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Dem Beschreiben, Besuchen, Bewundern der Insel Hiddensee lag immer schon ein besonderer Zauber inne. Ganz zu schweigen vom tatsächlichen Bewohnen des schmalen Streifens „süßen Landes“. Immer schon zog es Menschen weg von den mondänen Seebädern der Begüterten und Betuchten, hin zu den unverbauten, unmotorisierten 17 Kilometern Ostseesand. So wuchs übers letzte Jahrhundert ein ansehnlicher Kreis an Dauergästen und Zeit-Insulanern heran. Egal unter welchem Regime, hier war das Publikum immer erlesen, speziell und charmant. Sommers residierten hier Gerhart Hauptmann, Joachim Ringelnatz, Heinrich George oder Asta Nielsen. Fest verbunden mit der Insel ist auch der Name von Gret Palucca, die hier viele Sommermonate mit ihren Schülerinnen arbeitete. „Wer einmal hier war, kommt immer wieder - oder nie“. Wie passen Karl-Eduard von Schnitzler, Nina Hagen, Bertolt Brecht oder Feeling B. in das Urlaubsparadies und wie die Dokumentarfilmerin Annekatrin Hendel (»Anderson«, »Familie Brasch«)? Selbst bei soviel herrlichem Publikum gilt es Geschichte zu schürfen, hat Hendel sich gesagt, und erinnert sich an ihre eigene, wilde Sommer-Jugend auf Hiddensee. In einem stillen Schwarz/Weiß porträtiert sie die Insel von heute, mit ihren aktuellen kommunalpolitischen Zerwürfnissen, die Insel ihrer eigenen Jugend mit den Punkkonzerten am Strand und die Insel von anno damals, mit all den namhaften Festlandflüchtlingen, die der Inselpuppenspieler Karl Huck liebevoll verfremdet.
alpa kino
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Er ist erst auf den zweiten Blick wirklich wiederzuerkennen: Tom Cruise als titelgebender „Digger“ entert mit bedenklich schütterem Haar und einem Bauchansatz, der eigentlich eine Wampe ist, die Leinwand. Der (von »Eyes Wide Shut« mal abgesehen) auf Action abonnierte Mime spielt einen reißerischen Ölbaron, der die Menschheit retten soll, nachdem er eine globale Katastrophe ausgelöst hat. Den Auftrag erhält er vom so aufgebrachten wie aufbrausenden US-Präsidenten (John Goodman at his best). Aber Digger ist eher einer, der Chaos auslöst, statt es unter Kontrolle zu bringen. Cruise spielt keinen unerschrockenen Helden, sondern einen größenwahnsinnigen Machtmenschen. Der Star, dessen Körper in »Mission: Impossible« zum Instrument perfekter Selbstbeherrschung geworden ist, demontiert genüsslich den Kult um seine Person. Regie führt Alejandro González Iñárritu, der sich nie auf eine feste Handschrift festlegen lässt. »21 Gramm« und »Babel« erzählen von Zufall, Schuld, Verlust und den Folgen menschlicher Entscheidungen. »Biutiful« konzentriert diese Themen auf einen Einzelnen, »Birdman« macht daraus eine schwarze Komödie über Eitelkeit und Anerkennung, »The Revenant« ein Überlebensdrama. Was sie verbindet, sind Menschen, deren Kontrolle über das eigene Leben zerbricht. »Digger« scheint diesen Gedanken weiterzuführen. Gedreht wurde auf 35-mm-Film im VistaVision-Verfahren, mit Kameramann Emmanuel Lubezki. Besonders ist die Mischung aus schrillen Bildern, Katastrophenfantasie, schwarzer Komödie und persönlicher Hybris: Iñárritu zeigt, dass die mächtigsten Männer der Welt keine Retter, sondern ein Problem sind. Neben Cruise und Goodman spielen Sandra Hüller. Michael Stuhlbarg, Riz Ahmed und Jesse Plemons.
Grit Dora
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| 18:00 |
Eva Müller und Isabel Schneider erzählen die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er und früher 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.
Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert - durch „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“ und später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was haben Humor, Witz und Unterhaltung mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Dieser Film ist eine Zeitreise zurück zu den Lachern der 90er und 00er. „Was haben wir gelacht“ - oder vielleicht doch nicht?
