Geheimnisse ans Licht und je mehr Druck auf den beiden liegt, desto mehr bröckelt die Fassade der perfekten Liebe. Irgendwie versuchen die beiden dennoch ihre Liebe zu retten, zwischen Baton Rouge, London und den Orten ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Ob die beiden ihre anstehende Hochzeit noch irgendwie retten können?

Schon allein die ersten Bilder zu »The Drama« von Kult-Studio A24 habe das Internet gehörig in Aufruhr gebracht: Queen Zendaya und Glitzer-RPatz (wie wir ihn damals in der »Twilight«-Phase nannten) mit einer Hochzeitseinladung. Regisseur Kristoffer Borgli gibt uns genau das, was wir wollen. Ari Aster ist als Produzent mit dabei, genauso wie Lars Knudsen (»The Witch«) und Tyler Campellone (»Dream Scenario«). In weiteren Rollen sehen wir außerdem Mamoudou Athie, Alana Haim, Hailey Gates und Zoë Winters.

Anne

Das Original ist besser!The Bride! (OmdU)

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
21:30 21:30

Regie: Maggie Gyllenhaal, (USA), 2026

Darsteller: Jessie Buckley, Christian Bale, Annette Bening u.a.

The Bride! (OmdU)

Maggie Gyllenhaals grandios besetztes »The Bride!« verlegt den Frankenstein-Mythos in ein fiebriges, stilisiertes Chicago der 1930er-Jahre: Der einsame und vom Leben entstellte Frank (Christian Bale als Frankensteins Monster) macht sich auf den Weg in die Großstadt, um die exzentrische Wissenschaftlerin Dr. Euphronius (Annette Bening) um das Unmögliche zu bitten: eine Gefährtin. Gemeinsam reanimieren sie den Körper einer ermordeten jungen Frau (Jessie Buckley), und wie bei der Geburt Franks schenkt auch hier Elektrizität neues Leben: Die Braut ist geboren - wilder, eigenwilliger und lebendiger, als ihre Schöpfer es je vorgesehen hatten.

Was zunächst wie ein klassisches Monstermärchen beginnt, kippt schnell in etwas Anarchischeres: Die neu erwachte Frau verweigert sich der Rolle als fügsames Geschöpf und wird zum Funken einer radikalen Gegenkultur, die Polizei, Presse und Moralhüter auf den Plan ruft. Zwischen Mord, Besessenheit und öffentlichen Aufständen entflammt eine geächtete Liebe zwischen zwei Monstern - eine Romanze, die ebenso zerstörerisch ist, wie sie befreiend wirkt.

Neben den zwei brillanten Protagonisten holt sich Maggie Gyllenhaal für ihre zweite Regiearbeit Unterstützung von einem erstklassigen Ensemble: Neben Penélope Cruz wirken auch Gyllenhaals Bruder Jake und ihr Ehemann Peter Sarsgaard als Detective mit. Buckley selbst hat den Film als Mischung aus »Bonnie und Clyde« und »Wild at Heart« beschrieben - nur eben mit Figuren, „in deren Haut Benzin steckt, während jemand das Streichholz hält (…) - die punkigste Liebe, die es je gab“. Absolut sehenswert!

Viktoria Franke

Siri Hustvedt - Dance Around the Self

Do. Fr. Sa. So. Mo. Di. Mi.
17:45

Regie: Sabine Lidl, (Deutschland/Schweiz), 2025

Darsteller: Paul Auster, Sophie Auster, Katerina Fotopoulou u.a.

Siri Hustvedt - Dance Around the Self

Die Regisseurin Sabine Lidl ist bekannt für ihre Künstlerinnen-Dokumentationen, so etwa über die Fotografin Nan Goldin, die Schauspielerin Hannelore Elsner und die Regisseurin Doris Dörrie. 2019 machte sie eine Ausnahme und porträtierte den Schriftsteller Paul Auster. Es ist naheliegend, ja geradezu zwingend, dann auch eine Doku über Siri Hustvedt zu drehen, die trotz zahlreicher Bücher gelegentlich immer noch zuerst als die Frau an der Seite des inzwischen verstorbenen Auster wahrgenommen wird. Hustvedt, eine herausragende Schriftstellerin, beschäftigt sich seit jeher mit Themen wie Geschlechterkampf, Krankheit und Sexismus. Sie ist eine unbequeme Autorin, die sich mit gesellschaftlichen Tabus auseinandersetzt und immer bereit bleibt, unbequeme Fragen zu stellen. Das Film-Porträt gewährt Einblicke in ihr Leben und Werk und zeigt ihre unerschrockene und inspirierende Auseinandersetzung mit körperlichen und psychischen Herausforderungen. Schon fast Klassiker sind ihre kritischen Betrachtungen der Geschlechterdynamik. Der Film kommt genau zum richtigen Zeitpunkt in die Kinos. Gerade erst hat Siri Hustvedt ihr neues Buch vorgelegt, ihr persönlichstes. „Ghost Stories“ widmet sich ganz und gar ihrem 2024 verstorbenen Ehemann Paul. Eine wunderbare Gelegenheit, sich zugleich literarisch und filmisch mit dem Werk der großen amerikanischen Autorin zu beschäftigen.

Grit Dora

Bundesstart - Das Debüt im Thalia