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Im Kontext des sogenannten „Budapest-Komplexes“ gerieten mehrere europäische Antifaschist*innen ins Visier staatlicher Ermittlungen. Hintergrund sind Auseinandersetzungen am Rande des „Tags der Ehre“, einer jährlich in Budapest stattfindenden geschichtsrevisionistischen Veranstaltung, bei der historische Einheiten wie Waffen-SS, Wehrmacht und ungarische Pfeilkreuzler geehrt und glorifiziert werden.
Im Zentrum des Films steht der Fall Maja T. Maja ist Antifaschist*in, nicht-binär und wurde rechtswidrig von Deutschland nach Ungarn ausgeliefert. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Auslieferung später für rechtswidrig. Ungeachtet dessen befindet sich Maja seit über 700 Tagen in Haft in Budapest – unter Bedingungen, die internationalen menschenrechtlichen Standards widersprechen. Auch die vom Verfassungsgericht angeordnete Rückführung wird politisch weiterhin ignoriert.
Mittlerweile liegt ein erstinstanzliches Urteil vor. Maja T. wurde zu acht Jahren Haft verurteilt. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung haben gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt. Derzeit wartet Maja auf das Berufungsverfahren.Welche Auswirkungen der Machtwechsel in Ungarn nach dem Erdrutschsieg von Péter Magyar und seiner Partei TISZA auf den Fall haben wird, bleibt abzuwarten. Bislang gilt „die Antifa“ weiterhin als terroristische Organisation. Ob der angekündigte Kampf gegen die mangelnde Unabhängigkeit der ungarischen Justiz erfolgreich sein wird und Auswirkungen auf das Verfahren haben wird, ist ebenso offen.
„Maja T. - Extracts from the Trials“ begleitet die Entwicklung des Verfahrens vom „Tag der Ehre“ 2025 bis zu den Verhandlungstagen im September 2025. Der Film zeigt Auszüge aus den Verhandlungen gegen Maja T. in Budapest, sowie die internationale Solidaritätsbewegung.
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Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=Lc0xc4gQKU8&t=1s
Es ist wirklich poetisch, was die Regisseurin, Autorin und Fotografin Jelena Ilić mit ihrem Dokumentarfilm »Eine Krankheit wie ein Gedicht« erschaffen hat. Ein schmerzhaftes Gedicht, das die Beziehung zu ihrem Vater nicht nur in Verse, sondern vor allem in Bilder packt. Ilićs Vater hat eine »drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp« und sitzt deswegen in der Forensik. Die Filmemacherin wünschte, er würde für immer dort bleiben; keine Gefahr für sich und andere darstellen - besonders nicht für sie. Denn da ist eine Angst in ihr, der sie sich in diesem Film stellt.
Die Kamera hilft ihr, ein bisschen Abstand zum Geschehen zu entwickeln. Und am Anfang geht es auch nur ums reine Dokumentieren, nicht ums Filmemachen. Es entwickelt sich nach und nach aber ein Film in Zusammenarbeit mit ihrem Vater, nicht über ihn. Vater und Tochter tauschen ein Skizzenbuch aus, füllen Seite für Seite. Ilić überträgt diese Formensprache auf den Film und lässt damit tief blicken, ohne immer viel sagen zu müssen. So mischen sich Angst, Überforderung und Wut alsbald mit Nähe und Akzeptanz, nehmen einen immer größeren Raum ein und spiegeln die Ambivalenz in der Vater-Tochter-Beziehung - inner- und außerhalb der forensischen Psychiatrie. Ilić sagt, sie habe keinen Weg gefunden, mit der Krankheit des Vaters umzugehen. „Ich habe nur gelernt, neben ihr herzulaufen, anstatt vor ihr wegzurennen.“ Das ist berührend und preisgekrönt. Beim Neiße Filmfestival im Frühjahr erhielt sie etwa die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm, bei der Filmkunstmesse in Leipzig gab es zuletzt den Publikumspreis.