„Unsere Protagonistinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins haben - jede auf ihre Weise, auch in kaum bekannten Fernsehmomenten - mehr Sichtbarkeit von Frauen im Unterhaltungsfernsehen erkämpft. Sie waren dabei Autorinnen ihrer eigenen Geschichte, aber auch Betroffene von Sexismus, Häme, Queer- und Frauenfeindlichkeit. Sie kennen sich, schätzen sich, sehen in unserem Film dieselben Archiv-Momente und schauen aus heutiger Perspektive auch kritisch auf sich selbst, ihr Schaffen und das ihrer Kolleginnen.“
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Das Leben des queeren Fitness-Influencers Jim gerät aus den Fugen, als in Paris die Heterose grassiert - ein mysteriöses Virus, das schwule Männer hetero macht. Als der muskelbepackte Star der ikonischen „Gym Queens“ sich ebenfalls infiziert, wird er auf einen Schlag zum sozialen Außenseiter, dessen einziger verbliebener Follower ausgerechnet der frisch geoutete Twink Lucien ist. Gemeinsam begeben sich die beiden auf die Suche nach einem Heilmittel, um nicht nur Jim zu retten, sondern die gesamte Community vor dem Aussterben zu bewahren…
Mit ihrer Animationskomödie für Erwachsene tauchen die Regisseure Marco Nguyen und Nicolas Athané tief in die queere Gegenwartskultur ein und lassen sich dabei von ihren persönlichen Erfahrungen innerhalb der Pariser LGBTQIA+-Szene inspirieren. Vor pointiertem Humor nur so sprühend, hinterfragt die bissige Satire neben Heteronormativität auch die ungeschriebenen Codes und Ausgrenzungsmechanismen der schwulen Community und macht augenzwinkernd deutlich, wie grau eine Welt ohne Regenbogen wäre.
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| 22:15 |
In den 80ern kämpfte sich ein kleiner Indie-Slasher-Film an die Spitze der Charts und in die Herzen der Filmliebhaber:innen. Daraufhin gab es mehrere weitere Verfilmungen, allerhand Merch und sogar Actionfiguren. Die Camp Miasma Filme sind Kult. Nun soll die ambitionierte queere Filmemacherin Kris Williams (Hannah Einbinder), die gerade ein hervorragendes Regiedebüt abgeliefert hat, einen neuen Teil der Slasherfilm-Reihe drehen. Sie soll mit dem neuen Teil das Franchise wieder aus der finanziellen Notlage rausholen. Kris will jedoch nicht einfach ein Remake oder einen weiteren Teil machen, sie will etwas ganz Besonderes aus dem Stoff rausholen. Bei der Recherche zu den Camp Miasma Teilen entwickelt Kris eine zunehmende Faszination für das „Final Girl“ Billy Presley (Gillian Anderson) des Originals. Sie schafft es, die mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin ausfindig zu machen und trifft sich mit ihr. Ausgerechnet der Originalschauplatz des ersten Camp Miasma Filmes ist die Wahlheimat des ehemaligen Stars. Kris möchte Billy unbedingt für einen Cameo-Auftritt gewinnen. Doch irgendetwas stimmt mit Billy nicht. Sie nennt als Grund, warum sie ausgerechnet im Camp wohnt, dass irgendjemand da sein muss, wenn „Little Death“ (Jack Haven) wieder aufersteht. „Little Death“ ist der Serienkiller in den Camp Miasma Filmen, der als Kopf einfach einen Lüftungsschacht hat. Dass diese Figur nur fiktiv ist und nicht im wahren Leben herumlaufen kann, das scheint Billy nicht zu interessieren. Kris findet sich bald in einem Strudel aus Angst, Lust und Wahnvorstellungen wieder, in dessen Zentrum die mysteriöse Frau ihrer Träume steht.
Regie und Drehbuch von »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« stammen von Jane Schoenbrun, die z.B. auch »I saw the TV glow« machte. Der Film ist keine Parodie kultiger Slasherfilme und auch kein billiger Abklatsch, sondern eher eine nuancierte Hommage voller Liebe für das Genre.
Anne