mana
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Er ist erst auf den zweiten Blick wirklich wiederzuerkennen: Tom Cruise als titelgebender „Digger“ entert mit bedenklich schütterem Haar und einem Bauchansatz, der eigentlich eine Wampe ist, die Leinwand. Der (von »Eyes Wide Shut« mal abgesehen) auf Action abonnierte Mime spielt einen reißerischen Ölbaron, der die Menschheit retten soll, nachdem er eine globale Katastrophe ausgelöst hat. Den Auftrag erhält er vom so aufgebrachten wie aufbrausenden US-Präsidenten (John Goodman at his best). Aber Digger ist eher einer, der Chaos auslöst, statt es unter Kontrolle zu bringen. Cruise spielt keinen unerschrockenen Helden, sondern einen größenwahnsinnigen Machtmenschen. Der Star, dessen Körper in »Mission: Impossible« zum Instrument perfekter Selbstbeherrschung geworden ist, demontiert genüsslich den Kult um seine Person. Regie führt Alejandro González Iñárritu, der sich nie auf eine feste Handschrift festlegen lässt. »21 Gramm« und »Babel« erzählen von Zufall, Schuld, Verlust und den Folgen menschlicher Entscheidungen. »Biutiful« konzentriert diese Themen auf einen Einzelnen, »Birdman« macht daraus eine schwarze Komödie über Eitelkeit und Anerkennung, »The Revenant« ein Überlebensdrama. Was sie verbindet, sind Menschen, deren Kontrolle über das eigene Leben zerbricht. »Digger« scheint diesen Gedanken weiterzuführen. Gedreht wurde auf 35-mm-Film im VistaVision-Verfahren, mit Kameramann Emmanuel Lubezki. Besonders ist die Mischung aus schrillen Bildern, Katastrophenfantasie, schwarzer Komödie und persönlicher Hybris: Iñárritu zeigt, dass die mächtigsten Männer der Welt keine Retter, sondern ein Problem sind. Neben Cruise und Goodman spielen Sandra Hüller. Michael Stuhlbarg, Riz Ahmed und Jesse Plemons.
Grit Dora
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In den 80ern kämpfte sich ein kleiner Indie-Slasher-Film an die Spitze der Charts und in die Herzen der Filmliebhaber:innen. Daraufhin gab es mehrere weitere Verfilmungen, allerhand Merch und sogar Actionfiguren. Die Camp Miasma Filme sind Kult. Nun soll die ambitionierte queere Filmemacherin Kris Williams (Hannah Einbinder), die gerade ein hervorragendes Regiedebüt abgeliefert hat, einen neuen Teil der Slasherfilm-Reihe drehen. Sie soll mit dem neuen Teil das Franchise wieder aus der finanziellen Notlage rausholen. Kris will jedoch nicht einfach ein Remake oder einen weiteren Teil machen, sie will etwas ganz Besonderes aus dem Stoff rausholen. Bei der Recherche zu den Camp Miasma Teilen entwickelt Kris eine zunehmende Faszination für das „Final Girl“ Billy Presley (Gillian Anderson) des Originals. Sie schafft es, die mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin ausfindig zu machen und trifft sich mit ihr. Ausgerechnet der Originalschauplatz des ersten Camp Miasma Filmes ist die Wahlheimat des ehemaligen Stars. Kris möchte Billy unbedingt für einen Cameo-Auftritt gewinnen. Doch irgendetwas stimmt mit Billy nicht. Sie nennt als Grund, warum sie ausgerechnet im Camp wohnt, dass irgendjemand da sein muss, wenn „Little Death“ (Jack Haven) wieder aufersteht. „Little Death“ ist der Serienkiller in den Camp Miasma Filmen, der als Kopf einfach einen Lüftungsschacht hat. Dass diese Figur nur fiktiv ist und nicht im wahren Leben herumlaufen kann, das scheint Billy nicht zu interessieren. Kris findet sich bald in einem Strudel aus Angst, Lust und Wahnvorstellungen wieder, in dessen Zentrum die mysteriöse Frau ihrer Träume steht.
Regie und Drehbuch von »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« stammen von Jane Schoenbrun, die z.B. auch »I saw the TV glow« machte. Der Film ist keine Parodie kultiger Slasherfilme und auch kein billiger Abklatsch, sondern eher eine nuancierte Hommage voller Liebe für das Genre.
Anne
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Kehren Exilanten nach dem 2. Weltkrieg nach Deutschland zurück, lastet die Erkenntnis schwer, dass das Land der Väter zugleich das Land der Mörder ist. Der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann kommt lange nicht den Aufforderungen aus Deutschland nach, ins Vaterland zurückzukehren und sich dem hier herrschenden Elend zu stellen, er verlegt seinen Wohnsitz aus den USA in die Schweiz. Als er 1949 anlässlich des 200. Geburtstages von J. W. v. Goethe nach Frankfurt/M. und Weimar reist, wird viel vom „größten deutschen Erzähler“ erwartet. Vier Jahre nach Kriegsende suchen die Menschen nach einem hoffnungsvolleren Bild für die Zukunft. Thomas Mann (Hans Zischler) und Tochter Erika (Sandra Hüller) begegnen mit gemischten Gefühlen den Überlebenden wie den Überlebten. Beifall mischt sich mit Anwürfen, sie finden Polizeischutz und andächtige Zuhörer in und vor der Paulskirche, sie schreiten über alte Gräben und über neue, besonders, da sie nicht Halt machen an der sogenannten Zonengrenze. Von altgedienten Wagner-Erben, belesenen Offizieren oder künftigen Kulturministern wird Mann abwechselnd beschimpft oder hofiert. Die damals grassierende Anschuldigung, es seien gerade die Exilanten die Verräter, weil sie sich der Ermordung des Landes durch ihren Weggang entzogen hätten, atmet noch ganz den alten, kaiserlichen Untertanengeist, treu bis zum Tode, wie er einst von Thomas Manns älterem Bruder zu Papier gebracht worden war. Auf die Leinwand bringt diese frei nacherzählte, höchst aktuelle Betrachtung der Pole Paweł Pawlikowski, der mit „Ida“ einen feinsinnigen und mit „Cold War“ einen politischen Blick aufs vorige Jahrhundert warf. Hier nun begleitet er den Heimkehrer bei seinem Gang durchs gespaltene Land und mitten ins neu aufkommende Trommelfeuer zweier Systeme und ihrer gegensätzlichen Narrative. Neu Stellung soll nun jeder beziehen. Dabei liegt alles noch in den alten Trümmern.
alpa kino
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Das Leben des queeren Fitness-Influencers Jim gerät aus den Fugen, als in Paris die Heterose grassiert - ein mysteriöses Virus, das schwule Männer hetero macht. Als der muskelbepackte Star der ikonischen „Gym Queens“ sich ebenfalls infiziert, wird er auf einen Schlag zum sozialen Außenseiter, dessen einziger verbliebener Follower ausgerechnet der frisch geoutete Twink Lucien ist. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Suche nach einem Heilmittel, um nicht nur Jim zu retten, sondern die gesamte Community vor dem Aussterben zu bewahren…
Mit ihrer Animationskomödie für Erwachsene tauchen die Regisseure Marco Nguyen und Nicolas Athané tief in die queere Gegenwartskultur ein und lassen sich dabei von ihren persönlichen Erfahrungen innerhalb der Pariser LGBTQIA+-Szene inspirieren. Vor pointiertem Humor nur so sprühend, hinterfragt die bissige Satire neben Heteronormativität auch die ungeschriebenen Codes und Ausgrenzungsmechanismen der schwulen Community und macht augenzwinkernd deutlich, wie grau eine Welt ohne Regenbogen wäre.
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Dem Beschreiben, Besuchen, Bewundern der Insel Hiddensee lag immer schon ein besonderer Zauber inne. Ganz zu schweigen vom tatsächlichen Bewohnen des schmalen Streifens „süßen Landes“. Immer schon zog es Menschen weg von den mondänen Seebädern der Begüterten und Betuchten, hin zu den unverbauten, unmotorisierten 17 Kilometern Ostseesand. So wuchs übers letzte Jahrhundert ein ansehnlicher Kreis an Dauergästen und Zeit-Insulanern heran. Egal unter welchem Regime, hier war das Publikum immer erlesen, speziell und charmant. Sommers residierten hier Gerhart Hauptmann, Joachim Ringelnatz, Heinrich George oder Asta Nielsen. Fest verbunden mit der Insel ist auch der Name von Gret Palucca, die hier viele Sommermonate mit ihren Schülerinnen arbeitete. „Wer einmal hier war, kommt immer wieder - oder nie“. Wie passen Karl-Eduard von Schnitzler, Nina Hagen, Bertolt Brecht oder Feeling B. in das Urlaubsparadies und wie die Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel (»Anderson«, »Familie Brasch«)? Selbst bei soviel herrlichem Publikum gilt es Geschichte zu schürfen, hat Hendel sich gesagt, und erinnert sich an ihre eigene, wilde Sommer-Jugend auf Hiddensee. In einem stillen Schwarz/Weiß porträtiert sie die Insel von heute, mit ihren aktuellen kommunalpolitischen Zerwürfnissen, die Insel ihrer eigenen Jugend mit den Punkkonzerten am Strand und die Insel von anno damals, mit all den namhaften Festlandflüchtlingen, die der Inselpuppenspieler Karl Huck liebevoll verfremdet.
alpa kino
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| 17:15 |
Eva Müller und Isabel Schneider erzählen die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er und früher 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.
Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert - durch „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“ und später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was haben Humor, Witz und Unterhaltung mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Dieser Film ist eine Zeitreise zurück zu den Lachern der 90er und 00er. „Was haben wir gelacht“ - oder vielleicht doch nicht?
„Unsere Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins haben - jede auf ihre Weise, auch in kaum bekannten Fernsehmomenten - mehr Sichtbarkeit von Frauen im Unterhaltungsfernsehen erkämpft. Sie waren dabei Autorinnen ihrer eigenen Geschichte, aber auch Betroffene von Sexismus, Häme, Queer- und Frauenfeindlichkeit. Sie kennen sich, schätzen sich, sehen in unserem Film dieselben Archiv-Momente und schauen aus heutiger Perspektive auch kritisch auf sich selbst, ihr Schaffen und das ihrer Kolleginnen.“